Die Zauberin

Es war nicht mein Tag…

Heute hatte ich das Haus verkauft. Dort in Raukfurth war ich die letzten Jahre zu Hause gewesen. Und jetzt hatte ich es verkauft – weit unter Wert. Wie unverschämt der Händler gewesen war; allein dafür hätte ich ihn schon verfluchen sollen. Doch stattdessen ging ich achselzuckend darüber hinweg. Jetzt hatte ich es mir bequem gemacht, ein kleines Lager an einem Bach, das Feuer flackerte gemütlich. Ich schaute in die Flammen, meine Gedanken wanderten zurück – wie so oft in letzter Zeit.

Als sich meine Begabung das erste Mal gezeigt hatte – da waren meine Eltern erleichtert gewesen. Und freuten sich auch für mich. Meine Eltern kannten nur eine Zauberin: Neeska. Und sie war beliebt, wie die meisten von uns – damals jedenfalls. Doch jetzt saß ich hier am Feuer. Kora wartet auf mich, eine der wenigen treuen Seelen unter den Menschen. Die meisten fürchten uns in diesen Tagen. Früher war das anders, da waren wir nicht nur hoch angesehen, sondern auch beim einfachen Volk beliebt. Was ein Krieg nicht alles ändern kann. Krieg nimmt einem Freunde, Mitschwestern und vielen Menschen auch den Respekt.

In diesem Krieg hatten Zauberer auf beiden Seiten gekämpft – und es waren viele gestorben. Der Respekt der Menschen war an vielen Orten Hass gewichen. Vergessen, was wir ihnen Gutes getan hatten – jetzt erinnerten sie sich hauptsächlich an die Gräuel. Auch wenn diese nicht von meinem Konvent, sondern von unserem gemeinsamen Feind verübt wurden. Es waren ebenfalls Zauberer und Zauberinnen gewesen, nur das zählte für die Menschen hier. Und wir Zauberinnen wurden seitdem oft einfach nur noch Hexen genannt. Früher wurde dieses Wort nur für Schwarzkünstlerinnen verwendet… Doch was soll’s, auf dem Hof wartete Kora. Dort waren wir allein, die Blicke der Menschen würden uns nicht mehr verfolgen. Ich seufzte, blickte kurz zu den Pferden. Es war warm, ein angenehmer Juliabend. Und mein Lager war gesichert, Neeskas Tipps beherzigte ich immer noch: Jedes Lager schützte ich mit einem Kreis. Ich seufzte, legte mich zur Ruhe.

Mitten in der Nacht wurde ich wach. Für einen Moment musste ich überlegen, wo ich war, doch der Alarm schrillte in meinem Kopf: Es näherte sich jemand. Ich bewegte mich nicht, zumindest nicht sichtbar. Meine Ohren gespitzt hörte ich in einiger Entfernung am Rande des Kreises Schritte. Eine einzelne Person schlich herum, oder versuchte es zumindest. Neben mir, noch halb unter der Decke, lag mein kleiner Beutel. Ich zog vorsichtig einen kleinen Handspiegel hinaus, bewegte mich möglichst wenig, stellte mich schlafend. Meine Finger formten unter der Decke einen Zauber. So konnte ich im Spiegel sehen, was hinter mir passierte. Ein einzelner Mann beobachtete mein Lager, zerlumpt und dreckig war er.

Ich wartete ab, vielleicht kam er doch nicht auf dumme Ideen. Aber es sah nicht so aus: Er schlich zu den Pferden. Und dann ging er zum Sattel, wieder formten meine Finger einen Spruch, ich wartete nur noch auf den richtigen Moment. Als er den Sattel leise aufhob und er sich zu den Pferden umdrehte war der Zeitpunkt gekommen: Ich warf den Spruch auf ihn: Schmerz in seinen Körper, Feuer bis hinab in sein Mark. Kein Mensch, der diesen Schmerz das erste Mal spürt, bleibt stehen. Ein Schrei, er stürzte und ich hatte alle Zeit der Welt zum Aufstehen. Ich ordnete kurz meine Kleidung, nahm meine Reitgerte und ließ dann seinen Schmerz abklingen. Er drehte sich um, langsam, das Feuer brannte in seinem Körper und verlangsamte ihn. „Wie kann ein Mensch so dumm sein, mich anzugreifen…“ dachte ich mir und grinste.

Als er sich ganz umgedreht hatte, ließ ich den Schmerz für einen Moment wieder etwas stärker werden. Er sollte nicht noch einmal auf dumme Ideen kommen. Das schien seine Wirkung nicht zu verfehlen, er ging auf die Knie und bettelte um sein Leben. Ich lächelte immer noch. Dieses undurchdringliche Lächeln, von dem ich wusste, das es auch einschüchternd wirkte. Als ich näher kam, schwieg er endlich. Er roch etwas unangenehm, nach alter ungewaschener dreckiger Haut. Ich ignorierte es so gut es ging.

Ich ließ ihn aufstehen, und brachte ihn etwas näher zum Feuer. Mit meiner Gerte zeichnete ich einen Kreis um ihn. Diesen konnte er nicht verlassen: Wenn er sich dem Rand näherte, wurde es wieder schmerzhaft für ihn. Kaum war der Kreis fertig, ließ ich seine Schmerzen ganz vergehen, während ich zu meiner Decke zurückging. Ich warf ihm noch einen Blick zu: „Ich will nicht noch einmal in meiner Nachtruhe gestört werden.“

Ich ärgerte mich, jetzt musste ich wieder zurück in die Stadt. Das wollte ich eigentlich nicht. Aber dieser Dieb sollte einem Richter vorgeführt werden. Er würde seine Strafe erhalten. Still und ruhig lag ich da, hinter mir hörte ich den Dieb schwer atmen. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir: Er testete die Grenzen des Kreises um ihn herum. Aber rasch merkte er, dass es kein Entkommen gab. Ich grübelte nach, was ich am besten tun sollte. Eigentlich hatte ich keine Lust ihn in die Stadt zu bringen. Bestrafen konnte ich ihn schließlich auch allein. Zu einer Rückerstattung – einer Geldbuße – würde er wohl nicht in der Lage sein. Also blieben nur Körperstrafen und Schuldknechtschaft. Aber wenn er tatsächlich das Pferd stehlen wollte: So ein großer Diebstahl wurde fast immer mit dem Tod bestraft. Nun denn, die Entscheidung hatte noch Zeit. Ich würde ihm einfach die Wahl überlassen. Aber Kora könnte wirklich Hilfe auf dem Hof brauchen…

Am nächsten Morgen ging ich zum nahen Bach und wusch mich. Ich vermisste mein Bad, hatte aber keine Wahl. So aß ich in aller Ruhe etwas, betrachtete dabei meinen Gefangenen. Er schlief unruhig, zusammengekauert, selbst im Schlaf hatte er seinen Kopf unter seinem Arm versteckt. Als ich mit dem Frühstück fertig war, stand ich auf. Ich ging zu den Pferden, brachte sie zum Bach, um sie zu tränken. Ich war gerade zurück gekommen und hatte sie wieder festgemacht, als er wach wurde. Meine Reitgerte lag hier beim Sattel, ich griff danach und ging dann zu ihm hin, baute mich direkt vor ihm auf. Er blieb zusammen gekauert auf dem Boden hocken. Er sah mager aus, nicht wirklich gesund.

Leise sprach ich ihn an. Ich wollte, dass er aufmerksam zuhörte und leise sein half erstaunlicherweise oft besser als die Stimme zu erheben. „Weißt du wer ich bin?“ Er schüttelte den Kopf, blickte starr zu Boden. „Aber du weißt was ich bin..?“ Er zögerte, antwortete dann endlich „Eine Hexe…“ Ich hasste dieses Wort, hasste was es ausdrückte. ‚Mich einfach Hexe zu nennen, wie kann er es wagen‘ dachte ich. Mit einer Bewegung meiner Finger jagte ich wieder den Schmerz durch seinen Körper, kurz und heftig. „Ich bevorzuge den Ausdruck Zauberin.“ Dann ließ ich den Schmerz wieder etwas weniger werden, während er bettelte. Ich ließ ihn aufstehen.

So wie er aussah, war ich mir nicht sicher, ob er gesund war. Und es gibt sogar Krankheiten, die ich nicht so leicht heilen konnte. Daher wollte ich mich vergewissern, wollte ihn zumindest äußerlich inspizieren. Und zusätzlich hatte er mich gereizt. Also konnte ich diese Gelegenheit, ihn zu demütigen, kaum verstreichen lassen. „Zieh dich aus. Ich will sehen, was da so dumm ist, mich zu bestehlen.“ Zögernd zog er seine Lumpen aus, sehr zögernd. Erst als ich den Schmerz ganz allmählich wieder in seinen Körper zurückkehren ließ, gehorchte er endlich ganz.

So stand er mit gesenkten Kopf vor mir, seine zitternden Hände bedeckten sein Gemächt. Ich nahm an, dass er nicht nur den Sattel hatte stehlen wollen. Er sah nicht so aus, als hätte er Verwendung dafür. „Du wolltest also mein Pferd stehlen.“ Ich nahm meine Gerte, berührte ihn damit an der Schulter. „Eigentlich sollte ich dich ja in die Stadt bringen, die würden dort schon wissen, was mit so etwas wie dir zu tun ist.“ Ich ging um ihn herum. Er hatte bestimmt schon bessere Zeiten gesehen. Davon erzählten noch seine breiten Schultern, aber jetzt war er abgemagert. Er hatte schon einige graue Haare auf dem Kopf, aber ich vermutete, dass er nicht so alt war, wie er aussah, vielleicht Mitte dreißig. Der Krieg und der folgende Hunger hatten vielen Menschen Falten ins Gesicht gemeißelt. Unrasiert war er, das war fast schon ein ungepflegter Bart; dazu dunkle Haare auf Brust und Rücken. Das fand ich schon immer abstoßend. Aber keine Anzeichen einer Krankheit, beruhigend. Er roch auch nur ungewaschen, nicht nach Krankheit. Immer noch unangenehm genug, dieses leicht säuerliche, dass einem fast dem Atem nehmen kann…

Ich bemerkte aber die Brandzeichen an seinen Händen, berührte sie, ebenfalls mit der Gerte. „Nicht dein erster Diebstahl, wie ich sehe.“ Er schwieg, nur das Zittern wurde stärker. „Zur Stadt wäre allerdings ein ziemlicher Umweg. Also könnte ich das womöglich auch selbst erledigen… Was meinst du, was eine angemessene Strafe wäre?“ Er ging in die Knie, bettelte, duckte sich, als ob er Prügel erwartete. Das hatte ich eigentlich nicht vor. Spielen wollte ich nicht mit ihm. Ich wollte nur sehen, ob er als Knecht taugte und ihn lehren niemals wieder eine Zauberin zu bestehlen…

„Nun, ich könnte es gleich erledigen. Oder du unterwirfst dich bedingungslos.“ Er zitterte, war starr vor Angst in Erwartung der Strafe. „Kein Kommentar? Gut, immerhin scheinst du meine Ohren nicht quälen zu wollen so wie gestern.“ Ich ging wieder um ihn herum, ich wusste, dass es Menschen oft nervös machte, nicht zu sehen was ich tat. Als ob es dadurch besser würde… „Unterwerfung bedeutet, dass du zuerst eine wahre Höllenwoche erleben würdest. Und was danach kommt und wie lange es dauert, ist allein meine Entscheidung. Also: Tod oder Unterwerfung?“

Er bettelte und fing an zu weinen. Ich aber wollte, dass er sich selbst entschied, mit mir zu gehen. Ich konnte ihn schließlich auch in die Stadt bringen. Aber nachdem er diese Brandmale trug, würde er das vermutlich nicht wollen. Ich erinnerte mich an Renildis Spruch. Den Spruch, der Gehorsam erzwingt, indem er Ungehorsam sofort mit unnachgiebiger Härte bestrafte. „Du scheinst dich nicht entscheiden zu können. Dann machen wir es doch ganz einfach: Ich kann einen Zauber auf dich legen, der dafür sorgt, das du jeden Befehl ausführst. Wenn du mich darum bittest. Ansonsten schleife ich dich gefesselt an einem Strick zur Stadt. So wie du jetzt bist. Und ich werde mich dabei beeilen. Habe keine Lust, zu viel Zeit zu vergeuden, wegen eines Nichtsnutzes wie dir. Ach ja: Du solltest dich schnell entscheiden.“

Ich grinste, irgendwie bereitete mir die Situation doch Vergnügen. Ich mochte die meisten Männer nicht; schon gar keine, die mich bestehlen wollten. Wenn ich ihn tatsächlich bis zur Stadt schleifen würde, so beschloss ich, dann würde ich mir auch seine Verurteilung und die Vollstreckung ansehen. Ich war mir nicht sicher, wie sie in dieser Stadt Wiederholungstäter bestraften, hatte mich nie wirklich darum gekümmert. Er antwortete nicht, kniete immer noch da, bettelnd, stammelnd…

Ich ging zum Gepäck,legte die Gerte zur Seite und holte einen Strick. „Hände auf den Rücken.“ Langsam gehorchte er, fast so langsam wie er seine Kleidung abgestreift hatte. Dann endlich traf er wohl eine Entscheidung. Er drehte sich auf Knien zu mir, immer noch liefen Tränen über sein Gesicht. „Bitte Herrin, ich bitte euch, legt den Zauber auf mich, um meinen Gehorsam zu gewährleisten.“ Ich nickte, ließ den Strick einfach fallen. „Na bitte, ist doch nicht so schwer.“ Kurz rezitierte ich Renildis Spruch im Geiste, konzentrierte mich. Dann bewegte ich meine Finger, legte den Zauber auf ihn. Ich zog meinen Dolch, ritze kurz die Haut an meinen Daumen, bis Blut floss. Damit zeichnete ich ihn auf der Stirn, musste dazu seine langen Haare etwas zur Seite schieben. Es war mir unangenehm, ihn zu berühren, aber nur so würde der Spruch länger als ein paar Stunden halten.

Seinen gesenkten Kopf zog ich etwas zu mir hin, schon wieder hingen ihm seine Haare vorm Gesicht. Es war, als verstecke er sich hinter ihnen, wenn er den Kopf schon nicht mehr halten gesenkt konnte. Ich benetzte seine Lippen mit meinem Blut, lächelte, als er es aufleckte. Er hatte mein Blut in sich aufgenommen. Jetzt würde der Spruch halten, bis ich ihn aufheben würde. Sollte er gegen einen Befehl verstoßen, würde ich es sofort spüren, wie ein leisen entfernten Glockenschlag in meinen Gedanken. Und er würde Schmerzen haben, starke Schmerzen. Diese würden abklingen, wenn er sich entschloss, doch zu gehorchen. Aber die Schmerzen würden nicht ganz verschwinden, nur ich konnte dafür sorgen.

Ich ging zurück, nahm wieder die Gerte in der Hand. Ich würde ihn hoffentlich nicht noch einmal berühren müssen, bevor er gewaschen war. Aber erst musste ich erfahren, ob er als Knecht taugen würde. Wir hatten noch eine gehörige Strecke vor uns, er könnte sich um die Pferde kümmern – wenn er dazu in der Lage war. Ich rief ihn zu mir und fragte ihn danach. Doch anstatt einfach meine Frage zu beantworten, fing er mit einer Erzählung an. Mit einem Gertenhieb unterbrach ich ihn. Er zuckte zusammen und wich zurück. „Mich interessieren deine Geschichten nicht. Ist es so schwer eine einfache Frage zu beantworten?“ Langsam nickte er: „Ja Herrin, ich kenne mich mit Pferden aus.“

Ich war zufrieden, ich glaube, ich lächelte sogar, schickte ihn dann zum Bach. Er sollte sich waschen, es war dringend nötig. Und danach sollte er mein Pferd satteln, sich um das Gepäck und die beiden anderen Pferde kümmern. Er schien sehr erleichtert zu sein, sich zumindest etwas entfernen zu können. Mit seinen Lumpen und etwas Seife eilte er zum Bach. Ich kümmerte mich um mein Gepäck, holte ein Stück Brot aus dem Proviantbeutel für meinen Gefangenen. Und schon spürte ich diesen entfernten Glockenschlag in meinem Kopf. Ich grinste, er hatte wohl mehr getan als sich und seine Lumpen zu waschen. Hatte entweder getrödelt oder versucht, sich davon zu stehlen. So wie ich die Menschen kannte, wohl das zweite..

Es dauerte etwas, bevor er wieder auftauchte, sein nasses Haar klebte an seinem Kopf. Irgendwie amüsierte es mich. Er wusste was ich war, ich hatte ihm gesagt, was der Spruch bewirkt. Und trotzdem musste er es sofort testen. Menschen, besonders Männer, waren oft so. „Wie ich sehe, hast du schon entdeckt wie der Spruch wirkt. Solange du meine Befehle befolgst und dich an meine Regeln hältst, ist alles in Ordnung. Wenn nicht – nun, das weißt du jetzt. Und den Schmerz völlig beseitigen kann übrigens nur ich.“ Ich klopfte mit meiner Hand auf meinen Oberschenkel, rief ihn zu mir. Er kam näher, ging sofort auf die Knie. Er zögerte diesmal kaum. So berührte ich ihn, nahm den Schmerz von ihm.

Er blickte kurz auf – und mir blieb fast das Herz stehen. Das erste Mal konnte ich ihn ansehen, ohne das seine Haar das Gesicht verdeckten. Seine Augen, er hatte Tiemens Augen. Tiemen, der erste Mann, der einzige Mann, der mir jemals etwas bedeutet hatte. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, verbannte den Gedanken an ihn aus meinem Kopf. Während ich das versuchte, sah ich zu, wie der Gefangene das Packpferd belud. Während er mein Pferd sattelte, klopfte er ihm beruhigend auf der Kruppe, sprach mit ihm. Danach band er das dritte Pferd an dem Packsattel fest. Er kannte sich mit Pferden aus, ging ruhig und geschickt mit ihnen um. Ich war zufrieden, lächelte. Wenn er sich auch sonst so geschickt anstellte, konnte er vielleicht tatsächlich als Knecht nützlich sein. Ich warf ihm ein Stück Brot hin und stieg auf. „Verlier mich einfach nicht, sonst hast du ein Problem.“

Im Schritt ritt ich los. Ich wollte zwar endlich ankommen, aber es bestand kein Grund, den Gefangenen abzuhetzen. Ich hatte ihm zwar eine Höllenwoche versprochen, doch ich war am Überlegen, was ich daraus machen würde. Wenn ich ihn wirklich als Knecht behalten wollte, sollte ich ihn besser nicht völlig verschrecken. Er sollte für den Diebstahl bestraft werden, angemessen hart ohne ungerecht zu sein. In der Stadt hätte er wohl sogar ein Todesurteil bekommen, aber auch möglich, dass sie ihm nur den Sattel anlasten würden und ihm einfach eine Hand abhackten. Beides keine Option für mich. Ich beschloss, ihn einfach abends zu peitschen, nur ein Dutzend Hiebe, und des Nachts anzuketten wie einen Hund. Das könnte vielleicht reichen, das Wort Höllenwoche sollte schließlich doch halbwegs berechtigt sein…

Ich dachte an Tiemen, bekam ihn einfach nicht aus meinen Kopf. Er hatte mich viele Jahre begleitet, mich glücklich gemacht. Ich vermisste ihn jeden einzelnen Tag, obwohl sein Tod schon so lange her war. Viel zu früh war er mir entrissen worden…

Durch die Grübeleien war ich noch schweigsamer als sonst. Aber ich achtete bei jeder Rast darauf, dass der Gefangene ausreichend trank und auch genug zu Essen bekam. Proviant hatte ich reichlich, und so mager wie er war, konnte er es bestimmt brauchen. So gab ich ihm auch mehr als genug von der Wurst und etwas Käse aus der Hand. Fetter guter Käse, damit er etwas Fleisch auf die Knochen bekam. Das gute Essen sorgte obendrein dafür, dass er sich langsam entspannte. Das war mir wesentlich angenehmer. Wenn jemand verkrampft neben mir saß, konnte ich kaum Ruhe finden. Obendrein kümmerte er sich bei jeder Rast um die Pferde, ohne dass es eines zusätzlichen Befehls bedurfte. Er versuchte mich gnädig zu stimmen, indem er sich jetzt schon wie ein Diener verhielt.

Ich überlegte, ob ich ihn nicht doch nach seinen Namen fragen sollte. Oder ihm einen geben sollte, auf vielen Höfen trug der Knecht immer den gleichen Namen. Kam ein neuer, wurde er nicht gefragt, ob ihm der Name gefiel: Er hieß trotzdem so wie sein Vorgänger und der davor. Es soll Höfe geben, wo der Knecht schon über hundert Jahren immer den gleichen Namen getragen hatte. Ich hatte das bisher nicht gemacht, in Städten war so etwas weniger üblich.

Wir kamen gut voran, nur unwesentlich langsamer, als ich allein es gewesen wäre. Ich war zufrieden, freute mich auf meine Rückkehr zum Turm. Der war mir vor einiger Zeit in die Hände gefallen, gehörte einem jetzt verstorbenen Zauberer. Seine gesamten Bücher und ein ungewöhnliches Labor hatte er dort. Ich war immer noch nicht damit fertig, alles zu studieren. Und da er ein Schwarzkünstler gewesen war, hielt ich das Labor auch gut verschlossen, hatte Kora verboten es jemals zu betreten. Aber jetzt war es seit ein paar Wochen mein Heim, war das jetzt schon mehr als das Haus, dass ich gerade verkauft hatte. Und Kora hatte es bestimmt schon fertig eingerichtet, bei meiner Abreise eine Woche vorher war es schon fast so weit gewesen.

Gegen Abend hielt ich Ausschau nach einem Rastplatz, fand einen verlassenen Hof. Das Dach des Hauses schien jedenfalls noch dicht zu sein. Der Stall sah zwar nicht ganz so gut aus, aber für eine Nacht sollte es ausreichen. Während der zukünftige Knecht sich um die Pferde kümmerte, zog ich, wie gewöhnlich, einen Alarmkreis um den Hof. Es wurde langsam frisch, so ging ich hinein, nahm aber meine Gerte mit. Sonst hatte ich sie immer bei den Pferden gelassen. Ich setzte mich an den brennenden Kamin, schaute in die Flammen. Langsam wanderten meine Gedanken wieder zurück zu Tiemen, ich schloss die Augen.

Plötzlich hörte ich ein Keuchen, ein unverkennbares Stöhnen. ‚Wie kann er es wagen…‘ dachte ich. Ich griff zu meiner Gerte, stand leise auf. Er hatte mir den Rücken zugedreht, und es war eindeutig was er gerade machte. Ich stürzte mich geradezu auf ihn, ließ meine Gerte auf ihm landen, immer wieder. Er versuchte weiter unter seine Decke zu krabbeln, wütend riss ich sie weg und schlug weiter zu. Allmählich geriet ich außer Atem, versuchte mich zu beruhigen – was mir nicht gelang.

Immer noch wütend, hörte ich trotzdem auf ihn zu prügeln. Ich ließ ihn aufstehen, Angst stand in seinem Gesicht. Mir schossen Bilder von Tiemen durch den Kopf, wie ich ihn geschlagen hatte. Und wie er es damals genossen hatte. Der hier genoss es im Moment nicht, aber das war mir beinahe gleichgültig. Er hatte damit angefangen und er sollte es jetzt zu Ende bringen. „Scheinbar bist du nicht in der Lage, dich anständig zu benehmen, weißt nicht, was sich gehört. Mal sehen, ob ich dir das Vergnügen daran nicht austreiben kann. Du wirst jetzt wichsen, bis du fast kommst. Und dann hörst du auf. Wenn du kommst, ist das ein Regelverstoß. Und du weißt. welche Schmerzen dir dann blühen. Und ich habe nicht vor, sie gleich wieder zu beenden.“ Ich grinste ihn an, er hatte es nicht anders gewollt. Aber es war mir nicht genug, so einfach wollte ich ihn nicht davon kommen lassen. „Das wirst du jeden Abend tun. Wirklich jeden Abend, bevor du dich schlafen legst.“

Plötzlich wurde mir bewusst, dass er sich soeben seine Höllenwoche ausgesucht hatte. Ich musste lachen, er hätte es einfacher haben können. Aber so würde dies die restliche Woche prägen: „Ich schätze, ich habe soeben die ersten Regeln für dich aufgestellt. Ich sagte ja schon, dass du dafür sorgen musst, mich nicht zu verlieren. Die erste Regel ist also, dort zu sein, wo ich dich hin schicke. Derzeit ist das in meiner Nähe. Die zweite Regel: Jeden Abend zu wichsen. Und die dritte: Nicht ohne meine Erlaubnis zu kommen. Und glaube nicht, das ich vorhabe, es dir so schnell zu erlauben. Mal sehen, ob dich das lehrt, dich etwas besser im Zaum zu halten.“

Er bewegte sich nicht, machte keinerlei Anstalten zu gehorchen. Ich musterte ihn, langsam wurde ich ungeduldig: „Fang an.“ Er schaute mich erschrocken an, als der Schmerz über ihn wogte, sackte er auf die Knie. Zitternd wurde ihm klar, dass er keine andere Möglichkeit hatte. Langsam wanderte seine Hand in die Hose. Mit gesenkten Kopf kniete er jetzt vor mir, ich konnte durch den Stoff seiner Hose sehen, wie sich die Hand bewegte. Es dauerte lange bis er wieder anfing zu stöhnen. Mir wurde warm, als ich es hörte, seine Erregung sah. Als er aufhörte, kauerte er zitternd vor mir, bewegte sich nicht mehr. Ich jagte ihn hinaus; konnte und wollte ihn jetzt nicht brauchen.

Kaum war er draußen, legte ich mich wieder hin, mir war warm – wie erregt er gewesen war, sein Keuchen, als er fast zur Erlösung gekommen war und abgebrochen hatte. Nicht freiwillig, sondern weil er es musste. Ich war mir sicher: In dem Moment hätte er lieber weitergemacht, egal ob ich es sah oder nicht. Ich lächelte, meine Hand wanderte über meinen Körper. Wie sehr vermisste ich jetzt Tiemen, jetzt noch mehr als sonst. Seine Zunge auf meiner Haut, in meinem Schritt. Er war ein Künstler mit seiner Zunge gewesen. Meine Hand im Schritt würde ihn nie ersetzen können. Als ich mein Gier gestillt hatte, glitt ich in einen traumlosen Schlaf.

Am nächsten Morgen wurde ich früh wach. Das Kaminfeuer war vollständig herunter gebrannt. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich dem Gefangenen gestern den Restschmerz nicht genommen hatte. Ich grinste, das geschah ihm recht. Ich war mir jetzt sicher: Ich würde ihn nicht nach seinen Namen fragen. Aber so schnell würde ich ihm auch keinen neuen geben, zumindest keinen richtigen.

Ich stand auf, streckte mich und ging hinaus. Er stand bei der Stalltür, ich klopfte mit meiner Hand gegen das Bein, so als ob ich einen Hund rief. Doch er verstand es, kniete kurz darauf vor mir. Ich wartete einen Moment, fragte ihn dann „Die Pferde schon versorgt?“ „Ja Herrin.“ „Ich nehme Tee zum Frühstück.“ „Wie ihr wünscht Herrin.“ Ich ging nach den Pferden sehen. Aus meinen Gepäck nahm ich die Seife und ging hinaus. Ich hatte draußen einen Brunnen gesehen, ging mich waschen. Ich seufzte, wie sehr freute ich mich auf ein warmes Bad.

Dann ging ich zurück in das Haus zu meinem Lager. Als ich den Raum betrat, roch ich schon den Tee. Alles war aufgeräumt, ein Frühstück wartete auf mich. Ich lächelte, nickte zufrieden und setzte mich hin, aß in aller Ruhe. Ich überlegte; ich musste mir sicher sein, dass mich seine Augen nicht getäuscht hatten. Er hatte Tiemens Augen, aber ich musste herausfinden, ob er auch die gleichen Vorlieben hatte. In seine Gedanken eindringen wollte ich aber nicht.

Viele Menschen glauben immer, dass Gedankenlesen für Zauberer einfach sei. Einfach hineinschauen oder hineinhören, und schon wären die Gedanken klar verständlich wie das gesprochene Wort. Aber so war es nicht. Kein Mensch hat so klar geordnete Gedanken. Stattdessen ist es ein Wust von Erinnerungen, Wörtern manchmal, oft eher Bilder und Düfte. Und die Bilder sind nicht bei allen gleich. Es sind oft Assoziationen, und damit ein einziges Durcheinander. Und niemand weiß vorher, was in einem Kopf zu sehen ist. Manchmal sind es sehr schlimme Erinnerungen, aber auch wenn nicht: Die Struktur ist bei jedem Menschen anders.

So ist es eine Kunst, die gewünschte Information zu finden. Und wenn derjenige völlig anders denkt, kann es beim Zauberer sogar zu körperlichen Beschwerden kommen. Übelkeit ist noch das harmloseste. Das ist oft der tatsächliche Grund, warum es Zauberer so selten tun. Ein Spruch, um Lüge zu erkennen, ist viel einfacher. Allerdings hilft das wiederum nur, wenn das Gegenüber bewusst lügt. Irrt er sich oder täuscht er sich, dann lügt er nicht. Und die Erinnerungen eines Menschen sind so zuverlässig nicht. Da erinnerte ich mich an Tiemen, sein Tagebuch hatte mir immer seine Gedanken offenbart. Ich musste bei dem Gedanken an ihn lächeln, kehrte dann aber wieder ins hier und jetzt zurück.

Ich spürte den Blick meines Gefangenen auf mir. Ich nahm ein Stück Brot, warf es zu ihm; trockenes Brot, nichts dazu diesmal. Das musste er sich erst wieder verdienen. Er schlang sein Brot herunter, beobachtete mich zitternd aus den Augenwinkeln. Ich kostete von dem Tee, war damit zufrieden. „Kannst du lesen und schreiben?“ „Ja Herrin.“ Gut, dass bedeutete immerhin, dass er ein Tagebuch führen konnte. Dies wäre schon einmal geklärt. Mir fiel wieder ein, dass er noch den Restschmerz trug. Ich musterte ihn, woraufhin er sich noch kleiner machte. „Hast Du noch etwas zu sagen?“ „Herrin?“ Er zögerte kurz, fuhr dann fort. „Ich bitte um Verzeihung, Herrin. Ich wollte nicht respektlos sein.“ Ich rief ihn wieder mit dem Klopfen meiner flachen Hand. Augenblicklich kam er zu mir, tief auf die Knie. Ich beugte mich etwas nach vorne, berührte seine Stirn, nahm den Schmerz von ihm. Er atmete tief durch und dankte mir. Ich nickte zufrieden.

„Du solltest lernen, wo deine Platz ist. Gestern hast du bewiesen, das du es nicht weißt, dich ungebührlich benommen. Also werde ich etwas strenger sein müssen.“ Einen Moment wartete ich, wollte, das er mir aufmerksam zuhörte. „Du trägst keinen Namen mehr, bis ich dir einen gebe. Wenn Du gefragt wirst: Du bist ein Spielzeug deiner Herrin Lucia.“ Er nickte zitternd, bestätigte, dass er verstanden hatte: „Ja Herrin.“

Ich stand auf, wollte langsam weiter. So ließ ich ihn alles zusammen packen und ritt los. Diesmal nahm ich keine Rücksicht auf ihn, trieb die Pferde zu einen etwas höherem Tempo an. Er kam noch gut mit, aber ich war mir sicher, dass es nicht so bleiben würde: Der Tag war noch jung…

Am späten Vormittag entschloss ich mich, ihn noch etwas zu triezen. Obwohl das Gelände hier hügelig war, wurde ich noch etwas schneller. Er fing an zu laufen, hielt es aber nicht lange durch. Kaum wurde der Abstand größer stoppte ich. Ich ließ den Führstrick vom Packpferd los, wendete und ritt direkt auf ihn zu. Er ging auf die Knie. Ich grinste; jetzt war die Gelegenheit zu testen, ob er Nesseln genauso mochte wie Tiemen früher. Ich blickte mich um, sah auch welche. So holte ich mir eine, war zufrieden, bereits Handschuhe zu tragen. Als ich auf ihn zuging, hielt ich die Nessel hinter meinen Rücken. Er würde noch früh genug merken, was ich vorhatte…

Ich ließ ihn aufstehen, stopfte ihn dann die Nessel in die Hose. Er beugte sich vor, versuchte seinen Unterleib vor mir in Sicherheit zu bringen. Was ihm prompt eine Ohrfeige einbrachte. Einen Gertenhieb hätte ich bevorzugt, aber die hing an meinem Sattel. „Steh still“ schnauzte ich ihn an. Er versuchte zitternd zu gehorchen. So rückte ich die Nessel von außen etwas zurecht, massierte sie etwas ein. Er zitterte, hatte große Schwierigkeiten still zu stehen. Ich grinste, mir gefiel seine Reaktion. „Vielleicht bringt dich das etwas auf Trab.“ Ich musterte ihn schmunzelnd. „Das sollte helfen.“

Ich ritt zu den beiden anderen Pferden, nahm wieder den Führstrick und ritt im gleichen Tempo weiter. Diesmal bemühte er sich mehr mitzukommen. Ich hielt Ausschau nach einem Rastplatz, die Pferde brauchten eine Pause, und mein neues Spielzeug sowieso. Am nächsten Bach hielt ich an, ließ mein Spielzeug Tee für mich bereiten. Ich nahm eine Wachstafel aus meinem Gepäck, fing an mir Gedanken zu machen, wie ich seine Höllenwoche gestalten würde. Er sammelte währenddessen etwas Feuerholz.

Ich schrieb als erstes das Wort ‚Tagebuch‘ auf. Das war wichtig. Auch wenn ich es wohl nicht an erster Stelle nennen würde. Dann hatte ich ihm ja schon eine Regel gegeben: seine ‚abendliche Übung‘. Ich grinste bei dem Namen der Übung. Klang so harmlos, aber ich war mir sicher, dass es das für ihn nicht war. Aber es war genau das passende für seine Verfehlung. Ich verspürte immer noch Wut, wenn ich daran dachte. Er hatte gewusst, was ich war, und selbst wenn nicht, wäre es mehr als nur unschicklich gewesen: Es war beleidigend.

Mir fiel Tiemens altes Geschirr ein. Wir nannten es jedenfalls Geschirr. Es war eigentlich ein Stück Leder, geformt wie ein kleiner Kragen; Leder in der Form eines Dreiviertel-Kreis mit einem Loch in der Mitte. Und das ganze verschließbar. Dieses Geschirr wurde im Schritt am Gemächt – direkt oberhalb der Juwelen eines Mannes – befestigt. Und mit zusätzlichen Riemen oder Schnüren konnten noch weitere Gewichte daran befestigt werden oder auch eine Leine. Eine Leine für mein Spielzeug fand ich eine wundervolle Idee.

Ich schaute zu ihm hinüber, wie er das Holz stapelte. Trotz – oder vielleicht auch wegen – meiner Wut war ich in Spiellaune, so entzündete ich das Feuerholz mit einem kleinen Spruch, kaum das es fertig aufgeschichtet war. Er zuckte etwas zusammen, ich tat als ob ich es nicht bemerkte und sah wieder auf meine Tafel. Er war etwas abgemagert, also sollte ich ihn besser auch schwere Arbeiten machen lassen…

Da mittlerweile Lager und Tee fertig waren, ging ich ans Feuer und fing an zu Essen. Wieder warf ich ihm trockenes Brot hin. Selbst wenn ich den restlichen Weg trödeln würde, es war nicht mehr weit und an diesem Tag leicht zu schaffen. Lächelnd sah ich ins Feuer. „Heute bin ich endlich wieder zu Hause.“ Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich es laut gesagt hatte. Ich sah ihn an, deutete auf den Bach: „Du kannst dich waschen, wenn du willst.“ Die Nesseln waren mittlerweile bestimmt nicht mehr so schlimm. Aber allein die Vorstellung, noch etwas davon in der Hose zu haben, musste unangenehm sein. Ich musste schmunzeln. „Ich nehme mal an, das du willst.“ Er dankte mir hastig, eilte zu dem Wasser. Er zog rasch die Hose aus und ließ sich einfach ins kalte Wasser fallen.

Ich sah grinsend zu ihm hinüber, während ich noch etwas auf die Tafel dazu schrieb: ‚Nachtruhe‘. Eigentlich wollte ich ihn ja zuerst anketten, aber das bedeutete auch, dass seine Fesseln gelöst werden mussten, bevor er arbeiten konnte. Daher fand ich es besser, wenn er einfach einen festen Platz dafür hatte. Schlafen konnte er auf dem Heuboden. Wenn es dunkel ist; und nur wenn es dunkel ist. Und im Sommer war es nicht so lange dunkel.

Nun denn: Mit den Pferden konnte er umgehen, dass würde seine erste Aufgabe werden. ‚Pferde & Hühner‘ schrieb ich dazu. So mager wie er war, sollte er außerdem ausreichend essen: ‚Verpflegung‘ also. Dazu gehörten auch ‚Pausen‘, fünf sollten pro Tag reichen.Und damit er den Ernst erfasst, sollte er für Unterbrechungen eine Sonderregelung erhalten. Welche, wusste ich nur noch nicht…

Ich stand auf, befahl ihm, die Pferde wieder zu satteln. Langsam wollte ich weiter. Ich nahm noch einmal kurz die Wachstafel zur Hand, änderte die Reihenfolge der Notizen: die nächtliche Übung und das Tagebuch packte ich nach unten. Kaum war alles wieder eingepackt, ritt ich los. Diesmal hielt ich mich mit dem Tempo etwas zurück. Lang nicht so ruhig wie gestern, aber er hatte inzwischen wohl begriffen, dass er mir folgen musste – egal wie. Ich grübelte über seine Arbeit nach. Er sollte etwas kräftiger werden. Holzhacken und Feldarbeit würde dabei helfen. Aber Holz brauchten wir jetzt im Sommer nicht so viel, und es gab keine Felder zu bestellen.

Da kam mir eine Idee: Graben könnte das richtige sein. Vor dem Hof waren genügend brachliegende Felder. Dort konnte er eine Grube graben. Und wenn er damit fertig war, daneben noch eine. Bestimmt keine sehr sinnvolle Tätigkeit, aber sie würde zusammen mit gutem Essen seine Muskeln kräftigen. Da schoss mir noch ein Gedanke durch den Kopf. Er hatte sich nicht beherrschen können, das wollte ich ihm austreiben. Er würde nur zu den Pausen ungestraft seine Arbeit unterbrechen dürfen; egal wozu. Und wenn er mehr als genug trinkt, könnte das durchaus noch etwas seine Selbstbeherrschung schulen. Das passt dann zum Thema Verpflegung. Ich grinste, so langsam nahm der Plan für seine neue Regeln der Höllenwoche Gestalt an.

Als ich in den kleinen Waldweg Richtung Turm abbog, wurde ich etwas langsamer. Hier waren die Bäume niedriger und ich hatte keine Lust, Zweige in mein Gesicht zu bekommen. Mein neues Heim war immer noch durch einen zweifachen Zauber seines Erbauers geschützt. Die Leute bemerkten diesen Waldweg einfach nicht. Niemand kam daher zu Besuch, keine ungebetenen Gäste. Und mein Heim selbst mitsamt der direkten Umgebung war zudem vor magischen Blicken geschützt.

Am Waldrand hielt ich an. Mir gefiel der Blick von hier jedes Mal wieder. Der Zauberer mag ein Schwarzkünstler gewesen sein: Geschmack hatte er. Es war ein alter Dreiseitenhof gewesen; ein Wohnhaus, eine Stall mit Koppel und eine Scheune, daneben ein Schuppen. Der gesamte Hof war mit einer Mauer aus Felsstein geschützt. Am Hoftor wuchs ein großer Walnussbaum. Ein Bach floss an dem Hof vorbei, so breit, dass er auch im Winter nicht ganz zufror. Direkt bei dem Bach war ein kleiner Fischteich. Zusätzlich war zwischen Scheune und Wohnhaus ein Brunnen.

Mein Vorgänger hatte das Wohnhaus zerstört und an seiner Stelle einen vierstöckigen Turm errichtet. Rund aus massivem Stein gebaut, sieben Schritt an seiner breitesten Stelle. Die Fenster in der ebenerdigen Küche waren relativ klein, alle anderen waren deutlich großzügiger. In der Küche und dem Keller waren die Wände wie üblich verputzt. Aber überall anders, sogar im Treppenhaus, waren die Wände holzvertäfelt. Der Erbauer hatte offensichtlich den Luxus geliebt. Direkt im ersten Stock war der wichtigste Raum: die Bibliothek. Sie nahm das gesamte Stockwerk ein, mit einen gemütlichen Kamin zwischen den Fenstern und trotzdem noch einem zusätzlichen Kachelofen. Er musste eine wahre Frostbeule gewesen sein. Dies war im Schlafzimmer ein Stockwerk darüber auch zu spüren: der Raum hatte ebenfalls einen Kamin und einen kleinen Kachelofen. Nebenan ein Badezimmer und im dritten Stock sein Labor. Daneben hatte jetzt Kora ihr Zimmer. Darüber war nur noch der Dachboden…

Ich lächelte und trabte los, wollte das letzte Stück rasch hinter mich bringen. Wie immer machten die Hühner einen ziemlichen Krach, als sie zur Seite stoben und Hasso, Koras Hund, bellte aufgeregt. Kora kam aus der Küche, strahlte mich an. Ich ließ mich vom Pferd gleiten und umarmte sie.

Kora, treue Seele, Dienerin und Vertraute. Sie war alles in einem. Seit zwanzig Jahren war sie jetzt bei mir, war in der Zeit von einem ängstlichen Mädchen zu einer kräftigen Frau geworden. Sie konnte über die Haushaltskasse frei verfügen, diese war auch immer gut genug gefüllt um ihr auch vernünftige Kleidung zu kaufen. Mein neues Spielzeug war inzwischen auch angekommen, ziemlich außer Atem. Ich schaute zu ihm hinüber, deutete dann auf Kora: „Das ist Kora. Was sie sagt, ist genauso ein Befehl, als ob ich es selbst gesagt hätte.“ Er nickte „Ja Herrin.“ Kurz begrüßte ich noch Hasso. Sagte dann dem Spielzeug, das es warten solle und ging mit Kora hinein.

Ich war mir nicht ganz sicher, wie ich es Kora erklären sollte, darüber hatte ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Sie war mir verbunden, seitdem ich sie von ihrem Onkel mitgenommen hatte. Vor allem, weil ihr Onkel damals nicht gut zu ihr gewesen war. Und mir war es wichtig, dass sie es akzeptierte. Ihre Freundschaft, ihre Loyalität – all das wollte ich nicht verlieren. Sie war mir zu wichtig, als das ich das riskieren wollte. So wollte ich zumindest versuchen es ihr zu erklären. Daher suchte ich nach den richtigen Worten. „Kora, das da draußen ist ein Gefangener. Er hat versucht, mich zu bestehlen, wollte aber partout nicht in die Stadt gebracht werden. Ich denke, es hat mit den Brandmalen auf seinen Händen zu tun. Die beweisen, dass er schon einmal bei einem Diebstahl erwischt wurde. Ich habe ihm jedenfalls als Strafe eine Höllenwoche versprochen. Und das hat er akzeptiert. Bringst du ihm etwas Brot und Wasser?“

Kora nickte, packte Brot in einen Korb, legte einen Krug dazu. „Wer weiß, vielleicht hätten sie ihn in der Stadt sogar hingerichtet.“ Ich stimmte ihr zu. „Ich wollte ihn eigentlich nur Auspeitschen und ansonsten schauen, ob er als Knecht taugt. Allerdings hatte er offensichtlich seine eigenen Ansichten dazu. Jedenfalls hat er es gewagt, sich neben mir liegend selbst anzufassen, um seine Gier an meinem Anblick zu stillen. Und das werde ich ihm nicht durchgehen lassen.“ Kora sah mich entsetzt an. „Er hat was? Vor euren Augen..?“ Ich nickte. „Er dachte wohl, dass ich schlafe, was es nicht wirklich besser macht.“

Ich atmete kurz durch. „Ich will noch kurz etwas vorbereiten, denn seine Höllenwoche wird jetzt deutlich anders ausfallen als ursprünglich geplant. Jetzt werde ich ihm zeigen, was es heißt, eine Zauberin zu beleidigen und wie ein Objekt zu behandeln. Ich hab einen Zauber auf ihn gelegt, der jeden Ungehorsam mit Schmerz bestraft. Der Schmerz vergeht teilweise, wenn er dann doch gehorcht. Aber bei jeden Verstoß bleibt ein stärkerer Schmerz übrig. Dieser verbleibende Schmerz kann nur von mir beseitigt werden.“ Kora blickte mich an „Solche Sprüche kennt ihr?“ „Vor langer Zeit in einem anderen Land hab ich so etwas gelernt. Aber es ist schon sehr lange her. Ich werde ihm jedenfalls eine andere Art Höllenwoche bereiten, eine, die er noch nicht erlebt hat. Und ich möchte dich bitten, dich da nicht einzumischen. Jedenfalls nicht vor ihm.“ Sie sah mich an, nickte wieder. „Das sollte kein Problem sein, Lucia.“ Ich lächelte fast erleichtert, war mir aber trotzdem nicht so ganz sicher. Kora hatte diese Seite von mir noch nie gesehen. Sie wusste nicht, wie ich Spielzeug behandelte.

II Erste Eindrücke

Während Kora mit dem Korb hinaustrat, ging ich nach oben in mein Zimmer. Dort hatte ich in einer Truhe noch etliches Spielzeug von Tiemen und mir. Ich hatte mich nie davon trennen können, auch wenn ich die Truhe nur selten öffnete. Ich nahm eine Tasche, packte eins der Geschirre ein. Ich hatte den Gefangenen schon nackt gesehen, ich wusste, welche passen würde. Ich sah Gewichte und kleine Glocken in der Truhe liegen, packte sie kurzentschlossen ein. Dazu legte ich noch ein Hundehalsband und eine vielleicht zweieinhalb Schritt lange Leine.

Mit der Tasche ging ich in die Bibliothek. Direkt gegenüber der Tür war ein großer Kamin, links ein Tisch, den ich manchmal als Labor nutzte, rechts davon ein Tisch mit zwei Stühlen. Der richtige Platz zum Lesen. Aber hier saßen Kora und ich auch öfter zusammen. Die Bücherregale an den Wänden rechts und links waren mittlerweile gut gefüllt. Eigentlich war das nicht ganz richtig: Sie waren schon gut gefüllt, als ich das Haus vom Vorbesitzer übernommen hatte, jetzt waren meine eigenen noch dazu gekommen. Das Schreibpult an der linken Wand hatte ich mitgebracht, ich schrieb viel lieber im Stehen als im Sitzen. Der Teil der Wand, der nicht von Bücherregalen bedeckt war, zierten noch einige Gobelins, auch von meinem Vorgänger. Ich sah mich kurz um, stellte dann die Gewichte und Glocken ordentlich auf dem Kaminsims auf. Eins davon, fünfhundert Gramm schwer, packte ich dann doch wieder zurück in die Tasche. Ich grinste, mein Spielzeug würde sehr überrascht sein. Ich suchte noch kurz ein leeres Buch heraus, als Tagebuch für ihn, dazu noch Schreibzeug. Ich nahm eine Tafel und schrieb kurz die Stichworte von meiner Wachstafel ab. Die Tafel kam ebenfalls in die Tasche, jetzt hatte ich alles.

Ich ging hinaus auf den Hof. Kora war zusammen mit dem Gefangenen beim Brunnen. Ich blieb stehen, klopfte mit der flachen Hand gegen mein Bein. Den Befehl kannte er schon. Rasch war er bei mir und ging auf die Knie. Ich ließ ihn aufstehen, blickte kurz zu Kora. „Ausziehen.“ Kora blickte mich verwundert an, sagte aber keinen Ton, während mein Spielzeug gehorchte. Er hatte wieder seine Hände vor seinem Gemächt. Ich grinste, das würde ich ihm wohl bald abgewöhnen.

Aber ein Schritt nach dem anderen. Ich holte das Hundehalsband aus der Tasche, langsam genug, damit er sehen konnte was es war. Ich legte es um seinen Hals. Er schloss die Augen, drehte seinen Kopf etwas zur Seite. Er hatte offensichtlich erkannt was es war. Aber noch war ich nicht fertig mit ihm. „Hände hinter den Kopf und stillstehen.“ Erschrocken blickte er mich an, dann gehorchte er – wieder mit geschlossenen Augen. Ich nahm das Geschirr aus der Tasche, warf einen prüfenden Blick zu Kora. Sie blickte nur etwas verwundert, vielleicht sogar neugierig. Ich griff nach den Juwelen des Spielzeugs, wollte das Geschirr anlegen. Doch stattdessen trat er einen Schritt zurück.

Er merkte prompt, dass es keine gute Idee gewesen war. Schmerz jagte durch seinen Körper, er sackte zu Boden. Ich wartete, er würde sich bald bemühen zu gehorchen. Es dauerte etwas, bis er wieder in der befohlenen Postion stand. Ich zeigte ihm das Lederstück. „Nennen wir es ein Geschirr.“ Ich schmunzelte, es amüsierte mich ihn so für seine Beleidigung bezahlen zu lassen. Ich fand es passend. Es war demütigend und beschämte ihn. Genau das richtige, denn er hatte auch mich beschämt, indem er mich wie eine Käufliche behandelte. Ich legte das Geschirr im Schritt direkt oberhalb seiner Juwelen an, verschloss es. Die Öffnung war deutlich kleiner als seine Juwelen, er würde es kaum verlieren. An dem Geschirr befestigte ich die Leine, führte sie durch den Ring am Halsband.

Jetzt kam ich zur Tafel. Anhand der Stichpunkte erläuterte ich ihm seine neuen Regeln.

„Also .. du darfst dich nur auf dem Heuboden vom Stall setzten oder hinlegen. Überall anders darfst du allenfalls knien. Dort oben darfst du nur sein, wenn es dunkel ist. Morgens sind die Pferde zu striegeln und dann auf die Weide zu bringen. Abends wieder zurück. Du kümmerst dich um den Pferdestall, ebenso um die Hühner. Kora wird dir weitere Arbeiten zuweisen. Wenn keine Arbeit ansteht, wirst du eine Zusatzaufgabe übernehmen, die ich dir gleich noch zeige. Du wirst durchgehend arbeiten. Pausen: nur die ausdrücklich erlaubten. Kora wird dir dein Frühstück bringen. Das Wasser, was sie dir bringt, ist bis zur nächsten Mahlzeit zu trinken. Mittag und Abendbrot genauso. Pausen hast du vormittags und nachmittags eine Viertelstunde. In den Pausen kannst du dir auch jederzeit Wasser holen, wenn du mehr haben willst. Solltest du austreten müssen, wirst du das draußen am Gebüsch erledigen. Wenn du dazu deine Arbeit außerhalb der Pausen unterbrichst, wirst du dir von den Brennnesseln dort zwei in die Hose stecken. Das sollte dafür sorgen, das du deine Arbeit nur im äußersten Notfall unterbrichst. Wenn du dich stattdessen selber beschmutzt, ist das natürlich auch ein Regelverstoß mit den entsprechenden Konsequenzen. Der gilt erst als beendet, wenn du selbst und deine Kleidung gereinigt sind. Du kannst dafür den Bach nutzten. Deine Entscheidung, ob du lieber solange die Schmerzen erträgst oder dir die Brennnesseln lieber sind, wenn du dich schon nicht beherrschen kannst.“

Jetzt holte ich das Gewicht hervor, schmunzelnd erläuterte ich, wozu er es benutzten sollte: „Deine abendliche Übung wirst du breitbeinig im Stehen durchführen. Das hier wirst du dazu an deinem Geschirr anbringen. Solltest du deine Umgebung dabei beschmutzen, wirst du alle Spuren mit deiner Zunge entfernen. Erst wenn alle Spuren beseitigt sind, werden die Schmerzen nachlassen.“

Ich zeigte ihm die Tafel, sprach dann weiter. „Zum letzten Punkt: Du wirst ein Tagebuch führen, als Teil deiner Arbeit. Du wirst alles aufschreiben, was dir wichtig erscheint. Was du besonders fürchtest, was dir weniger ausmacht, was dir leicht fällt – insbesondere bezüglich Bestrafungen. Der Versuch, etwas zu verheimlichen, ist selbstverständlich ein Regelverstoß.“

Ich konnte sehen, dass er etwas Zeit benötigte, um das zu verdauen. Die würde er später noch haben. Ich griff nach seiner Leine zog ihn hinter mir her. Er folgte widerstandslos. Besser war das wohl auch, der Zug an seinen Juwelen konnte sonst sehr unangenehm werden. Ich band ihn im Stall fest, direkt beim Eingang war ein alter Nagel in der Wand, wie geschaffen für die Tafel. Er sollte seine Regeln besser nicht vergessen. Das Schreibzeug und sein neues Tagebuch legte ich auf das Fensterbrett, das Gewicht für seine Übung daneben.

Dann ging ich hinaus, eine Schaufel holen. Ich bat Kora, kurz auf mich zu warten. Dann ging ich zum Spielzeug, führte ihn an seiner Leine auf das brachliegende Feld direkt vor dem Hof. „Jetzt zu der Zusatzaufgabe. Du wirst eine flache Grube ausgeben. Etwa vier mal vier Schritt groß und einen Schritt tief. Wenn du mit der fertig bist, wirst du sie zuschütten und direkt daneben mit der nächsten anfangen. Fragen?“ `“Nein Herrin.“ „Gut.“ Ich grinste, als ich ihn zurück in den Hof führte. Ich erlaubte ihm sich anzuziehen und sich dann an die Arbeit zu machen. Zuerst waren natürlich die Pferde dran. Die standen immer noch gesattelt und beladen herum. Ich wollte gerade gehen, da fiel mir sein Restschmerz ein. Auch wollte ich seine Gesundheit nicht ruinieren, es könnte ja sein, dass er als Knecht doch noch taugte. Und er sollte wissen, dass ich mich darum sorgte. „Wenn du – so wie gerade – gegen eine Regel verstößt, darfst du das melden, wenn du Kora oder mich das nächste mal siehst. Ich will informiert sein, wenn du Schmerzen hast. Du meldest auch, wenn du krank wirst oder ähnliches.“

Drinnen unterhielt ich mich mit Kora, erklärte ihr als erstes den Gehorsamszauber. Dass ich es spüren konnte, wenn er gegen einen Befehl verstieß, erwähnte ich nicht. Dies würde ich bald ändern, mit dem Tagebuch konnte er mir sowieso nichts mehr verschweigen. Aber welche Schmerzen er auslöste, erläuterte ich Kora. Heute würde ich den Folgeschmerz nicht mehr von ihm nehmen. Dann fragte ich, wie es hier voran ging. Sie berichtete stolz, dass der Turm jetzt fertig eingerichtet war. Ansonsten gab es kaum Neuigkeiten. Ich erzählte ihr von dem Hausverkauf. Sie war überrascht, wie gering der Preis gewesen war. Noch mehr darüber, dass ich ihn akzeptiert hatte. Doch ich hatte nur dort weg gewollt. Wenn ‚Spielzeug‘ dazu in der Lage ist, kann er sich ja an dem Stall und so versuchen. Die Nebengebäude sind jedenfalls momentan nicht gerade winterfest. Kora war nicht begeistert von seinen Namen. Ich zuckte mit den Schultern: „Er hat mich wie ein Ding behandelt, jetzt erfährt er wie das ist. Aber ich werde ihn wohl nach der Woche nach seinen Namen fragen oder ich gebe ihm einen, mal sehen.“ Kora nickte, erzählte, dass er früher Großknecht gewesen wäre, vielleicht sei er also handwerklich halbwegs begabt. Ich grinste „Ihr habt euch schon angefreundet?“ Sie schüttelte den Kopf. „Das nicht, aber ich bin eben neugierig.“ Ich lachte, das sollte mir recht sein.

„Du kümmerst dich ums Essen? Koche einfach für drei, oder vielleicht heute auch für vier. Er ist vermutlich schon ziemlich hungrig, hat bisher nur trockenes Brot bekommen.“ Sie stimmte mir zu: „Und so mager wie er ist, kann er bestimmt ordentlich was brauchen.“ „Genau. Kannst ihm ruhig auch gute Sachen dazu geben, du weißt: Ich war mit dem Essen beim Gesinde nie sehr knauserig, habe auch nicht vor, das zu ändern.“ „Er soll also auch die Aufgaben eines Knechts übernehmen?“ Ich nickte. „Ja, er wird tun, was du ihm aufträgst. Sag mir Bescheid, wenn das Essen fertig ist, ich hab auch schon Appetit.“ Kora grinste mich an, sie wusste, dass ich ihre Kochkünste zu schätzen wusste. „Ach ja, kümmerst du dich um das Gepäck? Ich glaube nicht, dass er sich ohne ausdrücklichen Befehl hier rein traut. Sollte er auch nicht, noch ist er kein Teil des Gesindes, sitzt auch nicht mit am Tisch.“

Ich ging nach oben in mein Zimmer. Dort hatte ich einen schönen großen Spiegel, einen, in dem ich mein Spielzeug beobachten konnte. Er kümmerte sich gerade um den Stall. Ich sah ihm kurz zu, bis Kora mit dem Gepäck kam. Das Geld vom Haus landete in der kleinen Kammer hinter dem Gobelin neben meinem Bett. Dieser war genauso wie die in der Bibliothek von meinem Vorgänger gewesen. Ich hatte nur ein geschmiedetes Abbild meines Siegels über dem Kamin hängen lassen: Die Blüte des Fliederbusches.

Die Tür zu meiner Schatzkammer war nicht zu sehen, es war der Raum unterhalb der Treppe nach oben. Vor zwei Monaten war es Kora gewesen, die die Kammer entdeckt hatte. Sie hatte alle Gobelins entfernt, um sie zu reinigen – und dabei wurde diese Tür sichtbar. Wir waren gerade dabei, hier einzuziehen; die Stimmung in der Gegend war seit dem Krieg nicht die Beste. Dazu kam, dass der jetzige Fürst unserem Konvent auch nicht wohlgesonnen war.

Dieses Stück Land aber lag genau auf der Grenze zum Nachbarn Fürst Otbert, und er hatte es mir damals als Lohn für die Bekämpfung des Schwarzkünstlers übereignet. So war dies so etwas wie ein sicheres Versteck. Ich hatte damals den Turm flüchtig durchsucht, hatte natürlich die Bibliothek gefunden, aber das war es auch schon. Es waren nicht so viele interessante Werke darunter, das Meiste war mir zumindest inhaltlich bekannt. Als aber wir zu zweit hier eintrafen, hatten wir uns sofort ans Werk gemacht. Zuerst hatten wir die Küche wieder in einen wohnlichen Zustand versetzt. Während ich mich dann um die Bibliothek kümmerte, hatte Kora mit den Zimmern weiter oben angefangen. Und dabei hatte sie alles von den Wänden entfernt und diese Tür entdeckt. Sie hatte mich sofort geholt.

Ich fand es seltsam, dass ich die Kammer vorher nicht gesehen hatte, schließlich hatte ich den gesamten Turm durchsucht. So prüfte ich den Raum auf Zauberei – und es stellte sich heraus, dass der Gobelin verzaubert war. Es kam einfach niemand auf die Idee, etwas dahinter zu suchen. Ein netter, unschuldiger Zauber. Und auf dem Gobelin war ein passendes Bild: Ein Drache auf seinem Schatz in der Mitte, darum einige Szenen mit Einhörnern. Nicht ausschließlich etwas für Schwarzkünstler.

In dem Raum lag nicht nur einiges an Gold, Edelsteinen und Schmuck, sondern auch etliche weitere Bücher, darunter ein Tagebuch. Ich überflog es, es beschrieb noch einige weitere Zauber, die auf der Gegend lasteten. Zauber, die ich teilweise auch recht nützlich fand. So wie der, dass Reisende den Weg zu diesem Hof erst gar nicht sahen. Und mir wurde klar, dass in dem Labor ein Stock höher auch wirklich gefährliches Zeug lag. Daher verbot ich Kora sofort, es jemals zu betreten, ich wollte sie nicht durch Unachtsamkeit gefährden.

Als Kora damals die Schätze aus der Kammer sah, grinste sie wie ein Honigkuchenpferd. Das war mehr als eine eiserne Reserve; was unseren täglichen Bedarf betraf, würde es für Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte reichen – sogar nachdem ich den Zehnten an meinen Konvent abgetreten hatte. Ich lächelte bei dieser Erinnerung, der Umzug in diesen Turm war doch eine gute Idee gewesen, ohne ihn hätte ich diese Kammer mit all den Schätzen nicht entdeckt. Rasch räumte ich meine Sachen ein, als Kora zum Essen rief.

Sie hatte schnell einen Eintopf gemacht, aber was für einen. Auch einfache Gerichte wurden bei ihr zum Festmahl, so gut schmeckten sie. Dazu das frische Brot; es war köstlich. In der Stadt waren wir zu fünft gewesen, doch hierher war nur sie mitgekommen. So deckte sie auch nur für uns beide, das Spielzeug blieb schließlich draußen. Mein Platz war am Kopfende, ein Stuhl mit Armlehnen. Kora hatte von Anfang an immer ein Tischtuch unter meinen Teller gelegt, es störte mich nicht, also hatte ich das nie geändert. Ihr Stuhl hatte keine Armlehne, aber sie trank vom gleichen Wein. Wir unterhielten uns etwas über mein Spielzeug, Kora war immer noch nicht ganz glücklich damit, dass er keinen Namen trug. Aber ich beruhigte sie, er würde am Ende der Woche einen erhalten, wenn er bliebe. Und wenn nicht, sei es nicht mehr wichtig.

Ich fragte sie, welche Aufgaben er denn noch übernehmen soll. Sie murmelte etwas von Holz hacken, aber sie würde auch noch weitere Aufgaben für ihn haben. Ich ermahnte sie, ihm nicht zu zeigen, wenn sie mit seiner Behandlung nicht einverstanden sein sollte, sondern stattdessen zu mir zu kommen. Sie nickte, verstand, wie wichtig mir es war. „Er soll dich auch als Herrin behandeln, schließlich hast du die gleiche Befehlsgewalt.“ „Ich als Herrin?“ sie grinste, aber war immerhin einverstanden. „Was ist eigentlich mit seinem Tagebuch?“ fragte sie. „Stimmt, hätte ich fast vergessen. Sag ihm: Zwei Seiten pro Tag sollten reichen. Mehr wären besser.“ „Ihr wollt es genau wissen, oder?“ „Ich bin auch manchmal neugierig. Außerdem weiß ich dann, ob ich ihn überfordere.“ Kora war nicht sehr begeistert davon, aber akzeptierte es.

Als Nachtisch etwas Fruchtkompott und mein Bauch war wieder zufrieden mit mir. Ich gönnte mir noch etwas Wein. Kora wollte gleich hinaus, dem Spielzeug sein Essen bringen. Ich nahm einen Wasserschlauch, gut für anderthalb Liter. „Denn füllst Du. Er bekommt drei davon jeden Tag. Und bevor ich es vergesse: Er sollte sich die Leine nicht um den Hals wickeln. Wenn jetzt jemand daran zieht, wird er ja gewürgt, das will ich nicht.“ Kora sah mich überrascht an, sagte aber kein Wort.

So ging ich wieder in mein Zimmer zum Spiegel. Ich sah zu, wie Kora dem Spielzeug das Essen aufs Feld brachte. Er war überrascht, nicht nur weil es so viel war, auch weil es so gut war. Kora richtete meine Wünsche brav aus. Nur die Leine vergaß sie. Sollte sie das nicht bald nachholen, würde ich es tun müssen. Kora ging weg, vermutlich zur Küche, hatte ihm aber den Befehl gegeben, sich bei ihr zu melden. Ich ließ das Bild vom Spielzeug im Spiegel, holte mir dann meine Seife und genug Wasser, wollte mich gründlich waschen. Zum Baden hatte ich im Moment nicht die richtige Muße, wollte mein Spielzeug nicht so lange aus den Augen lassen.

Als er mit dem Essen fertig war, gingen sie zurück zum Hof. Jetzt wurde ich wieder etwas aufmerksamer. Kora war dort, sie stellte ihn jetzt sozusagen dem Hund vor, zeigte ihm dann den Hof; und endlich ermahnte sie ihn wegen der Leine. Gut, das war erledigt. Ich grinste, diese Leine schien dem Spielzeug gar nicht zu behagen, aber Kora versuchte ihn zu beruhigen. „Du wirst dich schon noch dran gewöhnen.“ Es schien, als würde sie Mitleid mit ihm haben. Wenn ihr das hier schon Probleme bereitete, dann würde sie in den nächsten Tagen erst recht welche haben. Aber ich musste ihr ja nicht alles auf die Nase binden, jedenfalls nicht gleich. Erst musste ich wissen, ob mich seine Augen getäuscht hatten.

Tiemen hatte mir damals eine Welt gezeigt, die ich nicht kannte. Eine, in der ich seine Herrin war. Als ich ihn das erste Mal schlug, war es eigentlich gar nicht so sehr meine Idee gewesen: Er hatte mich um Strafe gebeten. Zusammen hatten wir diese Welt erforscht; eine Welt voller Schmerz – und noch größerer Lust. Er war es dann gewesen, der sich mir ganz geschenkt hatte. Aus freien Stücken hatte er sich zu meinem Sklaven, meinem Spielzeug gemacht. Das größte Geschenk, was mir je zuteil wurde.

Und jetzt hatte dieser gemeine Dieb Tiemens Augen, hatte es obendrein gewagt, sich einfach neben mir anzufassen. Er hätte hinaus gehen können, ich hätte dann davon nichts bemerkt. Aber stattdessen hatte er es neben mir getan, ich musste es einfach merken. Jetzt musste ich daher probieren, ob das Zufall war, musste herausfinden, ob er es genießen würde – so wie Tiemen damals.

Kora unterhielt sich weiter mit meinem neuem Spielzeug. Und jetzt fragte sie ihn nach seiner abendlichen Übung. Ich hatte ihr nicht erklärt, was es war. Und jetzt blieb ihm nichts anderes übrig als es ihr zu erklären. Er zögerte, wollte die Frage nicht beantworten. Er zögerte so lange, dass der Schmerz über ihm kam. Das brachte ihm zum reden. „Ich.. ich muss mich hinstellen wie sie gesagt hat. Und dann .. ich muss wichsen. Wichsen bis ich fast komme.“

Ich sah die Überraschung auf Koras Gesicht. Ich hatte ihr erzählt, was er getan hatte, jetzt verstand sie die Strafe. Und trotzdem, scheinbar wollte sie auch seine Beschreibung hören: „Nett. Ich wusste ja, das sie Männer nicht besonders mag, aber so was. ’ne Ahnung wie sie auf die Idee kam?“ Es war ihm entsetzlich peinlich, aber er wusste: Er hatte keine Wahl. „Ich habe gewichst, als ich dachte sie schläft. Und das hat ihr nicht gefallen.“ „Ach ja – ich schätze du hast es gerade gemerkt: Jedes Mal wenn du einen Befehl verweigerst, werden die zurückbleibenden Bauchschmerzen stärker. Du solltest also nicht zu viel Fehler machen. Erst wenn Lucia den Schmerz beendet, fängt es wieder von vorne an. Sie meinte übrigens, das sie das heute nicht mehr tun wird.“

Ich grinste, als ich das hörte. Kora akzeptierte wirklich, was ich mit ihm tat. Zumindest im Moment. Ich sah, dass er in den Stall ging und anfing zu schreiben. Damit würde er eine ganze Weile beschäftigt sein. Ich nahm mir daher die Zeit für einen Spaziergang zum nahe gelegenen See. Das kühle Wasser tat gut, ich schwamm etwas und genoss die Ruhe. Als ich wieder zurückkehrte, war auf dem Hof niemand zu sehen. Kurz prüfte ich, was mein Spielzeug machte: Er war immer noch am Schreiben. Ich freute mich darauf, es am nächsten Tag zu lesen.

Ich war deutlich früher wach als sonst. Ich warf mir meinen seidenen Hausmantel über und ging hinunter in die Küche. Kora war dort, machte gerade einen Brei. „Machst du Frühstück für uns?“ „So früh schon wach?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Weiß auch nicht, konnte nicht mehr schlafen.“ Sie grinste. „Ich komm dann gleich.“ Ich nickte, ging wieder nach oben, nahm mir ein Buch mit. Es gab noch so viele, die ich nicht kannte. Und einiges war wirklich brauchbar, für mich – aber auch für den Konvent.

Etwas später kam Kora mit unserem Frühstück. Getreidebrei und Kompott für sie, Kaffee und Spiegelei für mich. Ich blieb im Bett sitzen, hatte schon extra ein aufstellbares Tablett dafür. Damit konnte ich bequem im Bett frühstücken. Sie stellte den kleinen Tisch, der sonst beim Fenster stand, näher und setzte sich zu mir. „Er bekommt schon Blasen…“ Ich nickte: „Er hat wohl länger nicht wirklich gearbeitet, so scheint es mir.“ Sie nickte zustimmend. „Schwielen hat er jedenfalls keine an den Händen.“ „Wird sich wohl ändern, wenn er so weiter arbeitet.“ „Ich habe ihn ermahnt, diese Feldarbeit etwas ernster zu nehmen.“ Ich grinste, sie unterstützte mich wirklich. „Aber ich habe ihm erlaubt, seine Schuhe mit Stroh auszustopfen. Die haben schon ziemliche Löcher.“ „Ist recht, das ist keine ungehörige Bitte.“ „Seid ihr bereit heute diesen.. wie nanntest ihr es? Restschmerz? von ihm zu nehmen?“ „Es sollte doch noch nicht so schlimm sein. Aber ich überlege es mir.“ „Es sind inzwischen dreimal. Er hat heute früh verschlafen.“ Ich grinste, nickte dann.

Ich war froh, wieder zu Hause zu sein, endlich konnte ich meinen Tag so anfangen, wie ich es gewöhnt war: Kaffee zum Frühstück und danach ein warmes Bad. Ich lächelte Kora an: „Ich werde nachher ein Bad nehmen.“ Ich zögerte und überlegte kurz. Das Bad hatte der Schwarzkünstler im zweiten Stock einrichten lassen. Uns war es aber viel zu viel Arbeit gewesen immer das Wasser herauf zu schaffen und so hatten wir die Wanne in die Küche gestellt. „Es ziemt sich wohl nicht, dass die Wanne in der Küche bleibt, jetzt wo wieder ein Mann auf dem Hof ist…“ Kora nickte frech grinsend. Ich stellte die leere Tasse zur Seite. „Lass uns gleich die Wanne hochbringen, und du stellst dann später das Wasser auf den Herd. Er kann ja dann das Wasser hochtragen; dafür haben wir ihn ja. Und da werde ich ihn wohl sehen.“ Sie stimmte mir zu, immer noch grinsend. „Kora? Danke übrigens, dass du mich diesbezüglich unterstützt…“ Sie nickte, packte dann alles zusammen und schaute mich noch fragend an: „Noch etwas Kaffee? Ich kann noch einen machen.“ „Später vielleicht, aber danke.“ Zusammen schafften wir die Wanne hoch, ich war es mittlerweile gewöhnt, mit anzupacken – Kora konnte nicht alles alleine schaffen. Erst als ich mich dann mit dem Buch hinsetzte, fiel mir ein, dass ich auch das durch ihn hätte erledigen lassen können. Ich war noch nicht daran gewöhnt, einen Knecht hier zu haben. „Nicht nur ein Knecht…“ murmelte ich grinsend.

Dann widmete ich mich wieder dem Buch. Hier fand ich endlich eine genaue Beschreibung des Zaubers, den der Schwarzkünstler auf die Gegend gelegt hatte. In seinen Tagebuch war nur die Wirkung oberflächlich beschrieben. Hier aber war der komplette Spruch festgehalten, mit einer Auflistung aller Materialien. Ich studierte ihn sorgfältig: Es war eine Abwandlung eines bekannten Verwirrungszaubers. Er täuschte die Sinne und sorgte dafür, dass jemand, der nicht genau wusste, wohin er wollte, nur den Weg sah, auf dem er sich gerade befand. Abzweigungen oder Ähnliches wurden dadurch verborgen. Für Eingeweihte hatte dieser Spruch keine Wirkung, fiel dadurch auch nicht auf. Wenn der Weg komplett verborgen worden wäre, dann würde einem Ortskundigen der Unterschied wohl auffallen. So aber war die Gefahr der Entdeckung geringer. Ich legte ein Lesezeichen hinein, diese Notizen würde ich für den Konvent kopieren. Er konnte vielen Mitschwestern nützlich sein.

Als ich wieder aufblickte, waren schon einige Stunden vergangen. Aber dafür hatte ich den Spruch auch verstanden. Ich warf einen Blick in den Spiegel. Mein Spielzeug war auf dem Feld am graben. Ich ging hinunter in die Küche und informierte Kora, dass ich langsam baden wollte. „Er soll dann bei der Badtüre auf mich warten.“ „Ich kümmere mich darum.“ Ich nickte zufrieden, widmete mich wieder dem Buch, wieder im Bett. Dann hörte ich draußen Lärm. Ich erkannte was es war: Kora schlug mit einem Metallstab in einem großen Metallring. Wohl sein neues Signal zum Kommen. Ich grinste in mich hinein. Das war eine praktische Idee, viel besser als schreien.

Kurz darauf hörte ich im Flur seine Schritte, er kümmerte sich bereits ums Bad. Ich lächelte, endlich wieder ein vernünftiges Bad, der einzig richtige Start in den Tag. Dann hörte ich Koras Schritte. Ich hatte noch mein Nachthemd unter dem Seidenmantel an. Ich zog es aus, der Mantel war mehr als genug, so warm wie es schon wieder war. Kora betrat das Zimmer: „Das Bad ist fertig – und er wartet bei der Tür. Wegen seiner Blasen hat er um Arbeitshandschuhe gebeten.“ „Ich nehme den Restschmerz, dass sollte erst einmal reichen.“ Sie grinste, schien mir innerlich recht zu geben, ging dann wieder nach unten. Ich war zufrieden, stand auf.

Als ich mein Zimmer verließ, kniete er bei der Badtür, verneigte sich tief bis zum Boden. Er war frisch gewaschen, seine Haare waren noch nass. Aber er hatte für meinen Geschmack deutlich zu viel davon. Ich würde das ändern, heute noch. Als er sich wieder aufrichtete, rief ich ihn mit dem Klopfen zu mir. Er hatte diesen Befehl bereits gelernt, kam sofort. Ich griff nach seiner Leine, deutete auf den Boden und ging in Richtung Bad. Er wollte aufstehen, sofort schnauzte ich ihn an: „Wer hat dir erlaubt aufzustehen?“ Sofort ging er wieder auf die Knie, bat um Verzeihung. Er würde noch lernen, wann er stehen durfte – und wann nicht. Vielleicht hatte er mein Zeichen auch einfach nicht gesehen. Er würde lernen, aufmerksamer zu sein… Ich prüfte die Wassertemperatur. Ich setzte mich auf den Hocker, wieder das Klopfen und wieder gehorchte er sofort, kniete vor mir. Ich lächelte zufrieden. Ich griff nach seinem Kinn, zog sein Gesicht zu mir, doch er mied meinen Blick.

„Kora sagte, du hättest etwas zu berichten?“ Er fürchtete sich, wagte es kaum etwas zu sagen; musste aber zugleich meine Frage beantworten. „Ich .. ich habe bis jetzt dreimal gegen die Regeln verstoßen, Herrin.“ Immer wieder blickte er kurz auf, wagte es jedoch nicht, mich richtig anzusehen. „Beim ersten Mal gestern wart ihr dabei, dann habe ich eine Frage von Kora nicht schnell genug beantwortet und heute früh habe ich verschlafen.“ Ich mochte es Fragen zu stellen, deren Antwort ich kannte: „Koras Frage hast du aber beantwortet?“ „Ja Herrin.“ „Welche Frage war es?“ „Sie fragte nach der Art meiner abendlichen Übung Herrin.“ Dieses Gespräch amüsierte mich, er wurde schon etwas rot. Aber ich wollte ihn nicht überfordern; er sollte langsam lernen was es bedeutete, ein Spielzeug zu sein. Und noch wusste ich nicht, ob er so darauf reagierte, wie ich es hoffte.

So griff ich nach seinen Händen, sah mir seine Blasen an: „Immerhin scheinst du dich jetzt doch etwas anzustrengen.“ Ich berührte ihn an der Stirn, nahm wieder den Schmerz von ihm. Er dankte mir, wurde allmählich etwas ruhiger. Ich lächelte, wie einfach es doch manchmal ist, Dankbarkeit zu erzeugen. Ich legte ihm seine Leine über seine Schulter: „Du kannst jetzt gehen.“ Ich war noch nicht einmal ganz aufgestanden, da war er schon zur Tür hinaus. Er hatte es wirklich eilig. Ich goss etwas von meinem Badeöl ins Wasser. Meine persönliche Mischung: Hauptbestandteil war Fliederöl. Dann stieg ich ins warme Wasser, ließ meine Gedanken treiben.

Als ich das Bad verlassen hatte, informierte ich Kora. Sie nutzte das Wasser gewöhnlich auch noch für sich, bevor sie es wegschüttete. Ich nahm das Buch mit in die Bibliothek und fing an die Einzelheiten des Spruches zu kopieren. Es war tatsächlich schon Mittag, und direkt nach dem Lärm des Signals kam Kora mich zum Essen holen; es gab leckeren Linseneintopf. Ohne sie würde ich an manchen Tagen das Essen völlig vergessen.

Beim Mahl erzählte sie vom Garten, einiges wollte nicht so recht wachsen. Sie kochte gerne – und irgendwie fand sie, dass nichts so frisch war wie Gemüse aus dem eigenen Garten. Sie hatte schon in der Stadt dem Gärtner immer über die Schulter geschaut, Gewürzkräuter kannte sie daher schon gut. Aber einiges von dem Gemüse hier war neu für sie. Ich mochte ihre Begeisterung dafür, auch wenn es nicht mein Thema war. Aber schließlich schätzte ich ihre Kochkünste sehr. Sie hatte recht: Herbeigezaubertes Essen schmeckte nicht einmal halb so gut. Auch wenn es satt machte, war es einfach kein echter Ersatz.

Dann kam sie auf das Thema ‚Spielzeug‘: „Ich hab ihm sein Essen bereits raus gestellt, wäre schade, wenn es kalt wird.“ Ich nickte grinsend; auch wenn sie mich diesbezüglich unterstützte, sie hatte ein gutes Herz. Ich selbst war noch mit dem Kopieren des Zaubers beschäftigt, aber damit würde ich wohl in einigen Stunden fertig sein, dann hätte ich Zeit für ihn. „Ich möchte ihn zur Teestunde in der Bibliothek sehen. Aber er ist deutlich zu haarig. Ich bin mir nicht einmal sicher, dass er keine Läuse hat. Könntest du dich darum kümmern. Er soll kein Haar an seinem Körper haben; von seinen Augenbrauen abgesehen.“ „Haarige Monster, was?“ meinte sie grinsend. Ich wusste, worauf sie anspielte. Ich hatte schon Bedienstete entlassen, weil sie diesbezüglich nicht sorgfältig genug waren. Und auch teilweise genau diesen Ausdruck dabei genutzt. „Was soll ich sagen…“ meinte ich achselzuckend. „Ist in Ordnung, ich kümmere mich darum. Rasierzeug besitzen wir ja.“

Nach dem Essen ging ich wieder nach oben. Aber bevor ich mich wieder um meine Bücher kümmern konnte, wollte ich zuerst eine spezielle Variante meines Enthaarungsmittels herstellen. Es hatte Bestandteile, die brannten wie Feuer auf der Haut. Dies war auch zwingend erforderlich, damit es so lange wirkte. Denn das Mittel drang tief ein, verhinderte auf mehrere Jahre hinaus jeglichen Haarwuchs. Dazu musste es nur einmal aufgetragen werden – und lange genug wirken. Normalerweise waren aber noch weitere Substanzen enthalten, die die Nerven beruhigten und den Schmerz fast zum Verschwinden brachten. Zusätzlich nahm ich auch immer noch einen Trank ein. Jetzt mischte ich es für mein Spielzeug ohne die schmerzlindernden Zusätze. Ein Rezept des Konvents, einfach in der Herstellung und doch sehr wirksam. Ich lächelte, fragte mich manchmal, ob jeder Konvent dieses Rezept an alle weitergab – oder nur die rein weiblichen, so wie unserer. Allerdings mischte ich noch eine Emulsion nur mit den schmerzlindernden kühlenden Kräutern und Stoffen, das würde die Wirkung am schnellsten beenden. Ich brachte die fertige Mischungen ins Bad, ging dann wieder an die Arbeit, den Spruch kopieren.

Wenn ich so konzentriert am Arbeiten war, verging die Zeit schnell wie ein Wimpernschlag. Kurz nachdem ich fertig war, kam Kora, fragte ob ich noch besondere Anweisungen hatte. Ich brauchte nicht lang zu überlegen, ich wollte, dass er sich der Leine sehr bewusst war, wenn er hier war. „Wenn du ihn herbringst, dann bindest du ihn draußen auf dem Treppenabsatz fest. Kniend und die Leine so kurz, dass sein Gesicht fast an der Wand klebt. Dann erst bringst du den Tee rein. Bring auch eine Tasse für dich mit.“ Sie nickte und ich wusste, sie würde sich darum kümmern.

Trotzdem ging ich hoch in mein Zimmer, ich wollte im Spiegel beobachten, wie Kora sich um die Haare vom Spielzeug kümmerte. Er war wieder auf dem Feld, als Kora ihn mit dem Signal rief. Er beeilte sich in den Hof zu kommen, wo er bereits erwartet wurde. Ich schmunzelte, als Kora ihm befahl, sich auf einen Hocker zu setzten. Ich hatte ihm gesagt, er dürfe nur stehen oder knien. Und prompt zögerte er zu lange, gehorchte nicht rasch genug. Wieder kam der Schmerz über ihn. Kora half ihm auf den Hocker – und endlich liess der Schmerz nach. Kora fing an, ihm die Haare abzuschneiden, erklärte ihm auch warum: „Lucia hält die meisten Männer für haarige Primitive, aber zumindest gegen das Haarig können wir etwas tun.“ Ich grinste, ob er ein Primitivling war, würde sich noch zeigen. Sein Mangel an Respekt und Selbstbeherrschung sprach jedenfalls nicht für ihn. Nachdem Kora alle Haare abgeschnitten hatte, fing sie an, seinen Kopf und Rücken zu rasieren. „Den Rest kannst du selbst. Aber du solltest besser dafür sorgen, wirklich kein Haar mehr an deinem Körper zu haben. Nirgends. Nur die Augenbrauen kannst du stehen lassen. Sie findet behaarte Haut unansehnlich.“ „Ja Herrin.“ „Wasch dich danach noch gründlich ab. Und wenn du fertig bist, meldest du dich in der Küche.“ Sie ging hinein, vermutlich kümmerte sie sich bereits um den Tee.

Jetzt war ich neugierig, wie sorgfältig er sein würde. Er war gründlicher, als ich erwartet hatte, nicht nur Brust, Arme und Beine rasierte er; er schob auch noch das Geschirr so weit es ging zur Seite und entfernte die Haare im Schritt. Als er fertig war, ging ich hinunter in die Bibliothek, wartete auf Kora. Ich legte noch eine Gerte griffbereit, da klopfte es bereits und Kora kam mit einem Tablett herein. Kora war etwas förmlicher als sonst, meisten betrat sie alle Räume so.

Sie setzte sich zu mir, goss uns den Tee ein. Kora zögerte einen Moment, fragte dann: „Eine Woche? Ihr wollt das eine Woche durchziehen?“ Ich nickte. „Ja, das werde ich.“ „Und ihn dabei immer so anbinden wie einen Hund?“ „Vielleicht nicht so, aber ähnlich. Der Rest der Woche wird jedenfalls nicht besser für ihn werden. Ich habe vor, seine Grenzen zu testen.“ Sie schaute nicht sehr begeistert aus. „Und danach soll er Knecht sein, normaler Knecht?“ „Das habe ich noch nicht entschieden, hängt von ihm ab. Möchtest du denn, dass er bleibt?“ „Ach, ich weiß nicht; aber Hilfe könnten wir schon brauchen.“ Ich nickte, wieder schwiegen wir. Ich mochte es, so zusammen mit ihr Tee zu trinken, auch die Mahlzeiten nahmen wir meist zusammen ein. Ich war nicht geboren, um allein zu sein…

Nach etwa zehn Minuten hatte ich meine erste Tasse gelehrt und Kora wurde langsam unruhig; ich wusste dass sie noch einiges im Garten tun wollte. „Könntest du noch sein Tagebuch holen? Ich würde es gerne lesen. Dann kannst du wieder in den Garten. Um ihn kümmere ich mich dann.“ Sie nickte, beeilte sich. Schmunzelnd wartete ich. Als sie wieder klopfte, stand ich auf, nahm die Gerte und öffnete die Tür. Er kniete am Treppengeländer, sein Gesicht berührte fast die Wand. Während Kora in ihren geliebten Garten ging, löste ich die Leine und führte ihn in die Mitte der Bibliothek. Ich wartete einen Moment, ließ ihm Zeit sich umzusehen – was er prompt verstohlen tat. Ich schmunzelte, Neugier war manchmal ein Zeichen von Intelligenz, und die schätzte ich sowohl bei meinem Gesinde als auch bei meinem Spielzeug.

Aber langsam wurde es Zeit. „Hoch mit dir, auf die Füße.“ Ich zog ihn zeitgleich mit der Leine hoch, die Leine, die immer noch mit dem Geschirr und damit direkt mit seinen Juwelen verbunden war. Einer der empfindlichsten Stellen eines Mannes. Dann inspizierte ich ihn, prüfte wie gründlich seine Rasur war. Ich ließ dabei die Spitze meiner Gerte über die Haut wandern. Ein paar Haare hatte er übersehen, aber nicht viele. Bevor ich ihn dafür strafen würde, wollte ich aber erst die Inspektion beenden. Meine Gerte fuhr immer gerade über die Stellen, die ich prüfte. Dann griff ich an sein Gemächt, bewegte das Geschirr um zu sehen, ob auch darunter alles enthaart war. Kaum berührte ich ihn, wuchs sein kleiner Freund, reckte keck die Spitze in die Luft. Ich freute mich, offensichtlich war ihm meine Nähe so unangenehm nicht. Obwohl er nicht freiwillig hier stand, er nicht freiwillig nackt war. Aber im Moment hatte ich dazu keine Zeit. „Dazu kommen wir vielleicht später.“ sagte ich schmunzelnd. Meine Hand griff an seine Juwelen, drückte sie zusammen, mit stetig wachsenden Druck. So lange, bis von seiner Erregung nichts mehr übrig war.

Mit der Gerte im Nacken brachte ich ihn dazu, sich nach vorne zu beugen, weit nach unten. Als ich die Gerte weg nahm, blieb er so. Ich lächelte, er war immerhin willens, sich auch ohne ausdrücklichen Befehl führen zu lassen. Ich ließ die Gerte wieder über seine Haut wandern, jetzt an seinem Hintern. Hier hatte er deutlich mehr Haare übersehen, viel mehr. Ich schlug zu, zog die Gerte quer über seinen Hintern. Er fuhr empor, beugte sich dann sofort wieder in Position. Ich grinste, sagte „Dann anders.“

Mein Vorgänger hatte nicht nur an der Decke, sondern auch im Boden unter Dielen verborgen einige Haken anbringen lassen. Aus seinen Notizen wusste ich, dass daran Opfertiere und manchmal sogar Menschen befestigt wurden. Hier direkt in der Mitte des Raumes war so ein verborgener Haken. Ich entfernte das Dielenstück und zog seine Leine dort hindurch. „Hände an deine Knöchel und nicht loslassen. Dein Hintern bleibt oben.“ Ich zog dann die Leine so kurz es ging. „Beine weiter auseinander.“ Mit der Gerte korrigierte ich seine Position, befestigte dann die Leine.

Ich ging um ihn herum, ließ die Gerte noch mehrfach locker auf seine Haut klatschen. „Haare, da sind noch Haare.“ Der Schmerz sollte nicht im Vordergrund stehen, noch nicht. Ich holte kurz eine Pinzette vom Labortisch, fing dann an ihm damit einzelne Haare auszureißen. Auch und gerade mitten am Hintern. Ich wusste, dass er dort besonders empfindlich war, es war noch schmerzhafter als an jeder anderen Stelle – vielleicht nur von seinem Gemächt abgesehen. Zittern und ein unterdrücktes Stöhnen, ich lächelte, mir gefiel seine Reaktion. „Da sind immer noch welche. Und dabei wurdest du gebeten, sorgfältig zu sein. Nicht einmal die leichtesten Aufgaben gelingen dir.“ Er wurde immer nervöser, und als ich die Gerte mitten in die Spalte seines Hintern landen lies, fuhr er erschrocken empor. Seine Leine aber war an einem Ende am Boden fixiert. Das andere Ende führte immer noch durch den Ring am Halsband zu seinen Juwelen. Und daran zog er jetzt sich selbst ziemlich kräftig. Er fing an zu betteln, entschuldigte sich, flehte um Gnade. Ich lächelte leicht und mir wurde warm.

Ich packte eine kleine Sanduhr von 20 Minuten ein, lauschte ihm noch etwas, genoss diesen Moment. Dann machte ich die Leine los; er verstumme augenblicklich. „Steh auf.“ Rasch gehorchte er, wieder mit den Händen sein Gemächt verdeckend. Das würde ich ihm noch abgewöhnen müssen, aber darum würde ich mich ein andermal kümmern. Ich schaute ihm direkt in die Augen, wieder wich er meinem Blick aus. „Dir ist klar, dass du Strafe verdienst?“ „Ja Herrin.“ „Es gibt eine Tinktur, die brennt dir die Haare aus der Haut. Die wachsen dann in den nächsten Jahren nicht wieder nach. Aber es brennt wirklich wie Feuer. Du kannst wählen: Du rasierst dich – was nicht schmerzhaft ist. Und wirst hart bestraft, wenn du nicht sorgfältig bist. Oder ich erlasse dir diesmal die Strafe und wende die Tinktur an. Ist schlimmer als die Strafe, die ich geplant habe. Aber es wäre heute ausgestanden.“

Ich sah ihn ernst an, war gespannt auf seine Antwort: „Deine Entscheidung.“ Er war nervös, hatte Angst, zitterte am ganzen Körper. „Die Tinktur Herrin. Bitte. Ich bitte darum, das ihr die Tinktur anwendet.“ Ich lächelte zufrieden, er hatte erkannt, was ich wollte und akzeptierte diese Entscheidung halbwegs. Ich führte ihn an der Leine ins Bad, legte das Ende der Leine über den Hocker. Brav blieb er stehen, während ich das speziell für ihn gemischte Enthaarungsmittels aus dem hintersten Eck des Regals holte. Er sollte wissen, dass er keinen bleibenden Schaden davontragen würde. Also wollte ich etwas Beruhigendes zu ihm sagen: „Ich selber habe vorher immer etwas genommen, um meine Sinne zu betäuben. Aber das sollte bei dir nicht notwendig sein.“ Er zitterte etwas stärker.

Ich nahm einen Pinsel, sagte während ich das Fläschchen öffnete: „Du solltest, soweit es geht, stillhalten. Wenn die Sanduhr durchgelaufen ist, darfst du die Tinktur abwaschen.“ „Ja Herrin.“ Ich fing mit seinem Gesicht an. Dieser ungepflegt Bart hatte mich die letzten Tage am meisten gestört. Seine Kopfhaare waren etwas anderes, die ließ ich ihm, keine Tinktur dort, nur der Nacken. Ich mochte es nicht, wenn die Kopfhaare sich im Nacken ausbreiteten. Ich schüttete etwas von der Tinktur in meine Hand, fing an seine Arme damit einzureiben. Wiederstandlos ließ er es zu. „Hände hinter den Kopf.“ Er gehorchte und ich rieb seine Brust ein, dann sein Unterleib.

Ich verschonte seinen kleinen Freund. Er hatte dort keine Haare, und es würde auch so schon hart genug für ihn werden. Aber allein mit meiner Hand in dieser Gegend zu sein, ließ seinen kleinen Freund wachsen. Ich tat, als würde ich es nicht einmal sehen, doch mir wurde noch etwas wärmer. Er wusste, dass ihn Schmerzen erwarteten, zitterte auch immer noch – und trotzdem zeigte mir sein kleiner Freund frech, dass es ihm auch gefiel. Ich freute mich, ich hatte mich zumindest nicht völlig getäuscht.

Langsam wurde die Haut auf meiner Hand wärmer, ich wusste, dass es ihm ebenso ging. Ich massierte jetzt die Tinktur in seinen Rücken, dann kam sein Hintern an die Reihe. Ein rascher prüfender Blick bestätigte mir, dass sein kleiner Freund sich auch darüber freute. Und das, obwohl er bereits allmählich die Wirkung der Tinktur zu spüren bekam. Ich massierte noch seine Beine, konnte dabei sehen, dass er immer noch erregt war. Ich nahm die Kruke mit der kühlenden Emulsion, entnahm etwas davon mit einem Spatel. Damit kühlte ich meine Hände, wusch sie danach sehr gründlich.

Ich nahm die Sanduhr, stellte sie vor ihm auf dem Hocker. Langsam verschwand seine Erregung, die Hitze auf seiner Haut vertrieb sie restlos. Ich stellte mich schräg hinter ihn, so konnte ich das Schauspiel genießen, ohne dass er mein Lächeln sah. Denn ich genoss es, genoss es sehr. Er versuchte still zu halten, doch irgendwann gelang es ihm nicht mehr, er trippelte auf der Stelle, stöhnte leise, Schweiß perlte an seiner Haut.

Ich kannte die Substanzen in der Tinktur, wusste, dass sie zu Feuer auf der Haut werden konnten, bei ihm auch wurden. Seine Knie gaben nach, er fing an zu betteln. Ein Blick auf die Sanduhr zeigte mir, das vielleicht noch fünf Minuten fehlten. Er lag am Boden, wimmernd und bettelnd, mit geschlossenen Augen. Das Feuer auf seiner Haut brannte unerbittlich. Als die letzten Körner gefallen waren, beugte ich mich zu ihm, legte meine Hand auf seinen Rücken. Er reagierte nicht, vorsichtig löste ich die Leine und das Geschirr von seinen Juwelen. Dann sagte ich sanft: „Die Sanduhr ist durchgelaufen.“ Langsam öffnete er die Augen, blickte mich an, mit glasigem Blick. „Du kannst dich waschen, hörst du?“ Er versuchte sich aufzurichten, doch war zu erschöpft dazu. Mit meiner Hand auf seiner Stirn sprach ich einen Spruch, löschte das Brennen auf seiner Haut etwas. Allmählich wurde sein Blick wieder klar. Langsam und vorsichtig stieg er in die Wanne. Ich gab ihm die Kruke mit der kühlende Emulsion: „Das sollte helfen.“ Er rieb sich damit die Haut ein, dankte mir dafür. Ich freute mich darüber, sah ihm lächelnd zu, wie er sich sich gründlich wusch. Er brauchte eine Weile dafür, doch ich genoss es, er entspannte sich, zitterte nicht mehr – obwohl ich in seiner Nähe war.

Auch als er sich abtrocknete, beobachtete ich ihn. Er ging vor mir auf die Knie. „Danke Herrin, danke, das ihr das Feuer wieder von mir genommen habt.“ Mit meiner linken Hand zog ich sein Gesicht am Kinn zu mir hoch; ich wollte, dass er mich ansah. Mit einer Berührung meines Daumens auf seiner Stirn nahm ich auch den letzten Schmerz von ihm. Erneut bedankte er sich.

Ich ließ ihn aufstehen, legte ihm Geschirr und Leine wieder an. Dann führte ich ihn zurück in die Bibliothek, ging mit ihm bis zum Kaminsims. „Sieh dir an, was dort auf dich wartet.“ Ich griff nach der Gerte, beobachtete lächelnd, wie er die Gewichte und Glocken ansah; sein Zittern war zurück. Er warf mir einen Blick zu, senkte dann sofort die Augen, sein Atmen wurde wieder unruhiger. Ich deutete mit der Gertenspitze auf eine der etwas schwereren Glocken, anderthalb Kilo schwer. „Mach die fest.“ „Ja Herrin.“ Vorsichtig, sehr vorsichtig gehorchte er. Ich schmunzelte. „Hände hinter dem Kopf.“ „Ja Herrin.“ Mit der Gerte dirigierte ich ihn zum Labortisch, links vom Kamin, direkt vor dem Fenster. Eine Berührung an der Innenseite seiner Schenkel brachte ihn dazu, seine Beine zu spreizen, bis die Glocke frei schwingen konnte. Das Ende der Leine machte ich am Kamin fest. Er schloss die Augen, als ob er fürchtete, dass ihn jemand so sehen könnte. Abgesehen davon, dass jemand auf dem Hof allenfalls seinen Oberkörper hätte erkennen können, so war es durch den Zauber meines Vorgängers unmöglich, dass ein ungebetener Gast hier auftauchte. Aber ich hatte nicht vor, ihm das so schnell zu erzählen.

Ich setzte mich, stellte einen kleinen Spiegel auf den Tisch. Er konnte mich nicht sehen, aber ich wollte ihn nicht aus den Augen lassen. Mit einer Bewegung meiner Finger wirkte ich einen Spruch und schon konnte ich sein Gesicht im Spiegel sehen. Dann griff ich nach seinem Tagebuch. Ich schaute in den Spiegel, grinsend sagte ich: „Glocken sind zum Läuten da, das weißt du, oder?“ Sein Gesicht spiegelte den Schreck, den er bekam, er versteckte ihn nicht, wusste nicht, dass ich ihn sah. Er versuchte sich zu beruhigen, sagte dann „Ja Herrin.“ Er fing an die Glocke zu läuten, ich sah seinen Blick dabei und mir wurde warm. Demütigend und schmerzhaft war es. Aber ich konnte erkennen, dass er sich noch unter Kontrolle hatte.

Ich fing an sein Tagebuch zu lesen, war neugierig. Trotzdem sah ich immer wieder in den Spiegel, ich wollte mit dieser Übung seine Grenzen ausloten, aber nicht überschreiten. Die ersten Absätze im Tagebuch war der Versuch, seinen Diebstahl zu rechtfertigen. Und dann sah ich, dass er das Wort ‚Hexe‘ geschrieben hatte. Er hatte es gestrichen und durch das Wort ‚Zauberin‘ ersetzt. Aber nichts desto trotz hatte er es erst einmal geschrieben. Er wusste bereits, dass ich das Wort nicht mochte, hatte dies aber ignoriert. Nun denn, dies würde Konsequenzen haben.

Aber ich war zu neugierig, las erst einmal weiter. Die Nacht in dem Kreis war unangenehm gewesen, aber er hatte sie akzeptiert. Erst als ich von ihm verlangte sich zu unterwerfen, hatte er ein Problem gehabt. Doch die Alternative war wohl schlimmer, er fürchtete offensichtlich ein Todesurteil. Ich blickte in den Spiegel, immer noch ließ er die Glocke ertönen, hielt immer noch die Augen geschlossen.

Lächelnd stellte ich fest, dass er eine völlig andere Wirkungsweise des Gehorsamkeitszaubers erwartet hatte. Er dachte, er würde zu einer Marionette werden, stattdessen wird er einfach direkt und unmittelbar bestraft. So stark, dass ihm keine Wahl bleibt. Dann schilderte er, wie er sein erstes Signal lernte: das Klopfen mit der flachen Hand gegen das Bein. Das gleiche Klopfen, wie bei einem Hund der ‚bei Fuß‘ gerufen wird. Er hatte es erkannt, ich grinste. Genau das hatte ich beabsichtigt. Ihn ohne Schmerz einfach und beiläufig seinen Platz klarmachen. Noch fühlte er sich dadurch gedemütigt, aber wenn er anfängt es zu akzeptieren, wird das vorüber gehen. Aber immerhin: Er wusste auch zu schätzen, wie gnädig ich am ersten Tag gewesen war: Ich hatte das Tempo an ihn angepasst und er hatte gut und reichlich zu Essen bekommen.

Der gesamte Text bisher schien flüssig geschrieben worden zu sein, jetzt wurde das langsam anders. Er hatte mehrfach angesetzt, teilweise mitten im Wort. Er musste schildern, was er sich dabei gedacht hatte, mich fast wie eine Hure behandelt zu haben. Es stellte sich heraus, dass er offensichtlich gar nichts gedacht hatte. Typisch Mann eben: Handeln oft, bevor sie denken. Erst als ich mit der Gerte zuschlug, fing er an nachzudenken.

Aber immerhin akzeptierte er die Strafe dafür, suchte zu Recht die Schuld bei sich, als ich ihn seine erste abendliche Übung durchführen ließ. Er hatte noch ein Problem damit, als Spielzeug bezeichnet zu werden, hasste die Brennnesseln tatsächlich so stark, wie ich vermutet hatte. Ich schmunzelte, ich mochte Nesseln – jetzt noch mehr.

Doch demütigender als vor mir seine Übung auszuführen, fand er wohl Koras entsprechende Fragen zu beantworten. Ich nickte fast ohne nachzudenken, sogar mit Tiemen hatte ich meist ohne Zuschauer gespielt. Obwohl er es innerhalb gewisser Grenzen genossen hatte, so gab es doch Bereiche, die auch mir zu intim waren. Allerdings: Darüber mit einem anderen in seinem Beisein zu reden, das hatte mir manchmal gefallen. Seinen Blick zu spüren, sein Gesicht zu beobachten, das mochte ich.

Ich seufzte leise, zu leise, als dass es bei dem Lärm der Glocke zu hören gewesen wäre, und wendete mich wieder diesem Tagebuch zu. Er hatte arge Probleme sowohl mit den Regeln, weil er sie fürchtete, als auch mit der Zusatzaufgabe. Er verstand den Sinn nicht, erkannte nicht, dass sie nur dafür da war, seine Muskeln zu kräftigen. Ich grinste, umso besser war sie geeignet, ihn seine Position spüren zu lassen. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir, dass er das Gewicht immer noch ertrug. Das Gewicht machte ihm wohl zu schaffen, aber immer noch stand die Demütigung mehr im Vordergrund als der Schmerz. Ich freute mich: Er konnte offensichtlich einiges ertragen.

Auch das Tagebuch führen zu müssen fiel ihm schwer. Ich nickte, es war bestimmt nicht einfach, gerade weil er wusste, dass ich alles lesen würde. Er fand diese Aufgabe daher am schlimmsten. Jetzt kam er zu einem Teil, den ich nicht kannte: Er hatte gestern brav seine abendliche Übung ausgeführt. Und dabei hatte er eine richtig gute Idee gehabt: Er wollte es nicht riskieren den Boden sauber lecken zu müssen. Also hatte er eine Schüssel genommen und die vor sich auf einen Tisch gestellt. Davor stehend hatte er seine Übung ausgeführt. Ich grinste: Eine wirklich gute Idee, die er völlig ohne einen Hinweis von mir hatte. Die Schüssel könnte er für sich behalten. Kora wusste nicht einmal, welche Bewandtnis es mit dieser Schüssel hatte. Aber er und ich, wir wussten es. Allein bei dem Gedanken daran wurde mir noch etwas wärmer.

Am nächsten Morgen hatte er verschlafen, davon wusste ich bereits. Er schilderte seine Arbeit, damit hatte er keine Probleme, auch wenn ihn der Muskelkater und die Blasen an den Füßen störten. Mit der großen Menge Wasser kam er erstaunlich gut zurecht. Nun mal sehen, auch dass konnte sich im Laufe der Woche noch ändern. Aber er war dankbar und überrascht über das gute Essen. Er wusste, dass es nicht selbstverständlich war. Nicht für Gesinde, schon gar nicht für einen Dieb wie ihn. Wie ich feststellte, hatte Kora ihm nicht nur erlaubt, Stroh in die Schuhe zu stopfen; sie hatte ihn zugleich ermahnt, sich mehr anzustrengen. Jede Aufgabe, die ich ihm gebe, sei seine Aufmerksamkeit wert, so hatte sie ihn ermahnt. Ich lächelte zufrieden, meine Kora, auf sie konnte ich mich verlassen.

Auch amüsierte es mich, wie beeindruckt er von den holzvertäfelten Wänden war, den ganzen Gobelins und dem anderen Zierrat, der Reichtum ausdrückte. Das alles hatte der vorherige Besitzer so machen lassen. Aber da ich ja auch seine Schätze übernommen hatte, war es ganz passend, dass es jetzt mir zugerechnet wurde. Ich blickte wieder in den Spiegel, beobachtete ihn. Mit einer kleinen Bewegung meiner Hand beendete ich den Zauber, sein Bild verschwand, dann räumte ich den Spiegel weg.

Ich stand auf, ging mit seinem Tagebuch in der Hand zu ihm. „Du scheinst einige Dinge nicht richtig verstanden zu haben. Zuerst: Ich mag das Wort Hexe nicht. Du darfst es nie wieder benutzen, niemals. Angemessen wäre ‚meine Herrin‘ oder ‚Herrin Lucia‘, eventuell auch ‚Zauberin‘. Aber niemals wieder dieses Wort. Es ist Dir verboten. Mit allen Folgen. Solltest du dagegen verstoßen, wird der Strafschmerz eine Minute anhalten. Du solltest das also rasch lernen, sonst hast du bald ein Problem. Du hast heute schon einmal den dreifachen Schmerz ertragen müssen. Möchtest du ernsthaft versuchen, wie es mit einem mehrfachen dessen ist..?“ Er schluckte, allein die Vorstellung schien ihm unangenehm zu sein. „Nein Herrin. Verzeiht Herrin.“

„Dann scheinst du auch die abendlich Übung nicht wirklich ernst zu nehmen. Wenn ich das hier so lese, brichst du viel zu früh ab. Du sollst nicht aufhören, wenn es gerade schön ist, sondern erst, wenn jede weitere Bewegung zu viel wäre. Du sollst versuchen, diesem Moment so nah wie möglich zu kommen. Und nicht in sicherer Entfernung halt machen.“ Ich hob das offene Tagebuch etwas. „Das einzig Gute ist die Idee mit der Schüssel.“ Die würde ich jetzt gleich einweihen, ich wollte sehen, wie er seinen eigenen Saft das erste Mal schmeckt. „Augen zu und schön die Glocke weiter läuten lassen.“

Im Stall suchte ich die Schüssel, fand sie auch rasch. Kurz ging ich zu Kora in den Garten. Sie war fleißig, und diese Arbeit bereitete ihr Vergnügen. Ich bat sie, das Spielzeug in einer halben Stunde vor der Bibliothek abzuholen. Danach ging ich zurück, er hatte noch brav die Augen geschlossen, immer noch läutete die Glocke. Ich nutze die Gelegenheit und änderte den Zauber, der auf ihn lag. Es würde kein für mich hörbarer Alarm mehr ausgelöst werden, wenn er gegen Befehle verstieß. Dann stellte ich die Schüssel auf den nackten Boden, wollte nicht, dass er den Teppich beschmutzte. Als ich zufrieden mit der Position der Schüssel war, nahm ich die Gerte, berührte ihn sanft am Rücken. Er zuckte zusammen, dann läutete er weiter. „Halt still“ sagte ich zu ihm. Er gehorchte augenblicklich, schien darüber sehr erleichtert zu sein.

Sanft und vorsichtig lenkte ich ihn mir der Spitze meiner Gerte, bis er vor der Schüssel stand. Ich warf einen prüfenden Blick auf die Leine; sie war lang genug. „Auf die Knie.“ Ich schob die Schüssel zurecht, ließ ihn dann die Knie spreizen, wieder so weit, dass die Glocke frei schwingen konnte. Langsam wurde mir richtig heiß, ich leckte mir unwillkürlich die Lippen, atmete tief durch. „Öffne die Augen und sieh, was vor dir steht.“ Einen Moment ließ ich ihm, um zu erfassen, was er da sah. „Und jetzt zum Test deiner Idee.“

Ich holte eine kleine Sanduhr, eine sehr kleine von drei Minuten, stellte sie neben die Schüssel. „Du wirst in die Schüssel spritzen, bevor die Zeit um ist.“ Ich drehte die Uhr um, stellte mich an den Kamin, trank von dem Tee. Sein kleiner Freund war viel zu schlaff, viel zu klein. Ich wusste, dass er keine Chance hatte, diesem Befehl zu gehorchen. So wie er mich ansah, war ihm das genauso klar. Und doch versuchte er es. Er griff in seinen Schritt, nahm seinen kleinen Freund und fing an seine Hand zu bewegen. Er hatte es eilig, doch es dauerte viel zu lange, bis sein kleiner Freund anfing zu wachsen. Und das, obwohl er gestern Abend rechtzeitig abgebrochen hatte. Scheinbar war ihm das Gewicht doch gerade etwas zu hoch. Allerdings hatte er beim letzten Mal immerhin noch Kleidung getragen, jetzt musste er es zum ersten Mal nackt vor mir machen, ohne sich irgendwie verstecken zu können. Dazu kam, dass er scheinbar nicht in der Lage war, seine Hüfte ruhig zu halten. Immer wieder läutete die Glocke, so heftig versuchte er sich meinem Wunsch zu fügen.

Als das letzte Sandkorn fiel, war er noch lange nicht so weit. Der Schmerz kam über ihn, er schrie auf, sackte auf den Boden. Er versuchte, sich wieder hochzukämpfen, wollte wieder auf die Knie kommen. Auch seine Hand bewegte sich weiter, doch er hatte keine Chance. Er bettelte und weinte. Dies ging über seine Grenze hinaus, ich berührte ihn an der Stirn, beendete den Schmerz. „Jetzt ohne Sanduhr.“ Er dankte mir, kämpfte sich wieder hoch, kniete sich mit gespreizten Knien vor die Schüssel.

Er schloss die Augen, ich ließ ihm das diesmal durchgehen. Eigentlich mochte ich es viel lieber, meinem Spielzeug bei einer derartigen Übung in die Augen zu sehen. Er sollte wissen, dass er seine Erlösung nur mit meiner Erlaubnis genießen durfte. Wieder fing er an, diesmal ging es etwas besser. Sein kleiner Freund wuchs, sein Gesicht wurde weicher, am liebsten hätte ich ihn in diesem Moment gestreichelt. Aber so weit waren wir nicht, ’noch nicht‘ so hoffte ich. Mir war heiß, ich musste mich zusammenreißen, um nicht meine eigene Hand in meinem Schritt wandern zu lassen. Irgendwann würde er mich lecken dürfen, aber nicht jetzt, nicht in seiner Höllenwoche. Endlich kam er, spritzte seinen Saft in die Schüssel, nur wenig ging daneben.

Er keuchte, errötete plötzlich. Er bewegte sich nicht, war fast wie erstarrt. Ich ließ ihm keine Wahl. „Saubermachen.“ Er wurde knallrot, gehorchte aber. Schmunzelnd hörte ich ihn ganz leise würgen. Er würde sich an seinen Geschmack noch gewöhnen, gewöhnen müssen. Er würde, solange er hier war, jeden Tropfen seines Saftes auflecken, den er vergoss. Er dreht sich in meine Richtung, tief nach vorn gebeugt, seine Stirn berührte den Boden. Ich trank etwas Tee, versuchte nicht zu zittern vor Erregung. Dann nahm ich seine Leine, führte ihn hinaus vor die Tür, band ihn wieder am Treppengeländer fest, die Leine so kurz, dass seine Nase bereits die Wand berührte.

„Ich hoffe, du hast heute etwas gelernt.“ „Ja Herrin.“ „Du kannst die Glocke abnehmen und auf das Fensterbrett stellen.“ „Ja Herrin, danke Herrin.“ Ich lächelte, hatte es eilig in mein Zimmer zu kommen. Ich schloss die Tür, meine Hand wanderte über meine Haut, wanderte in meinen Schritt. Ich legte mich auf mein Bett, mir war so heiß. Ich hatte immer noch sein Gesicht vor Augen, wie er sich selber anfasste, seinen kleinen Freund verwöhnte. Und wie er widerstrebend seinen eigenen Saft in sich aufnahm. Es tat so gut, ich hatte es so vermisst, viel zu lange war es her, dass ich mit jemand auf diese Art gespielt hatte; Jahre .. nein, Jahrzehnte. Endlich war meine Gier gestillt und ich entspannte mich wieder. Ich hatte es genossen bei ihm zu sein, während er seine Gier stillte, bedauerte es, dass ich am Vorabend nicht dabei gewesen war. Das würde ich wohl bald ändern…

Lächelnd stand ich auf, ging in die Bibliothek. Ich nahm seine Schüssel und brachte sie in den Stall zum Fensterbrett, stellte sie neben sein Tagebuch. Ich warf einen Blick hinein, aber er hatte noch nichts neues eingetragen. Er selbst war auch nicht zu sehen, war wohl auf dem Feld. Ich ging hinein, Kora war inzwischen in der Küche zugange.

III Lernprozesse

Sie war fast fertig mit Kochen, Suppe diesmal. Mir fiel wieder die Schüssel vom Spielzeug ein, das hätte ich ja fast vergessen. Ich grinste, ging noch einmal hinaus, stellte Schüssel und Tagebuch draußen vor den Turm. Als ich wieder zurück in die Küche kam, informierte ich Kora: „Ich habe eine Schüssel draußen hingestellt; das wird zukünftig seine sein, er soll alles daraus essen.“ „Ist in Ordnung, ich sag’s ihm.“ Lächelnd nickte ich, irgendwann würde ich Kora wohl erzählen, welche Bewandtnis es mit der Schüssel hatte.

Zusammen aßen wir in aller Ruhe. Da der geröstete Kaffee fast verbraucht war, kümmerte ich mich darum, während Kora dem Spielzeug sein Essen brachte. Wir hatten grüne Kaffeebohnen im Lager, aber Kora hatte mit dem Rösten so ihre Probleme. Daher kümmerte ich mich immer darum. Üblicherweise bereitete ich genug für eine Woche vor, so auch heute. Ich schüttete gerade Bohnen in die gusseiserne Pfanne, als ich das Signal zum Kommen hörte; das Spielzeug war also wohl auf dem Feld.

Als Kora wieder hereinkam, erzählte sie, dass er arge Probleme hatte, weil ich ihm ein Wort verboten habe. Sie hatte auch schon eine Vermutung. „Lass mich raten: Hexe. Er darf nicht mehr das Wort Hexe verwenden.“ „Er hat es sogar in seinem Tagebuch verwendet, obwohl er weiß, dass ich es nicht mag. Jetzt wird er lernen, das sein zu lassen.“ „Er hat schon viermal dagegen verstoßen, ihr nehmt ihm den Schmerz schon noch, oder?“ Ich blickte sie prüfend an, sie fand dies offensichtlich zu heftig. Vielleicht hatte sie recht, spätestens morgen früh würde ich den Schmerz von ihm nehmen. „Heute Abend werde ich noch einmal mit ihm reden. Mal sehen…“ Kora nickte zufrieden. „Es wird heute Nacht einen Sturm geben. Wollt ihr ihn trotzdem draußen lassen?“ „Ich überlege es mir, vielleicht darf er rein.“ antwortete ich lächelnd. Endlich war der Kaffee fertig, Kora hatte inzwischen schon die Fenster aufgemacht, damit der Rauch abziehen konnte.

Ich nickte ihr zu, ging hoch in die Bibliothek. Ich sortierte das Buch wieder ein, das ich gerade durchgearbeitet hatte, suchte ein neues, mir noch unbekanntes heraus. Ich würde die nächsten Monate damit beschäftigt sein, alle Notizen und Aufzeichnungen des Schwarzkünstler zu prüfen. Doch ich war mir sicher, dass es sich lohnen würde.

Durch das aufkommende Unwetter wurde es früher dunkel, ich bat Kora, das Spielzeug nackt und mit seinem Tagebuch zu bringen. Er sollte immer nackt sein, wenn er hier war. Kora wirkte nicht begeistert, aber protestierte nicht. Ich entzündete das Kaminfeuer, auch die beiden Lampen auf den Sims. Kurz darauf klopfte es an der Tür, Kora informierte mich, dass er vor der Türe wartete. Während sie nach unten ging, holte ich ihn. Sie hatte ihn diesmal nicht an so kurzer Leine festgemacht. Ich schmunzelte, sie wollte also lieber nicht so viel Druck auf ihn ausüben. Nun denn, seine Position kannte er jetzt, es war wohl nicht mehr nötig ihn auf diese Art daran zu erinnern. Es gab noch genügend andere Möglichkeiten.

Ich führte ihn an der Leine zum Kamin, diesmal machte ich ihn an der Seite mit der kleinen Sitzecke fest. Ich wollte ihn ohne Zauber sehen können, und ich wollte mit ihm reden. Von Tiemen wusste ich wie wichtig es für ein Spielzeug ist, die Nähe seiner Herrin zu spüren. Er hatte es immer genossen, das war es, wofür er lebte. Und wenn dieser hier ähnlich war, was ich hoffte, dann musste ich es ihn auch spüren lassen. Er musste wissen, dass ich ihm zwar Schmerz zufügte, aber das ich trotzdem auf ihn achtete und um sein Wohlergehen bemüht war. Auch wenn dies auf eine Art geschah, die er noch nicht kannte.

Ich setzte mich, sah zu ihm hin. Die Leine war lang genug, er konnte leicht zu mir kommen. Ich rief ihn mit dem Klopfen, rasch trat er zu mir, ging sofort auf die Knie. Mit gesenkten Kopf, zitternd und unsicher wartete er. Ich streckte meine Hand aus „deine Hände.“ Er gab sie mir und ich inspizierte sie. Ein Teil der Blasen war aufgeplatzt, schmerzhaft war es wohl. Aber sie waren nicht infiziert, solange das so blieb, brauchte ich mir keine Sorgen zu machen: Sie würden problemlos abheilen. Ich lies seine Hände los, und er nahm sie wieder herunter.

„Kora erzählte, das du schon wieder gegen meine Anweisungen verstoßen hast?“ „Ja Herrin, verzeiht Herrin.“ „Wie oft?“ „Sechsmal insgesamt Herrin.“ Eigentlich gar nicht so schlecht, er lernte rascher, als ich es erwartet hatte. Aber es war besser ihn hierfür nicht zu loben. Er hätte das Wort erst gar nicht in sein Tagebuch schreiben sollen. Schließlich wusste ich, dass allein vier Verstöße an dem Wort Hexe lagen. Mit unzufriedener Stimme sagte ich „ob du es wohl jemals schaffen wirst, einen Tag ohne Verstoß zu überstehen…“

Er duckte sich furchtsam. Sanft berührte ich seinen rasierten Schädel, zog dann sein Kinn zu mir, verlangte nach seinem Blick. Kurz schaute er mir in die Augen, doch sofort schlug er sie wieder nieder. „Sechsmal in so kurzer Zeit…“ Ich wartete einen Moment, doch er reagierte kaum. „Wie fühlst du dich jetzt?“ „Herrin?“ Er blickte mir wieder in die Augen, wich dann aber sofort wieder aus. „Es geht, Herrin.“ Immerhin, er hatte mich schon länger angeschaut als bei allen anderen Gesprächen, zufrieden lächelte ich. „Und wie lange glaubst du, es ertragen zu können?“ „So lang ich es muss, Herrin.“ „Und wie lange ist das?“ „So lange ihr es wünscht, Herrin.“ Ich freute mich, er schien es tatsächlich zu verstehen.

„Und was gibt mir diese Macht?“ „Herrin? Ihr seid Zauberin Herrin…“ Mein Lächeln verschwand. „Ich fragte, warum ich diese Macht über dich habe, nicht was ich bin.“ „Herrin, ich .. ich weiß nicht was ihr meint, Herrin.“ Ich betrachtete ihn, er war so unsicher, wusste nicht, was ich wollte. Am liebsten hätte ich ihn zärtlich gestreichelt, doch so weit waren wir noch nicht. Ich beugte mich nach vorne, kam ihm nahe, flüsterte ihm ins Ohr: „Was bis du?“ „Euer Spielzeug, Herrin.“ Ich schmunzelte, richtete mich wieder auf. „Also: Warum habe ich diese Macht über dich?“ „Weil ich euer Spielzeug bin, Herrin.“

Ich nickte zufrieden, suchte seinen Blick, doch seine Augen blieben auf den Boden gerichtet. Er fürchtete sich noch zu sehr vor mir. So griff ich nach seinem Tagebuch, prüfte, ob er schon etwas neues eingetragen hatte. Zufrieden stellte ich fest, dass er es tatsächlich ergänzt hatte. Aber ich wollte, dass er sich einprägte, was er war. So stand ich auf, holte eine Wachstafel vom Schreibpult, gab sie ihm. „Du musst an deiner Schrift arbeiten, sie könnte schöner sein. Also schreib: Ich bin das Spielzeug meiner Herrin.“ Ich nahm Platz. „Fang schon an. Schreib es einfach, so oft es auf die Tafel passt, dann wische es weg und fange wieder an. Natürlich alles gut lesbar und in sauberer Schrift.“ Brav fing er an, als ich anfing zu lesen.

Lächelnd las ich die Beschreibung seiner Enthaarung, er hatte sich daran erinnert, wie er die Brandmale erhalten hatte – und das war in seiner Erinnerung weniger schlimm gewesen. Trotzdem hatte er es durchgestanden. Ich war stolz auf ihn. Das Gewicht der Glocke war ihm zu viel gewesen, allerdings hauptsächlich, weil er es so lange tragen musste. Ich nickte, es war wichtig zu wissen, wie viel er vertrug. Und genau dafür war diese Höllenwoche so gut geeignet: Seine Grenzen zu testen. Und um überhaupt festzustellen, ob er ein Spielzeug war – ob er dieses Spiel auf seine Art genießen konnte. Sollte ich mich getäuscht haben, würde ich es nicht weiterführen wollen. Auch wenn ich es noch so sehr vermisste. Seine Erlösung aber hatte er kaum genossen. Ich war fast etwas enttäuscht darüber.

Es versöhnte mich jedoch etwas, dass er das Verbot des Wortes Hexe nicht in Zweifel zog. Mein Recht dazu akzeptierte er, suchte die Schuld eher bei sich, weil er so dumm gewesen war, es in sein Tagebuch zu schreiben. Und ich freute mich: Er schrieb, dass er versuchte, mich zufrieden zu stellen. Und wenn es nur dadurch war, dass er die Tiere gut versorgte. Ich schloss das Tagebuch, sah ihm zu, wie er schrieb. Es war so friedlich, ich fühlte mich wohl in seiner Nähe. Er hatte sich langsam entspannt, atmete ruhig. Ich streckte die Hand aus: „Die Tafel.“ Das Zittern war wieder da, doch er versuchte es zu unterdrücken. Ich lächelte, er gewöhnte sich langsam an meine Nähe.

Ich betrachtete die Wachstafel. Seine Schrift im Tagebuch war gar nicht so schlecht, doch auf der Tafel wurde sie allmählich noch besser. Ich brauchte nicht lange um mich zu entscheiden: Er würde noch etwas weiter üben. Ich holte eine große Sanduhr von neunzig Minuten und stellte sie direkt vor ihm hin. „Du wirst noch weiter üben. Vielleicht wird deine Schrift besser mit der Zeit.“ Ich lächelte sanft, ließ ihn dann allein; meine Gerte nahm ich mit.

Ich ging hoch in mein Zimmer, las noch etwas. Fast würde die Sanduhr durchgelaufen sein, also sprach ihn den Zauber, beobachtete ihn im Spiegel. Als das letzte Korn verronnen war, sah er sich neugierig um. Er berührte vorsichtig den samtenen Vorhang am Fenster, auch die Kissen auf den Stühlen – fast etwas versonnen. Dann legte er noch etwas Holz im Kamin nach.

Seine Leine war noch am Kamin fest, doch er berührte sie nicht. Stattdessen stand er vor dem Kamin und betrachtete die Gewichte, griff dann nach einem. Anderthalb Pfund, das Gewicht für seine Übung war normalerweise ein Pfund, dies war das nächsthöhere. Er stellte sich in Position für seine Übung. Allmählich wurde mir warm, meine Hand wanderte in meinen Schritt, während er mit seiner Übung anfing. Diesmal ging es sehr rasch, und ich sah, wie er versagte. Obwohl er an diesem Tag bereits seine Gier befriedigen durfte, schaffte er es nicht, sich zu beherrschen. Mit meiner Hand verwöhnte ich mich selbst, während ich beobachtete, wie der Schmerz über ihn wogte. Diesmal zögerte er nicht, seinen eigenen Saft aufzulecken, rasch und gründlich. Obwohl er soeben gegen meinen Befehl verstoßen hatte, lächelte ich. Ich schloss die Augen, befriedigte auch meine Gier. Als ich wieder in den Spiegel blickte, hatte er sich seitlich kniend gegen den Kamin gelehnt, schlief langsam ein.

Ich sah zu, wie er einschlief, beobachtete ihn noch etwas im Schlaf. Ich war neugierig, was er über diesen Abend in sein Tagebuch schreiben würde. Nachdem ich die letzten Tage meine Übungen nicht ausgeführt hatte, stand ich noch einmal auf, hier war nicht genug Platz, und in die Bibliothek wollte ich jetzt nicht. So ging ich hinaus in den Regen. Hasso schaute gelangweilt auf, als ich vorbei ging. Dann führte ich dort draußen die Form aus, einfache Bewegungen, die trotzdem die Sinne sammeln und so die Konzentration fördern. Als ich fertig war, reinigte ich mich am Brunnen von Schlamm und Erde, ging hoch ins Bad und trocknete mich erst einmal ab. Es war spät, ich blickte noch einmal in den Spiegel, schmunzelte, als ich mein Spielzeug ruhig schlafen sah. Er war immer noch auf Knien, war deutlicher ruhiger als in seiner ersten Nacht bei mir. Mit einer Handbewegung beendete ich den Zauber. Kaum lag ich in meinem Bett, schlief ich kurz darauf ein.

Am nächsten Morgen wurde ich erst wach, als Kora leise mit dem Frühstück herein kam. Ich hörte Schritte auf dem Flur, Kora informierte mich, dass mein Bad bereits gerichtet wurde. Es war angenehm, das Bad war gemütlicher als die Küche. Jetzt konnten wir es endlich richtig nutzen. Es waren schließlich immer etliche Wassereimer, die jetzt die Stufen hoch geschafft werden mussten. So lächelte ich zufrieden, es konnte nur ein guter Tag werden. Ich sah hinaus, der Regen prasselte unaufhörlich hinab. Mir gefiel die Idee nicht, dass das Tagebuch von meinem Spielzeug immer wieder durch den Regen getragen wurde. Doch dann fiel mir mein altes Stehpult ein: Als wir hierher gezogen waren, hatten wir es mitgebracht. Aber das des Schwarzkünstlers war schöner gearbeitet und hatte auch die richtige Höhe, daher nutze ich jetzt das. „Kora, wir haben doch noch mein Stehpult im Keller, oder?“ „Entweder dort, oder auf dem Dachboden, ja.“ „Kannst du es gleich bei der Eingangstür hinstellen? Und sein Tagebuch mit seinem Schreibzeug dazu legen? Jetzt gleich, während ich mit ihm rede?“ „Kein Problem, ich kümmere mich darum, gleich bevor ich neuen Proviant hole.“

Als Kora gegangen war, zog ich mein Nachthemd aus und meinen Seidenmantel an. Ich suchte nach etwas geeignetem, um ihn dazu zu bringen, mit den Verstößen vorsichtiger umzugehen, als mein Blick an meinem Nähkorb hängen blieb. Ich nahm zwei Bändchen, packte dann die Gerte und ging hinaus. Mein Spielzeug kniete bei der Badetür, verneigte sich. Mit seinen Händen verdeckte er sein Gemächt, ich schmunzelte, das würde jetzt vorbei sein. Ich rief in mit einem Klopfen, nahm ihn dann an der Leine mit ins Bad. Beim Eingang ließ ich die Leine fallen. Er stoppte sofort, blieb auf allen Vieren. „Sitz.“ Er kniete sich wieder hin, setzte sich auf seine Fersen, schon wieder hatte er seine Hände im Schritt. „Wenn ich irgendwo die Leine einfach fallen lasse, bleibst du dort auf Knien, bis ich etwas anderes sage.“ „Ja Herrin.“

Ich drehte mich ihm ganz zu, berührte mit der Gerte seine Hände. „Wessen Entscheidung ist es, wie weit du entblößt bist?“ „Eure, Herrin.“ „Und warum glaubst du, dich darüber hinwegsetzten zu können?“ „Herrin? Verzeiht, Herrin, ich wollte nicht …“ Er blickte kurz zu mir hoch; langsam, sehr langsam und unsicher nahm er die Hände zur Seite. „Ich habe dir zwei Tage Zeit gegeben, das Unabänderliche zu akzeptieren – und du hast es immer noch nicht verstanden.“ Er zog seinen Kopf tief zwischen die Schultern, dachte wohl, ich würde ich gleich Prügeln. „Du solltest nicht anders sitzen, nur weil du andere oder keine Kleidung trägst.“ „Ja, Herrin.“ „Wenn du so auf Knien dasitzt, sollten deine Hände auf deinen Oberschenkeln ruhen, direkt bei den Knien.“ Mit der Gertenspitze berührte ich seine Oberschenkel etwa einen Handbreit von seinem Knie entfernt. Diesmal reagierte er sofort, legte seine Hände auf die Oberschenkel. Zwar mit den Handflächen nach unten, aber den Unterschied kannte nur ich. Ich tippte mit der Gerte gegen die Innenseite seiner Knie. „Etwas weiter auseinander.“ Er folgte der Berührung meiner Gertenspitze bis ich zufrieden war. „Um es zu lernen, wirst du ab sofort keine Kleidung tragen – es sei denn, es wird ausdrücklich angeordnet.“ „Ja, Herrin.“

Ich setzte mich, ich blickte ihn an, während ich die Beine übereinander schlug. Ich bewegte mich etwas, so dass mein Seidenmantel sich leicht öffnete; gerade so weit, dass er erkennen konnte, das ich nichts darunter trug. Er schlug wieder die Augen nieder, ich schmunzelte, irgendwann würde er lernen, dass er mich anschauen durfte. Doch jetzt musste er lernen, wie wichtig eine korrekte Position war. „Du merkst den Unterschied in deiner Haltung?“ „Ja, Herrin.“ Mit sanfter Stimme fragte ich ihn: „Dir ist klar, dass ich dich dafür noch bestrafen muss?“ Kurz ging ein Zittern durch seinen Körper, er schluckte, nickte dann. „Ja, Herrin.“ „Du weißt warum?“ „Ja, Herrin.“ „Warum also?“ „Weil ich nur euer Spielzeug bin und es nicht recht ist, wenn ich nicht euren Wünschen entspreche.“ Mein Herz tat fast einen kleinen Sprung, eine bessere Antwort hätte er nicht geben können. Lächelnd antwortete ich. „Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung für dich.“

Ich holte die beiden Bändchen aus meiner Manteltasche, deutete ihm zu mir zu kommen. Ich befestigte beide an seinem Halsband. „Wie oft hast du jetzt schon gegen meine Anweisungen verstoßen?“ „Siebenmal, Herrin.“ „Es wird von Tag zu Tag schlimmer mit dir. Daher hast du jetzt die Bändchen. Du verstößt immer häufiger gegen die Regeln, anstatt besser zu werden.“ Meine Stimme wurde härter, unzufriedener: „Gestern Abend war es erst sechs Mal, was ist diesmal gewesen?“ „Herrin, ich habe gestern bei der abendlichen Übung versagt, Herrin.“ „Du kannst dich wirklich nicht beherrschen, nicht die einfachste Übung ausführen.“ Ich schüttelte den Kopf.

„Nun, du hast selbst in der Hand was mit dir geschieht. Wenn du möchtest, dass ich den Schmerz wieder beende, brauchst du mir – oder Kora – nur ein Bändchen zu geben. Und mich dann darum bitten. Wie du siehst, hast du zwei davon. Und die müssen für den Rest der Woche reichen. Vielleicht hilft dir das, besser zu gehorchen.“ Ich betrachtete ihn, wollte keine Reaktion von ihm verpassen. „Hast du noch etwas zu sagen?“ Er zögerte einen Moment, nahm dann eins der Bändchen ab. „Herrin?“ Er hielt das Bändchen zu mir hoch: „Herrin, würdet ihr mir die Gnade erweisen, den Schmerz von mir zu nehmen?“ Ich lächelte, sanft zog ich sein Gesicht am Kinn zu mir, strich mit meinem Daumen über seine Stirn, nahm den Schmerz von ihm. „Danke, Herrin, danke für eure Gnade.“ Ich erfreute mich daran, dass er auf diese Art reagierte. Ich würde vorsichtig mit meinen Befehlen sein, wollte ihm nicht unnötig viel Schmerzen erleiden lassen. „Das Tagebuch liegt jetzt beim Eingang unten im Erdgeschoss. Dort wird es bleiben.“ Ich legte die Leine über seine Schulter, sie würde wohl bald nicht mehr notwendig sein. „Du kannst gehen.“ „Ja, Herrin.“

Ich sah ihm nach, stieg dann ins Wasser. Danach ging ich in mein Zimmer, holte Tiemens Truhe hervor. Meine Finger wanderten über das Holz, ich musste lächeln. Lange Zeit waren mir immer die Tränen ins Auge gestiegen, wenn ich diese Truhe sah. Jetzt lächelte ich wieder, hoffte, nach so langer Zeit jemanden gefunden zu haben. Keinen Ersatz: Niemand würde Tiemen ersetzten können. Aber doch jemand, mit dem ich meine Gier teilen konnte, der sie stillen konnte. Ich öffnete die Truhe, legte einige Peitschen zur Seite, dann sah ich die Keuschheitsvorrichtungen: Eine Art Rohr, die an deinem Ring befestigt waren. Der Ring wurde um die Wurzel des Gemächts gelegt, war bei der richtigen Größe unverrückbar.

Als Tiemen und ich sie das erste Mal gesehen hatten, waren wir beide davon fasziniert gewesen. Die Rohre waren fast alle nach unten gebogen, doch ich mochte es nicht, wenn meine Hand keinen ungehinderten Zugang zu seinen Juwelen im Schritt hatte. So hatten wir recht bald eine Abwandlung des ursprünglichen Modells anfertigen lassen; mit geradem Rohr, das an der Bauchdecke anliegend getragen wurde. Ich lächelte, nie werde ich Tiemens Blick vergessen, als wir diese Rohre gefunden hatten: Nervös und doch erregt, voller Vorfreude.

Ich sah die Modelle durch, es würde etwas Arbeit sein, meinem neuen Spielzeug eins davon anzupassen. Die benötigten Materialien für einen Zauber waren teurer als ein Schmied. Aber ich konnte damit kaum zu einem hier gehen, so blieb mir nur meine Magie. Ich nahm eins davon mit in die Bibliothek, rollte den Teppich vor dem Kamin zur Seite. Heilung und Transformation waren meine Stärken, ich wusste, dass ich hierzu in der Lage war.

Ich suchte die richtigen Kerzen heraus, fünf benötigte ich, jede einzelne bestand aus einer Mischung von Wachs und pulverisierten Edelstein; für jede Richtung und jeden Zweck waren andere Substanzen notwendig. Dazu Sandelholz, Weihrauch und anderes Räucherwerk. Mit Perlenstaub und Kreide zeichnete ich den Kreis auf den Boden. Ich entzündete die Kerzen, legte das Räucherwerk auf ein Stückchen glühende Kohle. Mit dem Rohr in der Hand setzte ich mich in die Mitte des Kreises, konzentrierte mich. Ich hatte mein Spielzeug im Schritt berührt, ich kannte seine Maße. Ich konzentrierte mich stärker, es war nicht einfach bei dem Gedanken an ihn, meine Gier, meine Lust zu vergessen. Ich atmete tief ein, ließ meinen Atem durch mich hindurch strömen, fühlte meine Kraft tief in mir. Alles außerhalb des Kreises wurde unwirklich; nur mein Atem war, ich war, das Metall in meiner Hand war, nichts anderes existierte mehr…

Langsam fing ich an das Metall zu formen; die Zeit verrann hier im Kreis anders. Ich hatte wieder das Gefühl, als könnte ich jedes einzelne Korn einer Sanduhr zählen, wenn ich hier denn eine gehabt hätte. Alles geschah in einer anderen Zeit, in einer anderen Wirklichkeit. Meine Augen waren geschlossen, ich fühlte das Metall in meiner Hand, brauchte es nicht zu sehen. Ich änderte den Verschluss, sicherte ihn magisch ab, nur ich konnte ihn jetzt öffnen. Dann wusste ich, dass ich fertig war. Ich öffnete die Augen, es sah so aus wie vorher. Aber ein prüfender Blick bestätigte, was ich doch schon wusste: Die Maße hatten sich geändert, sie würden meinem neuen Spielzeug passen.

Ich stand auf, streckte meine steifen Glieder, leise knackte es in meinem Rücken, als ich meine Schultern bewegte. Ich sah mich um, der Raum sah aus wie vorher. Und doch wusste ich, spürte ich, dass ich mich schon vor Stunden hingesetzt hatte. Ich öffnete den Kreis, entfernte die Reste und legt den Teppich wieder auf seinen Platz. Das Rohr legte ich mit allem Zubehör auf mein Schreibpult. Nachher würde ich mein Spielzeug bestrafen, ich würde ihn besser dazu fixieren. Also holte ich aus Tiemens Kiste noch einiges andere: Ketten, stabil genug um einen Mann zu halten und doch leicht genug, um nicht brutal auszusehen. Einen Knebel, Handfesseln, dazu noch eine Spreizstange. Dies war eine Metallstange, an deren Ende Metallringe für die Fußgelenke waren. Wurde sie angelegt, konnten die Beine nicht geschlossen werden.

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