Die stolze Helena

„Was soll das heißen, ich krieg‘ die Beförderung nicht?“ schnappte Helena entsetzt nach Luft. Verblüfft starrte sie die Überbringerin der schlechten Nachricht an… es war die altgediente Sekretärin vom Boss – und nur kurz streifte sie der Gedanke, dass der werte Herr nicht einmal Mut genug besessen hatte, um ihr den tödlichen Hieb selbst zu versetzen. Nein, er hatte die alte Gloria vorgeschickt… ausgerechnet, dieses Klatschmaul – und nun würde es bald die ganze Firma wissen, dass sich ihre Träume innerhalb weniger Sekunden einfach in Luft aufgelöst hatten.
Vor Helenas Augen explodierten gelbe Blitze. Sie knirschte mit den Zähnen, so sehr rang sie um Beherrschung.
Das konnte der alte Weber doch nicht bringen! Seit Jahren holte sie tagtäglich die Kohlen für die Firma aus dem Feuer… hatte ihr ganzes Leben im Dienste der Arbeit gestellt… und nun das.
Nein – mit ihr konnte man das nicht machen!

Die Sekretärin duckte sich unter dem lodernden Blick der jungen Frau – eine der Weihnachtskugeln, mit denen sie gerade das kleine Tannenbäumchen auf dem Schreibtisch schmücken wollte, entfiel ihren Händen – aber ein hämisches Grinsen konnte sie sich nicht verkneifen.
„Woher soll ich das wissen, Frau Wittke?“ höhnte sie. „Reden Sie doch selber mit dem Boss darüber!“
„Das werde ich auch machen!“ fauchte Helena und reckte das Kinn in die Höhe. „Gleich jetzt wird ich das machen!“ zischte sie aufgebracht.
Die alte Gloria wurde plötzlich blaß. „Jetzt? Aber das geht doch nicht! Sie haben keinen Termin! Herr Weber ist nicht…“ Doch sie sprach ins Leere. Sie stand schon alleine im Vorzimmer – und Helena war bereits ins Allerheiligste gestürmt.

Manfred Weber, seit über vierzig Jahren Chef der Weber-Werke, die sein eigener Vater kurz nach dem Krieg gegründet hatte, schaute irritiert von dem Schriftstück auf, das er gerade unterschreiben wollte, als er so plötzlich und ohne Vorwarnung gestört wurde.
Vor ihm stand eine vor Wut bebende Helena Wittke… in einem Zustand, in dem er sie noch nie gesehen hatte, seit sie in seine Firma eingetreten war… und schon legte die junge Frau los.
„Herr Weber!“ schnaubte sie. „Was soll das heißen, dass ich die Stelle der stellvertretenden Geschäftsführerin nicht bekommen habe? Sie wissen genau, dass ich seit Jahren auf diesen Platz hingearbeitet habe… unter Einsatz meiner vollen Kräfte… und mehrmals haben Sie mir diesen Posten in Aussicht gestellt! Wieso jetzt der Rückzieher? Finden Sie wirklich, dass das fair ist?“
Der alte Weber schnappte nach Luft, als er sich so plötzlich aus heiterem Himmel angegriffen fühlte… er warf einen irritierten Blick an dem aufgebrachten Racheengel vorbei… aber als er etwas sagen wollte, ließ sie ihn gar nicht zu Wort kommen.
„Ich würde Ihnen jetzt gern mit richtig deftigen Worten sagen, was ich von solchen Methoden halte, mit denen Sie arbeiten, Herr Weber! Von Ihnen, und von Ihren falschen Versprechungen über Beförderungen und einer Teilhaberschaft!“ knirschte die junge Frau. „Aber das sind Sie mir gar nicht wert! Ich fühle mich so enttäuscht von Ihnen, wie ich das nie für möglich gehalten hätte! Nur damit Sie es wissen – in Zukunft können Sie ganz auf meine Mitarbeit verzichten! Ich kündige nämlich – fristlos!“
So… das hatte sie ihm jetzt prächtig unter die Nase geknallt!
„Das können Sie nicht machen, Frau Wittke! Nicht so kurz vor Weihnachten… wir…“
Helenas bebendes Kinn hob sich noch um ein paar Zentimeter, dann wirbelte sie um die eigene Achse und machte sich daran, ebenso schnell wieder aus dem Allerheiligsten zu stürmen – als sie mitten in der Bewegung stockte.
Der alte Weber war nicht alleine gewesen… deshalb hatte Gloria sie nicht vorlassen wollen.
Ihr funkelnder Blick glitt über die Gestalt des Besuchers, der kühl und reglos im Schatten der von ihr aufgestoßenen Tür stand. Der typische Geschäftsmann… elegant, kühl… und auf sehr attraktive Art arrogant wirkend.
Reglos musterte er sie… von oben bis unten, wie ihr schien… und dann hatte sie sich wieder gefangen. Weil sie gerade so in Fahrt war, schoß sie noch einen wütenden Blick in seine hellen, klaren Augen – und dann stürzte sie hinaus.

Leise schloß der Besucher die Tür hinter ihr, dann wandte er sich mit einem schmalen Lächeln an Weber.
„War sie das?“
„Ja… die stolze Helena, wie sie leibt und lebt!“ Weber schnaufte durch die Nase. „Sie ist verdammt wütend, weil sie die Stelle nicht bekommen hat – sie hätte ihr wirklich zugestanden! Ich hab ihr die Position meiner Stellvertreterin wirklich wie einen Köder vor die Nase gehalten, wenn sie mir den einen oder anderen Auftrag besorgen sollte…“
„Das mag sein!“ Ungeniert lümmelte sich der Besucher in einem der bequemen Ledersessel und zündete sich dann eine Zigarette an. „Aber was sie verdient und was nicht, ist in Zukunft meine Entscheidung. Die Firma gehört nun mir… und ich kann mit dem Personal machen, was ich will!“
„Sicher… die Weber-Werke sind in Ihren Besitz über gegangen, Stocker!“ mokierte sich der alte Boss. „Aber das heißt noch lange nicht, dass mein Personal in ihre Leibeigenschaft verkauft worden ist!“ Er nickte Richtung Tür. „Die Wittke ist eine der besten, die sie in unserer Branche bekommen können… es ist nicht gut, sie einfach gehen zu lassen – auch wenn sie ein höllisches Temperament hat! Die Hälfte aller Aufträge hatten wir alleine ihrem Können – und ihrem Engagement zu verdanken! Die Kunden mögen sie…“
„Lassen Sie die Wittke nur mal meine Sorge sein!“ knurrte der neue Eigentümer der We-We. „Ich werde schon dafür sorgen, dass sie die Kündigung zurückzieht… schließlich habe ich meine eigenen – gänzlich anderen Pläne mit ihr!“ Ein unheilvoller Funke klomm in den eisklaren Augen auf. „Wieso nennen Sie sie eigentlich die „stolze Helena?“
Weber stieß ein meckerndes Lachen aus.
„Nun… weil diesen Leckerbissen von Frau ein Panzer umgibt, der so dick ist, wie die Eiskappen am Südpol. Ich habe oft beobachtet, wie sie angemacht wurde… immer und immer wieder – von Mitarbeitern, Kunden, Konkurrenten und völlig Fremden auf den Messen und Präsentationen… keine Chance. Je mehr sie um sie herum scharwenzelten, desto kühler und abweisender wurde sie. Ich glaube, sie mag keine Männer…“ Eine kleine Pause, er dachte nach. „Sie ist die typische moderne Karrierefrau. Müßte ich sie charakterisieren, würde ich sagen, sie ist selbstbewußt, steht mit beiden Beinen fest im Leben – und verläßt sich auf niemand, außer sich selbst. Für ihre dreißig Jahre ist sie auch ganz schön arrogant. Das höllische Temperament haben Sie gerade live miterlebt. Und was die Männer angeht… Nun – sie hat jeden auflaufen lassen und wurde immer sarkastischer dabei. Ich habe kein einziges Mal erlebt, dass sie zu einem ihrer Verehrer entgegenkommend war…“
„Sie selbst auch?“ wurde er beiläufig gefragt.
Der Alte verzog den Mund. „Nein… absichtlich nicht – so kam ich nie in die Position, mir eine Abfuhr einzuhandeln… Sie verstehen? Das wäre schlecht fürs Geschäft und für die Zusammenarbeit gewesen…“
Stockers Mundwinkel zuckten spöttisch. „Eine weise Entscheidung… und jetzt lassen Sie uns konkret werden!“
Er setzte sich auf und drückte die Zigarette im Ascher aus.
„Sorgen Sie dafür, dass die Wittke Freitag diese Woche um Punkt 20 Uhr hier in diesem Büro ist… wie, das ist mir egal! Den Rest werde dann ich übernehmen. Das wird Ihre letzte Handlung als Chef dieser Firma sein… haben wir uns verstanden?“
Ja… Weber nickte… er hatte bereits angefangen, seinen Schreibtisch auszuräumen. Spätestens in zwei Tagen würde nichts mehr hier an die vergangenen vierzig Jahre erinnern…
Nur kurz fragte er sich, was Stocker mit der Wittke vorhatte… das gewisse Lächeln des Mannes gefiel ihm nicht so recht. Aber dann sagte er sich, dass ihn das auch nichts mehr anginge.
Helena wußte sich schon zu helfen… sein Nachfolger würde kein leichtes Spiel mit ihr haben.

Die Tage vergingen… wie angekündigt, begann Helena damit, ihr Büro zu räumen. Weber hatte keinerlei Versuch unternommen, ihre Kündigung anzufechten, als sie diese in schriftlicher Form bei Gloria abgab… und dies bestätigte sie nur in ihrem Vorhaben.
Sie war so in ihre eigenen Probleme verstrickt und mit ihrer Wut beschäftigt, dass ihr gar nicht auffiel, wie sich ihre Umgebung benahm. Die Stimmung war ungewohnt gedämpft – was gerade in der Vorweihnachtswoche sonst gerade das Gegenteil war. Sie bemerkte nicht, dass die alte Gloria verschwand, dass an ihrer Stelle eine neue Empfangssekretärin saß. Die bedrückten Gesichter der Mitarbeiter fielen ihr auch nicht auf… und so wurde sie auch nicht stutzig, als ihr ein ziemlich schweigsamer und bedrückter Bürobote eine kurze Notiz von Weber überbrachte, in der er sie für Freitag in sein Büro bestellte. Warum, stand nicht dabei.
Grübelnd sah sie aus dem Fenster… starrte blind ins Weite. Dann zuckte sie die Schultern. Nun denn… wahrscheinlich wollte Weber ihr ihre Papiere und die Zeugnisse persönlich überreichen – das war das Mindeste, was sie nach über zehn Jahren in dieser Firma von ihm erwarten konnte!

Der Freitag verging ätzend langsam für die junge Frau. Am nächsten Tag würde Heiligabend sein. Sie saß in ihrem nun sehr nackten Büro – es war bereits alles ausgeräumt und keinerlei persönliche Gegenstände befanden sich mehr darin – und drehte quasi Däumchen. Ließ sich von der dezent getunten Weihnachtsmusik betüdeln, die aus den versteckt angebrachten Boxen tönte… Gelangweilt lümmelte sie sich auf dem Drehstuhl… die langen, schlanken Beine undamenhaft auf dem Schreibtisch überschlagen… die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Und starrte auf den kleinen, künstlichen Weihnachtsbaum auf ihrem Schreibtisch.
Seltsam. Auch sie fühlte nichts in sich, was auf Weihnachtsstimmung schließen ließ.
Die anderen Mitarbeiter waren bereits lange nach Hause gegangen – Freitags machte man im Büro hier immer um vierzehn Uhr Schluß… und heute war ihr letzter Tag. Man hatte eine kleine Abschiedsfeier für sie gegeben… mit Sekt und Kuchen und einem kleinen Geschenk. Und heute war ihr zum ersten Mal die Stimmung in der Firma bewußt geworden. Man hatte von einer Übernahme durch einen Großindustriellen gemunkelt, der die We-We einfach geschluckt hatte und nun alle Fäden in der Hand hielt. Zwanzig Prozent der Mitarbeiter war gekündigt worden – ohne Vorwarnung.
Der alten Gloria, dem Vorzimmerdrachen, heulte sie persönlich keine Träne nach – die war immer eifersüchtig gewesen und hatte ihr das Leben schwer gemacht, wo sie nur konnte… aber unter den Gekündigten waren ein paar ihrer Freunde gewesen.
Ob das mit der neuen Geschäftsleitung stimmte?
Ihre Gedanken stockten… ihr fiel der Fremde in Webers Büro ein, am Tag ihrer Kündigung.
Seiner ganzen Ausstrahlung nach mochte das der neue Besitzer gewesen sein… Je länger sie darüber nachdachte, um so wahrscheinlicher kam ihr dies vor – und dann setzte sie sich ruckartig auf. Jetzt wußte sie auch, warum sie die Beförderung nicht erhalten hatte. Sie paßte anscheinend selber auch nicht in die Geschäftspolitik der neuen Firmenleitung hinein! Überhaupt – was war das für eine Geschäftsleitung, die es über sich brachte, den Angestellten eine Woche vor Weihnachten fristlos zu kündigen?
Ein schneller Blick auf die Uhr… zehn vor Acht… es wurde Zeit, dass sie sich auf den Weg machte…

Das Gebäude war menschenleer. Das Klicken ihrer dünnen Absätze hallte in dem langen Korridor wider, der zum Aufzug führte. Warum Weber sie wohl so spät noch sehen wollte? Es war doch eigentlich alles gesagt worden…
Irgendwie fühlte sie sich unbehaglich. Weshalb, wußte sie nicht – aber sie hatte ein seltsames Gefühl banger Vorahnung. Sie fröstelte und schlang die Arme um sich, während sie auf den Lift wartete und betrat dann die Kabine. Zögernd drückte sie den Knopf für die oberste Etage – da, wo sich die Geschäftsleitung befand… in dem Stockwerk, in dem sie ihr zukünftiges Büro gesehen hatte… in ihren Zukunftsträumen, die allesamt so rosig gewesen waren!
Im Spiegel, der die Kabine räumlich größer wirken ließ, kontrollierte sie noch einmal ihre Erscheinung. Zum Abschluß wollte sie nur den allerbesten Eindruck auf Weber machen. Aber das auf Figur geschnittene Kostüm saß perfekt – ebenso wie die Ziernähte ihrer Strümpfe. Das Leder der hochhackigen Pumps war makellos. Keine Locke ihrer langen, schwarzen Haare hatte sich selbständig gemacht… und das dezente Make-up ließ ihre braunen Augen nur noch sanfter und wirkungsvoller erscheinen.
Nein… sie sah gut aus – und trotz ihrer geringen Größe von knapp Einssechzig sah sie sehr fraulich – und von Kopf bis Fuß nach Karrierefrau aus!

Ihre Schritte waren sehr langsam, als sie sich dem Vorzimmer zum Allerheiligsten näherte. Die Tür stand offen. Ein zögerlicher Blick hinein… der Raum war nicht leer.
„Hallo… ich werde erwartet!“ sprach sie dann die neue Empfangsdame an – in einem schüchternen, leisen Ton, der ihrer forschen Art eigentlich so ganz und gar nicht entsprach.
Die groß gewachsene, überschlanke Blondine wandte sich zu ihr um und schätzte sie mit einem kühlen Blick blitzschnell ab, dann nickte sie. „Helena Wittke?“
„Ja…“ Helena hatte sich wieder gefangen. „Ich habe für zwanzig Uhr einen Termin!“
„Ist mir bekannt!“ erwiderte die neue Sekretärin und näherte sich der Tür. „Kommen Sie herein!“
Noch immer zögernd trat Helena einen weiteren Schritt in das Vorzimmer – und zuckte dann sichtlich zusammen, denn die Neue warf die Tür hinter ihr zu und drehte dann vernehmlich den Schlüssel im Schloß.
„Was soll das?“ schnappte sie nach Luft.
Das kühle Lächeln wich der Blonden nicht aus dem Gesicht.
„Machen Sie sich keine Hoffnung, Schätzchen!“ höhnte sie. „Sie verlassen diesen Raum erst wieder, wenn wir mit Ihnen fertig sind!“
„Wie… wie darf ich das verstehen?“ Unwillkürlich fuhr ihre Hand an die Kehle, umfaßte sie. Das Herz schlug ihr wie wild in der Brust. Wohin war sie hier geraten? Es schien, als wäre die neue Chefsekretärin nicht ganz bei Verstand!
„Das werden Sie noch früh genug verstehen!“ kam der knappe Kommentar der Blonden, während sie mit großen, forschen Schritten um Helena herumging und jeden Zentimeter ihrer zierlichen Gestalt abschätzte. Dabei knirschte das schwarze Leder ihrer Hose leise… und Helena kam der Gedanke, was für eine seltsame Aufmachung das überhaupt für eine Vorzimmertipse war. Eigentlich sah sie eher wie eine Rockerbraut aus… oder wie eine Domina, denn sie hatte sich die hellblonden Haare straff aus dem Gesicht gebunden und die Augen extrem dick mit schwarzem Kajal umrandet. Selbst der rote Lippenstift war so dunkel, dass er fast schwarz wirkte.
Der Gedanke hätte sie unter anderen Umständen ziemlich belustigt – gestand Helena sich ein. Aber dieser Situation fühlte sie sich nicht so recht gewachsen.
„Ich glaube… ich glaube, ich sollte jetzt zu Herrn Weber gehen – er wartet sicher schon auf mich!“ krächzte sie mit versagender Stimme.
Ihr Gegenüber lachte freudlos.
„Nein – Herr Weber ist nicht im Haus!“ Ein weiterer, kühler Blick. „Aber Herr Stocker erwartet sie bereits… Sie sollten sich nicht noch mehr verspäten – das schätzt er nämlich ganz und gar nicht!“
Helena zuckte zusammen. Stocker? War das der neue Firmenbesitzer? Was wollte der denn von ihr? Sie hatte doch mit dem alten Weber einen Termin gehabt… aber die Blonde ließ ihr keine Zeit für lange Überlegungen. Mit einem immer noch kalten Lächeln öffnete sie ihr die Tür ins Allerheiligste und winkte sie hinein.
Als die junge Frau an ihr vorbeiging, wisperte sie: „Viel Glück beim Boss… Sie werden es brauchen, Schätzchen!“ Und dann gab sie ihr einen Stoß in den Rücken, der sie mitten ins Büro hinein katapultierte und drückte geräuschlos die Tür hinter ihr zu.

Fassunglos wirbelte Helena zu der Tür herum – starrte das matt polierte Holz an… war verwirrter denn je. Dann hörte sie hinter sich ein Räuspern. Langsam drehte sie sich um.
„Schön, dass Sie sich endlich dazu herablassen, bei mir aufzutauchen!“ wurde sie angesprochen. „Sie sind zehn Minuten zu spät dran!“
Hörbar schluckte sie. Starrte den Mann an, der an Webers Schreibtisch saß, als hätte er alles Recht der Welt dazu. Das war also Stocker. Der neue Besitzer der We-We…
Es war tatsächlich der fremde Besucher von damals…
Irgendwie hatte sie das geahnt!
Helenas Gestalt straffte sich. Äußerlich unbewegt erwiderte sie die strenge Musterung des Mannes.
„Das liegt an Ihrem Drachen da draußen… der hat mich extra aufgehalten!“ „Entschuldigungen werden nicht angenommen!“ kam der knappe Kommentar auf die Erklärung. „Sie mindern auch nicht das Strafmaß!“
„Strafmaß?“ Sie konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme quietschte… dann hatte sie sich gefangen und lachte lauthals los. „Oh du meine Güte – wo bin ich denn nur hingeraten?“
„Das werden Sie schnell genug merken, Frau Wittke!“ Stocker verzog keine Miene. „Setzen Sie sich!“ Er deutete auf den Ledersessel, der dem Schreibtisch gegenüberstand. „Ich habe mit Ihnen zu reden?“
Geschmeidig setzte sie sich und schlug die Beine übereinander.
„Worüber denn? Ich habe gekündigt… es ist alles gesagt worden!“
„Der Meinung bin ich nicht!“ Die eisig glitzernden, grauen Augen funkelten sie an. „Die We-We werden auch in Zukunft nicht auf Ihre Mitarbeit verzichten können…“
„Das ist Pech für Sie!“ Helena erwiderte den Blick ungerührt. So leicht ließ sie sich nicht einschüchtern – und dass er das versuchte, war ihr klar. „Aber wie ich hörte, ist auch unter Ihrer Geschäftsführung die Position des Stellvertretenden bereits vergeben… was bedeutet, dass ich meine Zelte hier abbrechen werde…“
„Das werden Sie nicht…“ Fast sanft kam diese Erwiderung. „Sie werden es sich noch einmal überlegen – dessen bin ich mir sicher!“
„Nein, das werde ich nicht!“ Sie fühlte, wie sie Oberwasser bekam – wieder hob sich ihr Kinn arrogant. „Dessen bin ich mir sicher!“ grinste sie. Dann setzte sie sich auf. „Also – was wollen Sie nun konkret von mir? Machen Sie mir Ihr Angebot, damit ich es ablehnen kann. Es ist Freitag Abend, morgen ist Weihnachten… ich würde gerne nach Hause gehen und die We-We endgültig hinter mir lassen…“
Stocker lehnte sich zurück. Der Ausdruck seiner hellen Augen war plötzlich undurchdringbar geworden. Seine Miene nichtssagend. Keines seiner Gefühle ließ sich mehr von seinem Gesicht ablesen.
„Sie vergreifen sich etwas im  Ton… Helena…“ sagte er ruhig.
„Für Sie bin und bleibe ich Frau Wittke!“ mokierte sich Helena und beugte sich mit einem herablassenden Lachen vor – im nächsten Moment grub sich etwas beißend quer über ihre Schulterblätter und sie schrie vor Schmerz und vor Überraschung auf. Instinktiv sprang sie auf die Beine, wirbelte herum – und sah sich der grimmig dreinblickenden Blonden aus dem Vorzimmer gegenüber. Gerade bog sie mit hämischen Grinsen eine schwarze Ledergerte in den Händen.
„Sind Sie verrückt geworden?“ fuhr Helena auf, während sie mit den Fingern über die brennende Schulter rieb und sich fragte, wie dieser Drachen unbemerkt in das Büro treten hatte können. Zum Glück hatte der Stoff ihres schwarzen Kostüms den Hieb ziemlich gedämpft.
„Ich dulde nicht, dass Sie den Herrn in diesem frechen Ton ansprechen!“ knurrte die Blonde.
„Scheren Sie sich doch zum Teufel!“ fauchte die junge Frau und funkelte sie wütend an. „Dafür könnte ich Sie anzeigen!“
„Das glaube ich nicht!“ Die Blonde suchte Stockers Blick. Der nickte nur.
„Ist gut, Nora… warte draußen, bis ich dich rufe!“

Als sie wieder alleine waren, wartete er, bis Helena ihn wieder ansah… dann runzelte er streng die Stirn. „Werden Sie jetzt kooperativ sein?“
Zögernd setzte sie sich wieder in den Sessel – mittlerweile hatte sie das Gefühl, in einen recht bizarren Albtraum geraten zu sein… aus dem sie hoffentlich bald wieder aufwachte!
„Was ist, wenn nicht? Lassen Sie dann wieder Ihre Verrückte auf mich los?“ fragte sie vorsichtig. Ihre Stimme wollte ihr immer noch nicht so recht gehorchen.
„Im Normalfall nicht!“ Sein Lächeln war mehr ein Zähnefletschen. „Nicht, wenn es nicht nötig ist!“
„Ich habe für Ihre Art Humor leider nichts übrig, Herr Stocker!“ schnaubte Helena indigniert. „Ich verstehe nicht, was Sie damit bezwecken… aber was es auch ist, es ist mir egal! Ich werde jetzt nämlich gehen! Unser Gespräch betrachte ich als beendet… über den Angriff Ihrer Verrückten werde ich ausnahmsweise hinwegsehen…“
Noch während sie sprach, stand sie langsam auf und ging zur Tür. „Auf Wiedersehen…“
Ihre Finger schlossen sich gerade um die Türklinke, als sie ein leises Geräusch hinter sich hörte – und dann schob sich ein Arm an ihr vorbei und eine Männerhand drückte die Tür wieder zu.
„Ich habe Ihnen nicht erlaubt zu gehen!“ wisperte Stocker – so dicht an ihrem Ohr, dass sie unwillkürlich fröstelte.
„Ich habe Sie auch nicht um Erlaubnis gebeten!“ zischte sie und starrte ihn empört von der Seite her an. „Lassen Sie mich hinaus!“
„Sie werden es schon noch lernen, Helena…“ Wieder dieses sanfte Timbre in der tiefen Männerstimme, das sie in ihrem tiefsten Inneren erschaudern ließ – das ihr aber auch gefährlicher als lautes Schreien vorkam.
Gegen ihren Willen reagierte sie darauf. Sie hielt den Atem an und fragte neugierig:
„Was werde ich lernen?“
„Mich um Erlaubnis bitten!“
Ruckartig fuhr sie zu ihm herum. „Ganz sicher nicht!“
Er bewegte sich keinen Millimeter von der Stelle – was bewirkte, dass sie fast gegen seine Brust geprallt wäre. Nun mußte sie den Kopf weit in den Nacken beugen, wenn sie ihm in die Augen schauen wollte. Und das wollte sie.
Sie war wütend. Temperamentvoll stampfte sie mit einem Fuß auf.
„Treten Sie sofort einen Schritt zurück! Ich werde jetzt gehen…“
Amüsiert schüttelte er den Kopf und schaute auf sie hinab.
„Weber meinte, Sie haben ein höllisches Temperament – das kann ich wirklich nur bestätigen, Helena!“ schmunzelte er – und dann wurde er plötzlich ernst. Seine Hand glitt von der Tür und legte sich schwer auf ihre Schulter. „Aber das nützt Ihnen nichts… ich bin Ihnen überlegen!“
„Sie sind gar nichts!“ brummte sie patzig und wich zurück, bis sie sich flach gegen das Holz der Tür preßte und seine Finger von ihrer Schulter rutschten. „Verrückt sind Sie, das ist alles! Wenn Sie mich jetzt nicht endlich gehen lassen, werde ich laut schreien!“
„Schreien Sie nur… außer Nora und mir wird niemand Sie hören! Also sparen Sie sich den Atem… Sie werden ihn später noch dringend nötig brauchen!“
Diese Worte ließen sie erneut stutzen. „Was soll denn das nun wieder heißen?“
Wieder wechselte seine Stimmung von einer Sekunde auf die andere… keine Belustigung zeigte sich mehr in seinem Gesicht. Nun wirkte er wieder streng und unnahbar.
„Kommen Sie jetzt, Helena – Schluss mit den Spielen! Konzentrieren wir uns endlich auf das Wesentliche…“
„Und das wäre?“ Fast gegen ihren Willen kam ihr diese Frage über die Lippen.
Tief bohrte sich der Blick seiner eisgrauen Augen in die ihrigen. „Ihre Unterwerfung…“
Ihr Atem stockte… sie ließ dieses Wort in sich einwirken. Gestattete sich sekundenlang diese überraschende, so unerwartet auftretenden Kribbeln in ihrem Magen. Dann schüttelte sie den Kopf und schnaubte. „Mir reicht es jetzt! Ich gehe! Ich höre mir diese unverschämten Verrücktheiten nicht mehr länger an!“ Die Wut verlieh ihr ungeahnte Kräfte… ansatzlos stieß sie ihre Hände gegen seine Brust, so dass er zurücktaumelte – und schon hatte sie die Tür aufgerissen und stürmte hinaus.
Hinter sich hörte sie sein Knurren. „Nora!“ Aber da war sie schon an der Tür des Vorzimmers und drehte am Schlüssel… bereit, die verrückte Szene hinter sich zu lassen. Doch in der nächsten Sekunde wurde sie grob zurück gerissen und in den Raum zurück katapultiert.
Mit einem wilden Aufschrei versuchte sie, sich der Blonden zu erwehren… aber diese Nora lachte nur amüsiert und dann ergriff sie überraschend kräftig Helenas Arm und drehte ihn ihr gnadenlos auf den Rücken… bis diese mit einem schmerzvollen Wimmern den Kampf aufgab.
Der Druck auf ihr Schultergelenk wurde immer stärker und stärker… Helena mußte ihm nachgeben und sank mit einem Stöhnen in die Knie. Sofort wurde der Griff der Blonden lockerer, der Schmerz ließ nach.
Fassungslos senkte die junge Frau den Kopf, krümmte sich. Verstand die Welt nicht mehr.

„So ist es gut, Nora… laß sie knien… die Widerspenstige…“ knurrte Stocker, während er sich langsam vor den beiden Frauen aufbaute.
„Soll ich sie für Sie bestrafen, Herr?“ biederte sich die Blonde eifrig an.
„Nein… laß es gut sein! Du kommst schon noch zum Zug… später….“ Er lächelte sie an, dann wandte er sich an Helena. „Das war sehr dumm von dir…“
„Das sehe ich anders!“ knirschte die Angesprochene atemlos. Noch immer war sie perplex über die Mühelosigkeit, mit der die Blonde sie überwältigt hatte. Von unten her funkelte sie aufgebracht zu ihm hoch. „Sie werden es schon noch bereuen, dass sie so mit mir umspringen! Was glauben Sie denn, wer wir sind!“
Stocker lachte… ihre wütend gezischten Worte schienen ihn köstlich zu amüsieren.
„Ich weiß, wer und was ich bin!“ grinste er. „Ich bin nämlich derjenige, zu dessen Füßen du kniest, kleine Helena… ich bin derjenige, der dir in Zukunft sagen wird, wo es lang geht – was du zu tun und was du zu lassen hast!“ Als sie nur schnaubte, sprach er weiter. „Und du bist diejenige, die brav gehorchen wird… die mir dienen und mir zur Verfügung stehen wird. Du bist jetzt mein Eigentum, Helena… mein Besitz… und du wirst sehr bald dankbar dafür sein, dass du das alles sein darfst… und kannst!“
„Ich wiederhole mich nur ungern!“ knirschte sie. „Aber Sie sind verrückt… alle beide!“
„Es ist verrückt von dir, dich deiner Bestimmung noch länger zu widersetzen!“ seufzte Stocker. „Ich habe auf den ersten Blick erkannt, wer du bist und was in dir steckt… jetzt braucht es nur ein bißchen Nachhilfe, um dir das auch selber bewußt zu machen!“
Er nickte Nora zu. „Laß sie aufstehen!“
Sofort zog die Blonde sie mit einem kräftigen Griff auf die Beine – aber als Helena sich befreien wollte, schüttelte sie sie kurz durch – eine kleine Warnung, das sein zu lassen. Da sie merkte, dass das aussichtslos war, konzentrierte sie ihre Aufmerksamkeit auf den Mann, der vor ihr stand.
Stocker hatte gewartet, bis sie seinen Blick suchte. Er ignorierte ihren empörten Trotz und schaute sie nur streng an. „Ich werde dich jetzt mustern!“
„Gehen Sie doch zum Teufel! Da passen Sie gut hin…“ zischte sie stur.
Ein feines Lächeln umspielte seine schmalen Lippen.
„Du wirst dich später einmal sehr über diesen nutzlosen Widerstand von deiner Seite her amüsieren… das verspreche ich dir!“ sagte er leise – dann nickte er Nora erneut zu. Sofort fing diese an, Helena auszuziehen… alles mit einer Hand, so dass sie überhaupt keine Chance hatte, sich dagegen zu wehren. Schon wurde ihr die Kostümjacke über die Schultern gezogen… die dünne, rubinrote Seidenbluse folgte… dann der Rock.
Helena erschauderte, als der Stoff ihre langen Beine entlang glitt und sich um ihre Füße bauschte.
Hilflos fühlte sie sich den Blicken der beiden ausgesetzt – nur mehr mit ihrer Unterwäsche bekleidet. Und die schwarze, zarte Spitze verbarg nicht mehr viel vor ihren Augen. Verlegen wich sie seinem funkelnden Blick aus.
„Du gefällst mir immer besser, kleine Helena!“ sagte er, mit so leiser, sanfter Stimme, dass es fast ein Schnurren war. Aber diesmal verbot sie es sich energisch, auf diesen Tonfall zu reagieren. „Ziehst du den Rest selber aus – freiwillig – oder soll ich das auch Nora befehlen?“
Ihr Kopf hob sich. Sie schluckte. Dann entschied sie sich dafür, einen Rest von Selbstachtung zu behalten. „Ich mache es selbst!“ wisperte sie.
„Sehr gut!“ Er lächelte maliziös. „Ich habe das nicht anders von dir erwartet!“
Ein Wink – Nora entließ sie aus ihrem Griff und sie war frei. Geistesabwesend rieb sie sich die malträtierten Handgelenke.
„Folge mir!“
Langsam ging sie hinter ihm her, als er in sein eigenes Büro zurückkehrte… und sie gestand es sich nur ungern ein, aber sie war erleichtert, als er die Tür wieder energisch schloß und er die Blondine damit aussperrte.
Ihre Gedanken rasten, während sie beobachtete, wie er den Schreibtisch umkreiste und es sich in seinem Ledersessel gemütlich machte. Fieberhaft suchte sie nach einer Möglichkeit, die untragbare Situation zu ihren Gunsten zu beeinflussen – oder ganz abzubrechen – aber so sehr sie auch überlegte, ihr fiel einfach nichts ein.
Nicht in ihren schlimmsten Albträumen hätte sie sich so eine Situation ausmalen können. Sie, in der Gewalt eines Verrückten…

Stocker riß sie aus ihren Gedanken.
„Was ist los – träumst du? Ich habe gesagt, du sollst dich ganz ausziehen!“
Flehend schaute sie ihn an… ihre Zungenspitze zuckte fahrig über die trockene Unterlippe, dann seufzte sie. „Bitte… können wir nicht noch mal darüber reden? Ich verstehe nicht, was Sie von mir wollen!“
„Rede ich so unverständlich?“ brummte der Mann gereizt. „Ich habe gesagt, dass ich dich nackt will!“ Eine dunkle Augenbraue hob sich arrogant. „Wenn es dir allerdings lieber ist, kann ich gerne Nora zu uns hereinbitten!“
Sie zuckte zurück. Nein… das wollte sie nicht…
Tief durchatmend starrte sie über seine Schulter hinweg, zu dem großen glitzernden Weihnachtsbaum in der Ecke des Raumes. Nahm ihren ganzen Mut zusammen.
Mit zitternden Fingern griff sie sich in den Rücken, öffnete die Häkchen des Büstenhalters und schob ihn sich dann zögernd von den Brüsten. Ließ ihn zu Boden fallen.
Wieder suchte sie Stockers Blick.
Der nahm sie sehr genau in Augenschein – in seinem Blick blitzte es auf. Ein Frösteln jagte über ihre Haut… und als sie spürte, wie sich ihre Brustwarzen unter diesem Blick verhärteten, wünschte sie sich verzweifelt, sie könne im Boden versinken.
Aber er schwieg.
Das machte es für sie leichter. Irgendwie. Auch wenn es die Scham kaum milderte.
Mit einem tiefen Durchatmen schlüpfte sie aus den Pumps, hakte dann die Strümpfe aus und rollte sie sich langsam über die Beine nach unten… dann entledigte sie sich des Strapses und des knappen, kaum das Nötigste bedeckenden Stringtangas.
Und war nackt.
Mit aller Macht kämpfte sie gegen das Verlangen in sich an, mit ihren Händen die Blößen zu verdecken… unterdrückte das Zittern. Stellte sich seinem Blick. Starr sah sie ihm ins Gesicht.
„Sind Sie zufrieden?“ Ihre Stimme war nur ein Krächzen. Aber die Worte überdeutlich provokant. Er quittierte sie mit einem Grinsen, gab aber keine Antwort.
„Drehe dich für mich!“ sagte er statt dessen.
Sie gehorchte. Langsam drehte sie sich um sich selbst. Präsentierte sich von allen Seiten.
Er ließ sie nicht aus den Augen.
„Die Haare… ich will sie offen!“ kam die nächste Aufforderung.
Wenig später fielen ihr die dichten, schwarzen Locken ungebändigt über Rücken und Brüste und bedeckten sie wie ein seidenweicher Umhang. Sie wußte, welchen aufregenden Kontrast das zu ihrer ungewöhnlich hellen Haut bildete… wie aufreizend und erotisch das ausschaute. Männer hatten ihr das immer wieder erzählt! Ein herausfordernder, selbstbewußter Blick traf ihn – sie konnte ihn sich einfach nicht verkneifen. Reagierte er auf ihren Anblick? Das mußte er doch, wo er sie hatte nackt sehen wollen.
Aber es schien, als pralle ihre Schönheit an ihm ab.
„Sehr schön…“ mokierte er sich, fast gelangweilt wirkend. „… für den Anfang!“
„Was heißt das?“ fuhr sie irritiert auf – das Schlimmste befürchtend.
Aber er ignorierte sie. „Komm her!“

Zögernd machte sie einen Schritt in seine Richtung. Zu dem zweiten mußte sie sich regelrecht zwingen. Zum dritten fehlte ihr einfach jede Kraft. Ihre Nerven versagten. „Bitte… bitte – hören Sie doch endlich auf! Ich will gehen!“ stöhnte sie. „Ich kann das nicht!“
Das Lächeln verflog. Kühl wurde sein Blick, eindringlich und starr.
„Helena!“ sagte er sehr leise… und so grimmig, dass sie das Zittern nicht mehr zurückhalten konnte. „Helena – ich sage es dir nur noch ein einziges mal: ich erwarte bedingungslosen Gehorsam von dir! Oder du wirst es bereuen!“
Er wartete, bis sie den Sinn dieser Worte verstanden hatte. Dann wiederholte er seinen Befehl.
„Komm her!“
Ein leises, tonloses Stöhnen war ihre einzige Reaktion.
„Sofort!“ knurrte er.
Wie in Zeitlupe setzte sie sich in Bewegung. Die Beine trugen sie kaum, als sie zu ihm hinging. Dann neben dem Schreibtisch stehen blieb.
Er nickte nur – schwenkte mit seinem Drehsessel herum und winkte sie mit einem Finger heran.
„Komm hierher… ich will dich ganz nahe bei mir haben!“
Sie hatte dem Feuer seines Blickes nichts mehr entgegenzusetzen. Zitternd setzte sie Fuß vor Fuß, bis sie gegen seine Knie stieß und genau an der Stelle stand, an die er sie befohlen hatte. Als sie ihn berührte, erschauderte sie erneut so tief, dass ihr der Atem stockte. Mühsam schluckte sie, schnappte nach Luft. Schwankte. Plötzlich rauschte ihr das Blut so sehr in den Ohren, dass sie Angst hatte, in Ohnmacht zu fallen.
Beiläufig registrierte er ihren Zustand… verbuchte ihn wohlgefällig. Er hatte sie in dem Zustand, in dem er sie hatte haben wollen. Momentan war kein Funke Widerstand in ihr. Und wenn es nach ihm ginge, würde sie auch noch sehr lange in diesem gewissen Zustand verweilen…

Stocker fühlte die Erregung, die ihm das Blut erhitzte. Wenn sie gewußt hätte, wie sehr ihr derzeitiger Anblick ihn stimulierte, wäre sicher gleich wieder die altbekannte Arroganz in ihr in den Vordergrund getreten. So aber zitterte sie und hatte Angst vor ihm. Sie wich seinen Blicken aus… fürchtete seine nächsten Aktionen – und wußte überhaupt nicht, was sie erwarten würde.
Ihm war bewußt, daß er kein faires Spiel mit ihr spielte. Ohne Vorwarnung hatte er sie diesem Tornado an Gefühlen ausgesetzt… sie einer Situation gegenüber gestellt, die ihr völlig fremd war.
Aber er war sich seines Sieges über sie sicher. Sie zögerte. Wehrte sich. Aber nicht gegen ihn. Das spürte er. Was sie zurückhielt, sich völlig fallen zu lassen, waren nur Scham und Ängste. Vorhin, da hatte ihm ihr Erschaudern und ihr Zittern gezeigt, dass sie bereit war zu reagieren. Sie war bereit für ihn… und für das, was er von ihr erwartete.
Er würde sie nicht enttäuschen… sie ihrer Bestimmung zuführen… einer Bestimmung, von der sie jetzt noch nicht das Geringste ahnte… die ER aber auf den ersten Blick in ihr erkannt hatte! Er hatte sie gesehen und tief in seinem Inneren gewußt, wo ihr Weg sie hinführen würde…

Er ließ seinen Blick erneut wohlgefällig über sie gleiten… kleines, stolzes Geschöpf, dachte er bei sich. Du gehörst mir… schon sehr bald wirst du es wissen!
Geschmeidig stand er auf, trat dicht an sie heran. So nah, dass er sie fast berührte und um ein ganzes Stück überragte. Unwillkürlich hob sie den Kopf, starrte ihm ins Gesicht… in die klar glitzernden Augen. Er hörte ihr verunsichertes Schlucken… sah die Panik, die in den Tiefen ihres Blickes aufloderte… und entdeckte das Beben ihrer herrlich vollen Brüste, ausgelöst durch das heftige Schlagen ihres Herzens.
Und in Gedanken wiederholte er: „Ja… du gehörst mir!“

Helena entfuhr unwillkürlich ein leiser Schrei, als er plötzlich, ohne Vorwarnung, die Hände ausstreckte und ihre schmale Taille umfaßte – und dann fühlte sie sich hochgehoben. Mühelos, als wär‘ sie leicht wie eine Feder, setzte Stocker sie vor sich auf den Schreibtisch.
Ihr stockte der Atem… doch dann setzte er sich nur wieder hin und sein Blick verspottete sie überdeutlich.
„Er weiß es…“ durchfuhr der Gedanke sie. „Er weiß, dass er mir Angst macht – und er geniesst das auch noch!“
„So ist es tatsächlich!“ sagte er plötzlich.
Sie japste nach Luft. „Was?“ krächzte sie, kaum verständlich.
„Ich weiß, dass du Angst vor mir hast!“ lachte er.
Sekundenlang dachte sie daran, es einfach abzustreiten. Aber das wäre sinnlos gewesen… eine Lüge. Sogar eine mehr als offensichtliche Lüge.
Wieder bewegte er sich… rollte mit dem Drehstuhl bis dicht an die Schreibtischkante heran… so dicht an sie, dass er nun direkt zwischen ihren Schenkeln saß und sie gar nicht anders konnte, als die Beine für ihn zu spreizen, wollte sie nicht, dass sie von seiner Brust eingeklemmt wurden.
Ein leises Stöhnen kam über ihre Lippen… von einer Sekunde auf die andere fühlte sie sich ausgelieferter denn je. Fast wie eine tatsächliche Berührung fühlte sie seinen Blick nun genau auf ihrer Weiblichkeit. Scham brannte heiß in ihr… aber auch noch etwas anderes. Etwas, das sie am allerwenigsten erwartet hätte. Wieder war da dieses seltsame Kribbeln…
Sein erneutes Lachen jagte brennende Röte in ihre Wangen. Am liebsten hätte sie sich vor seinen Blicken verborgen… nur, sie wußte nicht wie.
„Nein, Helena!“ sagte er leise und verblüffte sie damit erneut aufs heftigste. „Du mußt nichts vor mir verbergen… und du brauchst dich vor mir auch nicht zu schämen… für nichts!“
Seine Worte sollten wohl beruhigend auf sie wirken. Aber sie waren es nicht. Nicht mehr länger in der Lage, sich dem Feuer seiner klaren Augen zu behaupten, senkte sie die Lider. Und riß sie im nächsten Augenblick wieder weit auf.
Er legte ihr die Hände flach auf die Knie, drückte sie noch weiter auseinander.
Instinktiv wehrte sie sich dagegen – versuchte, die Schenkel zusammenzukneifen. Aber dann gab sie dem Druck nach. Innerlich zitternd und fühlend, wie sich ihr Stolz empört aufbäumte.
„Lehn dich zurück… zeig dich mir!“ forderte er bestimmt. „Ich will bis in dein Innerstes sehen können…“
Wieder stöhnte sie unbehaglich. Doch kann kam sie seiner Aufforderung langsam nach, stützte ihren Oberkörper weit hinten auf dem großen Schreibtisch ab und lehnte sich zurück. Präsentierte sich ihm regelrecht – mit weit gespreizten Schenkeln, und aufklaffender Scham.
Noch immer lagen seine Hände auf ihren Knien. Sie fühlte sie – heiß und schwer. Dann glitten sie noch oben, sensibilisierten ihre Haut durch federleichtes Streicheln… legten sich schwer auf ihre weibliche Mitte, streichelten ihr dunkles Dreieck.
„Das gefällt mir weniger!“ brummte er knurrig… zupfte mit den Fingern an einer der schwarzen, weichen Locken. „Das muß weg!“
„Nein…“ wisperte Helena voller Panik. Warum, wußte sie eigentlich selber nicht so recht… und dann krümmte sie sich mit einem leisen Aufschrei, als er deftig an ihrem Busch zog.
„Keine Widerrede! Du willst mir doch schließlich gefallen!“
„Ganz sicher nicht!“ keuchte sie stur.
„Oh…. ganz sicher willst du mir gefallen!“ grinste Stocker, und schickte gleichzeitig seine Finger auf Wanderschaft. Er fühlte ihr unwillkürliches Zittern, als er das erste Mal in ihre heiße, feuchte Spalte eintauchte und sie leicht dehnte. „Denn du weißt, dass nicht nur deine Bestrafung in meiner Macht liegt… sondern auch die Belohnung!“ Sie wimmerte unterdrückt, als er begann, mit dem Daumen sanft das kleine, pochende Knöpfchen zu massieren… und ein Lächeln zog seinen Mund in die Breite. Sie merkte gar nicht, wie sehr sie auf ihn reagierte. Aber er spürte das Zusammenziehen ihrer Muskeln sehr wohl. Eng umschloß sie mit ihrer Grotte seine Finger… und die Feuchtigkeit perlte ihm in die Handfläche, so gierig war sie nach mehr.
„Sag mir, dass dir das gefällt!“ forderte er leise und verstärkte den Druck – stimulierte sie noch gezielter.
Trotzig schwieg sie. Nichts würde sie zugeben!
Er lachte – höchst belustigt. Begann, seine Hand vor und zurück zu bewegen… immer tiefer, immer schneller stieß er seine Finger in sie. Ihr selber fiel es gar nicht auf, wie sich ihr Becken hob… wie sie sich zittrig noch weiter für ihn öffnete… bis sie leise stöhnte und ihr Kopf in den Nacken sank.
Es gefiel ihr nicht, dass er die Macht hatte, sie zu erregen… das war ihr deutlich anzusehen. Es spiegelte sich in ihrem Gesicht wider… in der Linie des trotzigen Mundes… und in ihrem dunklen Blick.
„Komm, Helena… wehre dich nicht länger… gib dich mir hin! Gib den sinnlosen Kampf doch endlich auf… sag mir, dass es dir gefällt, was ich mit dir tue!“ umwarb seine tiefe Stimme sie mit einschmeichelnden Worten.

Helena drohte, sich in diesem Taumel zu verlieren. Ängstlich erkannte sie tief in ihrem Inneren den Wunsch, sich einfach fallen zu lassen… ganz egal, welche Konsequenzen dies für sie hätte. Sich einfach diesem Mann hingeben… seiner Lust, seiner Zärtlichkeit… seiner Kraft und seiner Macht… und ihrer eigenen Geilheit.
„Aber dann bin ich verloren!“
In der Sekunde, als sie dies erkannte, reagierte sie – ohne weiter darüber nachzudenken.
Alles in ihr schrie auf. „Nein!“
Sie war selber erstaunt, dass der Schrei in dem Büro widerhallte, dass sie ihn tatsächlich ausgestoßen hatte… und schon zog sie die Beine an und stieß ihm die Füsse vor die Brust.
„Lassen Sie mich in Ruhe! Ich will das nicht!“ fuhr sie auf… stieß sich an ihm ab und rutschte blitzschnell über die Schreibtischplatte nach hinten, wirbelte herum – bereit, bis ans andere Ende der Welt zu fliehen.
Weit kam sie nicht. Seine Arme schnellten vor, packten zu… und schon fühlte sie einen unerträglichen Zug an der Kopfhaut.
„Hiergeblieben!“ knirschte er zwischen zusammengebissenen Zähnen und begann, sie langsam aber sicher wieder über den Schreibtisch zurückzuziehen. Helena wehrte sich gegen seinen Griff… aber seine Finger hatten sich so unerbittlich fest in ihren Haarschopf gegraben, dass es keinen Ausweg gab.
Keuchend glitt sie über den Tisch zurück… ließ sich von ihm dirigieren, weil sie keine andere Wahl mehr hatte… und kniete schließlich wieder auf dem Boden, zwischen seinen Beinen.
Streng schaute er auf sie hinab… musterte ihr gerötetes Gesicht. Registrierte die Tränen in den Augen… den schmerzlich verzogenen Mund und schüttelte den Kopf.
„Ach Helena…“ seufzte er leise. „Was soll ich nur mit dir machen? Du erschwerst es dir doch nur selbst!“
Sie wußte darauf nichts zu sagen… sie kämpfte mit dem Schmerz, denn er hatte sie nicht losgelassen – und dem Wunsch, einfach alles zu tun, was er von ihr wollte, nur damit sie endlich gehen konnte. Aber immer noch wollte ihr Stolz dies einfach nicht zulassen.

Plötzlich seufzte er.
„Ich schätze, ich habe gar keine andere Wahl… man muß dich zu deinem Glück zwingen!“ murmelte er fast unhörbar, wie zu sich selbst. Und dann beugte er sich vor, drückte einen Knopf in der Sprechanlage.
„Nora… komm rüber – ich brauche dich!“
Schon öffnete sich die Tür zum Vorzimmer und die Blonde stand im Raum.
„Wie kann ich Ihnen helfen, Herr?“ fragte sie beflissen.
„Sie weigert sich immer noch, ihren Status als Sklavin anzuerkennen…“ knurrte Stocker. „Es bleibt mir gar nichts anderes übrig… ich muß deutlicher werden. Sie muß endlich begreifen…“
Er beendete den Satz nicht… aber Nora wußte auch so, was er meinte.
Sie nickte. „Ich werde alles vorbereiten!“ Und schon verschwand sie.
Stocker wandte seine Aufmerksamkeit wieder der knienden Helena zu.
„Steh auf!“
Als sie nicht gleich gehorchte… einfach, weil sie nicht dazu in der Lage war, so sehr zitterten ihr die Glieder, riß er sie einfach an den Haaren hoch. Mit einem Aufschrei kam die junge Frau auf die Beine und wurde durch den Raum gezerrt.
Er stieß sie in Richtung Fenster.
Zum ersten Mal bemerkte sie bewußt die Veränderungen, die in Webers altem Büro vorgenommen worden waren. Und noch während sie rätselte, wofür denn dies alles nötig sei, wurde sie wieder abgelenkt.
„Hände nach vorne!“ befahl er knapp.
Mit klopfendem Herzen befolgte sie seine Anweisung… fühlte seine Finger an ihren Gelenken. Der linke Arm wurde nach oben gedrückt… weiter, immer weiter – bis sie sich strecken mußte – und dann legte sich kalt und fest eine eiserne Manschette um das Handgelenk. Der zweite Arm… sie stöhnte unterdrückt, als er sie noch weiter nach oben streckte – und dann war auch dieses Gelenk fixiert.
Fassungslos glitt ihr Blick an ihren Armen nach oben… sie sah die matt schimmernde Eisenkette, die von der Decke hing… sah die Schellen um ihre Gelenke und zerrte vorsichtig daran. Es war unbequem, so gestreckt auf den Zehenspitzen stehen zu müssen. Aber es war aussichtslos… es gab keine Möglichkeit, zu entkommen.
Ein weiteres Mal schien er ihre Gedanken gelesen zu haben.
„Es soll auch nicht bequem für dich sein!“ mokierte sich Stocker. „Ich habe die Länge der Ketten ganz gut abgeschätzt… schon bei unserer ersten Begegnung wußte ich genau, wie lang sie sein mußten… und wie ich sehe, hatte ich vollkommen recht!“ Er lachte und stieß sie mit einer Hand an… sofort kämpfte sie verzweifelt um ihr Gleichgewicht und fühlte, wie ihr ganzes Gewicht an den Armen hing.
„Genau so müssen sie sein!“ grinste er. Dann wandte er sich Nora zu. „Fertig?“
„Ja Herr!“
„Gut… leg sie ihr an!“
Eilfertig kniete die Blonde vor Helena nieder… einen seltsamen Gegenstand in der Hand, der ihr überhaupt nichts sagte… sie sah auf sie hinunter und überlegte ernsthaft, ob sie dem Miststück nicht einen deftigen Tritt ins Gesicht verpassen sollte. Aber angesichts ihrer wehrlosen Lage unterließ sie es dann doch… es hätte ihr nicht viel eingebracht – außer noch mehr Schwierigkeiten.
Etwas legte sich kühl um ihre Knöchel… Helena hörte es leise klirren, fühlte ein seltsames Gewicht… und dann wurden ihr die Beine noch etwas mehr auseinander gedrückt. Sie stöhnte voller Panik… versuchte, die Füsse näher zusammenzubringen… aber es war ihr nicht möglich. Noch weiter wurde sie auseinander gezwungen, bis sie – so kam es ihr vor – nur mehr mit den äußersten Zehenspitzen Halt am Boden fand.
Dann stand die Blondine auf, trat einen Schritt zurück.
„Steht ihr gut, die Spreizstange…“ kommentierte Stocker trocken.
„Ja, Herr!“ bestätigte Nora beflissen.
Helena kämpfte immer noch um sicheren Stand. Schon begannen ihre Arme heftig dagegen zu protestieren, dass sie von ihrem eigenen Gewicht immer weiter gestreckt wurden. Sie atmete schwer und keuchend.
Langsam ging Stocker um sie herum, bis er hinter ihrem Rücken stand… und legte ihr dann die Hände auf die Schultern. Mit einem erschrockenen Aufschrei krümmte sie sich nach vorne… verlor den Stand, schwang hilflos in den Ketten hin und her.
„Na… ruhig… hab doch nicht soviel Angst!“ sagte er leise, fing das Schwingen ab. Streichelte sie am Hals. „Es wird dir kein Leid geschehen… du mußt lernen, Vertrauen zu mir zu haben!“
Sie glaubte ihm nicht. „Und warum hänge ich dann hier?“ japste sie.
„Weil du mir nicht gehorchen wolltest!“ kam die Erwiderung. „Jetzt zwinge ich dich eben dazu…“
Sie wollte etwas antworten – aber da legte er ihr von hinten die Hand auf den Mund.
„Sei jetzt still… oder ich kneble dich!“
Wieder einmal fuhr ihr der Schreck in die Glieder. Ein Knebel?
Nein… der hätte sie jeder Möglichkeit beraubt, um Hilfe zu rufen! Das wollte sie ganz sicher nicht… Selbst wenn niemand ihre Schreie hörte, die Gewisseheit schreien zu können, wenn sie es wollte – war ihr einfach zu wichtig.

Er setzte ihr Einverständnis voraus… nahm die Hand von ihren Lippen.
„Nora…“
Die Blondine stand dicht vor Helena… ihre Blicke gruben sich ineinander. Der blaue spöttisch, amüsiert – und viehisch dem Herrn ergeben… der von Helena immer noch trotzig, widerspenstig… und doch voll banger, ängstlicher Erwartung.
Nora hob die Hände… ließ kühle, glatte Seide an Helenas prickelnder, furchtsam erhitzter Haut entlang streicheln… und reichte es dann um sie herum dem Mann.
Dann keuchte die junge Frau… die Welt um sie herum versank im Nichts endloser Schwärze, als sich die Augenbinde fest um ihren Kopf legte und stramm am Hinterkopf verknotet wurde.
Ihres Sehvermögens beraubt, begann ihr Herz wieder voller Panik zu rasen… ließ das Blut in den Ohren rauschen und sie schwindeln. Sie schwankte.
„Ganz ruhig…“ Sanft sprach er ihr zu, wie einem verletzten Tier. Seine Hände streichelten… beruhigten sie gegen ihren Willen.
Dann machte er alles wieder zunichte. „Fang an, Nora… sie soll so aussehen, wie es meinem Besitz entspricht… wie ich erwarte, daß ihr Körper zu sein hat!“
Wieder zuckte Helena zurück… als sich Noras kühle Finger auf ihre Schenkel legten, und ihren Bauch… und dann wurde es ganz kalt um ihre Weiblichkeit. Der Drang in ihr, die Schenkel zusammenzukneifen, diesen Berührungen zu entgegen… wurde immer stärker. Sie zerrte an den Fußschellen… aber die Stange verhinderte erfolgreich jeden Versuch, sich Nora zu entziehen.
Erstaunlich sanft begann Nora, den Schaum zu verteilen… und dann zog sie zügig den Rasierer über die Haut.
Das Zittern in Helena nahm zu. Diese Peinlichkeit überstieg alles bisher dagewesene. Nackt.
Sie fühlte sich so unendlich nackt. Mit jeder schwarzen Locke, die Noras Rasur zum Opfer fiel, kam sie sich entblößter und schutzloser vor.
Keine Stelle entging den suchenden Fingern, der scharfen Klinge. Stockers Handlanger war mehr als gründlich. Helena fühlte den raschen, kühlen Atem der Frau – genau zwischen ihren Beinen… und wimmerte erstickt auf.
„Scht… so schlimm kann das doch gar nicht sein!“ raunzte Stocker, dicht an ihrem Ohr. „Du willst doch schön sein für mich… perfekt…“
Wieder bäumte sich etwas in Helena auf, zwang sie dazu, wild den Kopf zu schütteln. Aber er lachte nur. „Ich glaube dir nicht!“ Dann wandte er sich Nora zu, die begonnen hatte, vorsichtig den Schaum abzuwaschen und sie mit einem weichen Handtuch abzutrocknen.
„Fertig?“
„Ja, Herr!“
„Ich hoffe, du hast sie nicht zu trocken gemacht!“ kicherte Stocker – und im nächsten Moment schoß Helena in den Ketten hoch, panikartig und mit einem entsetzten Aufkeuchen, denn Nora faßte ihr einfach in den Schritt und zog ihr die Finger durch die Spalte.
„Nein, Herr… sie kann ihre Erregung nicht verbergen!“
Lachen war die Antwort… während Helena erstarrte und versuchte, den Schock zu verarbeiten, dass eine Frau sie so intim berührt hatte. Und dann ausgerechnet noch diese Frau.
Ihre heftige Reaktion war ihm nicht entgangen.
„Magst du es nicht, wenn dich Nora berührt?“ fragte er in ihre wild durcheinander wirbelnden Gedanken hinein.
„Nein!“ stöhnte sie rauh.
„Du wirst dich auch daran gewöhnen!“ beschied er ihr. „Und wenn ich es will, wirst du – genau wie sie – alles, was ich von dir verlange, gerne und freiwillig tun!“
„Kann ich mir nicht vorstellen!“ murmelte Helena leise… aber nicht leise genug.
Er hatte sie gehört.
„Schon wieder eine trotzige Herausforderung!“ wunderte er sich. „Du willst es wirklich auf die harte Tour lernen, fürchte ich… du bettelst ja direkt darum!“
Und noch während sie überlegte, was sie wohl gerade herausgefordert hatte, gab er Nora erneut einen Wink. Diese handelte sofort… wie ein gut geschmiertes Maschinchen funktionierte sie. Der blonde Kopf neigte sich Helena entgegen, Finger spreizten die Schamlippen noch etwas mehr… und dann schrie Helena auf… empört, voller Abscheu… abwehrend. Ungerührt begann Nora, sie mit der Zungenspitze zu verwöhnen… sie gegen ihren Willen zu erregen… immer höher und höher aufzuheizen. Sie ließ die Finger tanzen… drückte sie tief hinein, in die nasse Grotte… suchten ganz gezielt die Punkte, an denen ihr Opfer am empfänglichsten, am wehrlosesten war.
„Jetzt sag mir, dass dir das nicht gefällt!“ höhnte Stocker… und in dem Augenblick, als Helena in Sekundenschnelle von ihrem eigenen Körper verraten wurde, fast zerfloß vor Lust und Erregung… sich fast willenlos der gierig suchenden Zunge entgegen drückte und dann mit einem leisen, rauhen Keuchen immer höher flog, gruben sich seine Finger in ihre Wangen und drückten ihr den Kopf zur Seite… und seine Lippen küssten ihr den atemlosen, erstickten Schrei von den Lippen.
„Das war die Lust…“ hauchte er, dicht an ihrem Mund… sie hörte ihn kaum, so sehr zuckte und erschauderte sie immer noch vor Vergnügen.
„Und jetzt lernst du die Strafe kennen… und den Schmerz!“ beschied er ihr… und löste sich von ihr.
„Nora… bereite sie für die Klammern vor!“

Diese Worte waren es, die sie schlagartig auf den Boden der Tatsachen zurückholten. Wieder zitterte sie… diesmal wieder vor Angst – und dann stieß sie einen leisen, furchtsamen Schrei aus, als etwas ihre Brustwarzen berührte. Doch es waren „nur“ Noras Lippen, die einen der prallen Nippel tief in ihren Mund saugte und ihn mit der Zungenspitze liebkoste.
Helena war sich bewußt, dass dies eine Berührung war, die sie unter anderen Umständen außerordentlich genossen hätte… dann, wenn sie von einem Mann gekommen wäre. Aber von dieser Frau?
Ihr Körper schien sich nicht daran zu stören. Immer mehr verhärtete sich der Nippel – und sie fühlte bereits wieder ein lustvolles Ziehen, tief in ihrem Unterleib. Hämisch lachte die Blonde, denn Helena hatte diese Reaktion nicht verbergen können. Etwas klirrte leise… etwas zwickte scharf in ihre Brustwarze… und rutschte dann mit einem leisen Klicken ab. Gepeinigt schrie die junge Frau auf, krümmte sich, soweit es die Ketten zuließen – hatte Nora sie gebissen?
„Na… Nora, das war jetzt aber nicht nett von dir!“ knurrte Stocker hinter ihr. „Ich weiß, dass du die Klammern professionell setzen kannst… wenn du willst!“ Das kam sehr bedeutungsvoll… und Helena hörte das erstickte Ächzen der Blonden.
Verzweifelt lauschte sie in die Dunkelheit der Augenbinde hinein. Was ging da vor sich?
Immer noch pochte wütender Schmerz in ihrer malträtierten Brustwarze… so dringlich, dass sie fast überhört hätte, was um sie herum vor sich ging.
„Komm her zu mir – auf die Knie!“
Helena schauderte, so streng und auch seltsam grausam klang die scharfe Stimme Stockers. Und schon löste Nora sich von ihr.
„Es tut mir leid, mein Herr!“ wisperte sie… aber sie schien zu gehorchen.
Etwas pfiff durch die Luft – ein Geräusch, das Helena überhaupt nicht einordnen konnte… und dann stöhnte die andere Frau unterdrückt auf. Noch viermal kam das Geräusch des Schlages… beim letzten Mal schien es so heftig zu sein, dass Nora leise aufschrie.
„Danke mein Herr!“ keuchte sie. „Ich weiß, dass ich das verdient habe!“
„Hast du!“ kam der knappe Kommentar. „Unterlasse deine Eifersüchteleien! Du tust ausschließlich nur, was ich dir befehle! Wenn dir noch einmal so ein dummer, überflüssiger – oder auch absichtlich begangener Fehler unterläuft, wirst du mich anders kennenlernen… dann kannst du gehen und dir einen anderen Herrn suchen…“
Eine kleine Pause. „Haben wir uns verstanden?“
„Ja Herr!“ Wie demütig, wie unterwürfig das klang. Und wie verzweifelt! Wieder einmal sträubte sich alles in Helena dagegen. Niemals würde sie selber so winseln, wie diese Nora! Niemals! Unter keinen Umständen!
Beinahe hätte sie über diesen Entschluß vergessen, dass es hier ja um sie ging… und wie ungewiss das war, was sie erwartete. Und so erschrak sie beinahe, als Nora sich wieder ihr widmete… wieder alles daran setzte, die linke Brustwarze steif zu saugen.
„Mach es diesmal richtig!“ befahl Stocker ihr… und in der nächsten Sekunde schnappte Helena zischend nach Luft. Wie die Zähne eines Tieres grub sich ein wütender Biss in ihren Nippel… quetschte ihn arg zusammen… und dann, so dass sie keinerlei Chance hatte, sich an den Schmerz zu gewöhnen, gleich in den anderen.
Ihre Kiefer knirschten, so sehr biß sie die Zähne zusammen… aber dennoch konnte sie nicht verhindern, dass ihr Schweiß auf die Stirn trat. Sie krümmte sich.
„Wehr dich nicht gegen den Schmerz!“ wisperte Stocker dicht an ihrem Ohr. „Heiße den Schmerz willkommen, laß ihn in dich eindringen… horch in dich hinein und erkenne, was er in dir bewirkt – dieser Schmerz!“
Helena konnte einfach nicht anders… diese sanfte, tiefe Stimme hatte eine regelrecht hypnotische Wirkung auf sie. Bezauberte sie regelrecht. Und ganz vage wurde ihr bewußt, dass sie tatsächlich darauf reagierte. Sie verlor sich selbst… in einer anderen, für sie völlig fremden Welt…

Ein Keuchen entschlüpfte ihr. Schmerz war nicht mehr länger Schmerz… Schmerz war… mehr…
„Ja…“ An ihrem Ohr schnurrte es fast. „Ja… so ist es richtig, meine kleine Helena… laß dich fallen… ergib dich… ergib dich dem Schmerz… ergib dich mir…“
Und dann, mit harter, fremder Stimme: „Mach deinen Fehler wieder gut, Nora… streichle sie ein wenig… verwöhne sie für ihre Bereitschaft, neues Kennenzulernen…“ Ein Knurren. „Aber strenge dich an – keinen Ausrutscher mehr!“
Helena seufzte leise… zärtliche, warme Lippen fingen an, über ihre pulsierende Haut zu gleiten, sie zu streicheln, sie zu verwöhnen.  Hauchzart leckte eine Zungenspitze über sämtliche Nerven rund um ihre pochenden Brustwarzen, brachte Gefühle zum prickeln, die ihr wie Champagner zu Kopf stiegen… und wieder seufzte sie. Zitterte.
Was geschah nur mit ihr? Sie vergaß den Schmerz tatsächlich…
Nora küßte sich tiefer… liebkosend, zärtlich… über den Bauch, verwöhnte bebende Schenkel – und dann die glatte Scham.
In der nächsten Sekunde fluchte Stocker unterdrückt. Er erkannte seinen Fehler.
Helena bäumte sich in den Ketten auf, krümmte sich nach hinten und schrie protestierend: „Nein!“ Von einer Sekunde auf die andere war sie wieder ganz Abwehr.
Ein Wink. Nora ließ von ihr ab, kauerte sich abwartend auf die Fersen zurück.

Stocker überlegte. So kam er nicht weiter. Fast hatte er Helena da gehabt, wo sie sich ihm ergeben hätte… an dem Punkt ohne Wiederkehr. Und dann dieser dumme Fehler. Ein abschätzender Blick traf seine blonde Gehilfin. Ein Entschluß wurde gefaßt.
„Laß uns allein, Nora… ich komme jetzt ohne deine Hilfe zurecht!“
Der Plan hatte anderes vorgesehen. Aber welchen Sinn hatte es, an einem Plan festzuhalten, der nicht zum Ziel führen konnte? Zu groß war die Abneigung Helenas gegen Nora… zu sehr wehrte sie sich dagegen, Zärtlichkeiten und Liebkosungen von der anderen Frau anzunehmen.
Er wartete, bis die Blonde die Tür leise hinter sich geschlossen hatte, dann wandte er sich Helena zu.
„Jetzt sind wir alleine…“ sagte er leise zu ihr.
„Und?“ schnaubte sie – wieder ganz Trotz und Sturheit.
„Jetzt mußt du nichts mehr zurückhalten… jetzt kannst du alles herauslassen, was in dir steckt und dich zu deinen intimsten Wünschen bekennen!“ wisperte er leise, verführerisch – wieder dicht an ihrem Ohr. „Niemand wird es sehen und mitbekommen… niemand außer mir, dem du deine Hingabe zum Geschenk machen wirst!“
Sie war nicht in der Lage, ihm darauf eine heftige, wilde Erwiderung an den Kopf zu schleudern. Dazu war er ihr zu nahe.
Sie fühlte die Wärme seines Körpers im Rücken, fühlte das leise Kribbeln auf der Haut, das diese Nähe in ihr auslöste… und, noch schlimmer – sie fühlte Sehnsucht in sich – Sehnsucht, von ihm berührt zu werden, liebkost und verwöhnt… Sie spürte den Drang, sich ihm zu schenken.
Was war nur los mit ihr?

„Oh!“
Sie zuckte zusammen, aus ihren Gedanken gerissen. Er hatte sie von hinten umfaßt, bis seine Handflächen über ihren Bauch streichelten… nach oben glitten, ihre Brüste von unten umfaßten und sie in der Hand wogen. Kleine, unerklärliche Stromstöße fuhren durch ihren Körper. Sie stöhnte wieder.
„Ja…“ schnurrte er kehlig. „Das gefällt dir…“
Ja… das gefiel ihr wirklich. Sie fühlte, wie ihre Brüste prall und schwer wurden, wie sich Haut kräuselte… und erkannte, dass sie sich nach mehr sehnte.
Sie war versucht, ihn um mehr zu bitten… entschied sich dann aber dagegen. Nein… betteln würde sie ganz sicher nicht.
Es ihm nur zeigen, dass sie sich nach mehr sehnte. Mit einem Seufzer sank sie nach hinten, wurde ganz schwer in den Ketten. Sank zurück in seine Umarmung hinein, so weit es ihre Streckung zuließ. Lehnte den Kopf gegen seine Schulter, weich, anschmiegsam… und seufzte wieder leise.
Sie spürte sein zufriedenes Lächeln fast.
Er hatte sich richtig entschieden. Nora wegzuschicken, war ein guter Schachzug gewesen.
Helena brauchte kein Publikum. Noch nicht. Sie brauchte Zweisamkeit. Die würde sie erhalten… vorerst. Bis sie weit genug gefördert war, alles andere um sich herum zu vergessen und nur noch ihm zu gehorchen, ungeachtet eventueller Zuschauer oder egal, an welchem Ort sie sich befanden…
Stocker streichelte die weiche, warme Haut ihrer Brüste und lächelte… oh ja, kleine süße Helena… wenn du wüßtest, was ich für großartige Pläne habe mit uns beiden…
Spielerisch schnippte er mit den Fingern gegen die Klammern – sie bemerkte den Schmerz kaum. Innerlich triumphierte er… sie war wirklich auf dem richtigen Weg!

Die Hände ließen ab von ihren Brüsten, wanderten über den flachen Bauch nach unten, streichelten die glattrasierte Scham. Keine ihrer Regungen entging ihm. Nicht ihr kleiner, stoßweiser Seufzer noch das sachte Zittern ihres Leibes. Sie hing in seiner Umarmung, schmiegte sich gegen seine Schulter, suchte Halt an ihm… und verlor sich in ihren Gefühlen.
Aber es war nicht seine Aufgabe, ihr nur Lust zu schenken. Die Welt – auch die seinige nicht! – bestand nicht nur aus Vergnügen… blitzschnell, ohne Vorwarnung glitten die Hände wieder nach oben, umfaßten die Klammern – und entfernten beide gleichzeitig mit einem harten, scharfen Ruck.
Sie winselte wie ein getretener Hund – bäumte sich in den Ketten auf. Er hielt sie fest, entließ sie nicht aus der Umarmung… und besänftigte den Schmerz sofort, durch sachtes, sanftes Streicheln.
„Schscht…“ murmelte er leise, einschmeichelnd. „Ist ja gut… ist ja schon vorbei…“
Die kleinen Nippel kräuselten sich unter seinen Fingern, wurden hart und prall wie zwei kleine Perlen. Reagierten auf die Berührung, vergaßen den Schmerz…
Sie entspannte sich wieder… zitternd. Sichtlich darum bemüht, zu vertrauen.
Er war stolz auf sie…
Jetzt war sie bereit für den nächsten Schritt…

In Helenas Kopf drehte sich alles.
Sie verstand die Welt nicht mehr. Verstand sich nicht mehr. Was geschah nur mit ihr?
Warum wehrte sie sich nicht mehr? Und… ihr am unverständlichsten… warum begann sie auch noch zu genießen, was Stocker mit ihr machte?
Er hielt sie im Arm, sie fühlte seine Stärke – und erkannte, dass das Gefühl tief in ihr Geborgenheit war. So, als wäre sie endlich da, wo sie hin gehörte.
Ihr einfach unverständlich! Sie war gegen ihren Willen hier.
War sie doch, oder?
Helena schluckte. War sie das wirklich?
Warum sagte sie ihm dann nicht einfach, dass sie gehen wollte und warum drohte sie ihm nicht mit einer Anzeige bei der Polizei?
Seine großen Hände streichelten sie wieder… sofort beschleunigte sich ihr Herzschlag und sie fühlte betörende Schwäche in den Gliedern. Der Wunsch, sich ihm ganz zu ergeben, wurde immer stärker.
Nein… irgendwie, auch wenn es ihr noch so unverständlich war… aber irgendwie fühlte es sich richtig an, was er mit ihr machte… nicht falsch!

Helena war sich selbst gegenüber immer ehrlich gewesen. Und so leugnete sie die Erkenntnis auch nicht länger. Sie wollte es nicht beenden. Nicht mehr. Der Punkt, an dem sie sich ernsthaft gegen ihn gewehrt hatte, war längst vorbei.
Unendlich sanft, sich seiner Stärke völlig bewußt (und ihrer eigenen Hilflosigkeit übrigens auch), schmiegte sie ihre Wange so weit es ihr nur möglich war, wegen der Ketten, gegen seine Schulter. Lauschte dem gedämpften Schlag seines Herzens… der, wie sie erstaunt erkannte, völlig im Einklang mit ihrem eigenen war.
„Bist du bereit für den nächsten Schritt, meine schöne kleine Helena?“ raunte er leise, kaum verständlich. Aber sofort reagierte alles in ihr auf das verführerische Timbre seiner Stimme…
Erneut erkannte sie die Macht, die er über sie und ihre Sinne hatte.
„Ja…“ flüsterte sie.
Nur dieses eine Wort. Mehr war nicht nötig in diesem ganz besonderen, magischen Augenblick.
Sie wußte nicht, woher dieses Gefühl kam. Aber Helena hatte es tatsächlich… das Gefühl, als stünde ein ganz besonderes Ereignis bevor… so, als würde sie gerade wieder geboren. Neu erschaffen. Als wäre sie am Ende einer langen, langen Suche angekommen…

Stocker war zufrieden.
Zustimmend streichelte er sie, ließ ihre Nerven wieder vibrieren. Genoß es, wie sehr sie ihm gehörte, in diesem ersten Augenblick völliger Verbundenheit.
„Gut!“ kam es kehlig, voller Zustimmung. „Du hast Lust kennengelernt, und auch ein wenig den Schmerz. Bist du jetzt bereit für die Strafe?“
Ein Ruck ging durch sie. Der Kopf hob sich eine Winzigkeit. Er hörte sie schlucken.
„Strafe?“ krächzte sie dann benommen.
„Ja… Strafe…“ bestätigte er.
„Warum?“ fragte sie – und so sehr sie es versuchte, sie vermochte aufkeimende Zweifel nicht aus der Stimme zu verbannen.
Er lachte leise. „Du hast dich mir widersetzt… das verdient Strafe!“ kommentierte er.
Sie ließ diese Worte auf sich einwirken. Analysierte sie. Dann hob sich ihr Kinn.
„Nein… das stimmt so nicht!“ kam es ungläubig.
„Helena… willst du mir etwa schon wieder widersprechen?“ Schärfe lag in seiner Stimme… eine unverkennbare Warnung an sie, sich genau zu überlegen, was sie nun sagte.
Er war gespannt auf ihre Reaktion. Wie würde sie reagieren? Schlug sie wieder den richtigen Weg ein?
Sie blieb stumm. Atmete flach. Kämpfte mit sich.
Fast konnte er ihre Gedanken hören. Sie war nicht seiner Meinung. Sie hatte keine Strafe verdient. Alles war reiner Selbstschutz gewesen. Sie hatte nicht gewußt, was von ihr erwartet wurde… hatte ihre Bestimmung noch nicht erkannt.
Im Prinzip war er ihrer Meinung.
Aber das war nicht relevant. Sie mußte lernen, dass es alleine in seiner Macht stand, über sie zu verfügen. Ebenso über Strafe und Belohnung! Diskussionen darüber gab es nicht… und es war besser, ihr das gleich zu Anfang zu zeigen.

Sie ergab sich. Der Kopf sank erneut an seine Schulter. Leises Seufzen wehte von ihren bebenden Lippen. Aber die Hände hatten sich um die Ketten zu  Fäusten geballt. Ihr ganzer Körper strahlte Abwehr aus… auch wenn sie versuchte, dies zu verbergen.
Wieder enttäuschte sie ihn nicht. Sie war wirklich alles, was er in ihr gesehen hatte… sich erhofft… das und noch vieles mehr.
„Tapferes, kleines Mädchen!“ lobte er… schenkte wieder Zärtlichkeit und Liebkosung, bis ihr ganzer Leib bebte vor Lust und Verlangen. Und löste sich dann von ihr.

Plötzlich fühlte sie sich ganz alleine. Verlassen. Der Halt seiner Schulter fehlte ihr. Sie fröstelte.
Strafe.
Das Wort hallte in ihrem Kopf wider, wie ein endloses Echo. Hatte sie wirklich Strafe verdient?
Nur ganz kurz kam ihr der Gedanke, warum sie überhaupt darüber nachdachte. Warum sie sich so willig in seine Willkür ergab, als wäre dies ihre tatsächliche Bestimmung. Sie sinnierte darüber nach, wann in den letzten Stunden sie sich selbst verloren hatte… wo ihr Trotz und ihr Widerstand abgeblieben war. Warum war ihr die „stolze Helena“ abhanden gekommen?
Ach, zum Teufel damit… ihr Mund verzog sich sekundenlang trotzig.
Sie war neugierig. Erwartungsvoll. Und voller Staunen über die Welt, die sich vor ihr auftat.
Es zählte doch gar nicht, dass sie völlig unverhofft in diese Situation geschlittert war. Noch weniger zählte sie, dass Stocker ihre Einwilligung nicht eingeholt hatte.
Es zählte nur eines… das wichtigste überhaupt.
Dass es ihr tatsächlich gefiel…
Mittlerweile wunderte sie sich nicht mehr darüber. Sie akzeptierte es. Ebenso wie die Tatsache, dass ihr Körper so bereitwillig auf ihn reagierte… und ebenso, wie sie die Erkenntnis nicht länger verleugnete, dass sie sich so wohl fühlte, wie schon lange nicht mehr.
Allein das Wissen, wieviel Macht er über sie hatte, löste ein lustvolles Prickeln in ihr aus, wie sie es schon ewig lange nicht mehr verspürt hatte.
Fast hätte sie gelacht. Es war tatsächlich so, als wäre sie genau das, was Stocker in ihr sah… so unmöglich ihr das am Anfang auch erschienen war.

Er lenkte sie ab. Forderte wieder ihre volle Aufmerksamkeit.
„Träumst du?“
Sofort schüttelte sie den Kopf. Nein. Natürlich nicht.
„Gut… dann können wir ja zur Tat schreiten!“ brummte er.
Sie horchte auf. Hörte das öffnen der Tür zum Nebenzimmer.
„Nora… kommst du?“
Und sofort war sie wieder auf Abwehr eingestellt. Nicht schon wieder diese Verrückte…
„Zehn Hiebe…“ kam die nächste Anordnung. „Aber wage es ja nicht, sie zu verletzen!“ Eine Gänsehaut stahl sich über Helenas Haut… brachte sie zum Erschaudern.
Ketten klirrten, als sie versuchte, sich zu befreien.
Sie hörte ein leises Geräusch, als sich die Frau hinter ihr aufstellte, sich bereit machte.
Und ergab sich dann dem Widerstand.
„Nein!“ schrie sie laut auf.
„Helena!“ Scharf. Grimmig. Drohend.
Sie überhörte die Warnung beflissentlich. Schüttelte den Kopf.
„Bitte nicht!“ keuchte sie. „Nicht sie… ich will nicht, dass sie es macht!“
Stille. Dröhnend. Überwältigend.
Es schien, als hätte die Zeit selbst den Atem angehalten.
Und Helena sank in sich zusammen. Mutlos. Der Verzweiflung nahe.
Wie könnte sie ihm vertrauen, sich ihm tatsächlich ergeben… wenn er sie durch Nora schlagen ließ?
Dann hob sich ihr Kinn wieder. Jetzt pokerte sie. Verzweifelt. Mit hohem Einsatz.
Ihr Kinn hob sich wieder.
„Bitte… es ist nicht die Strafe! Wenn du denkst, ich habe sie verdient, dann ist das sicher so… aber tu es selbst… ich will nicht von ihr geschlagen werden!“
Atemlos wartete sie. Aber die Reaktion war nur Schweigen.
Noch einmal raffte sie ihren ganzen Mut zusammen.
„Bitte… es würde alles kaputt machen…“ wisperte sie, fast verzweifelt.

Endlich reagierte er. Endlich, nachdem sich das Schweigen zu einer Ewigkeit ausgedehnt hatte. „Weißt du, was du da tust?“
„Ja…“ Dann schüttelte sie heftig den Kopf und schluchzte. „Nein… eigentlich nicht, ehrlich gesagt! Aber das ist egal! Ich weiß nur, dass ich es nicht ertragen könnte, wenn du zuläßt, dass sie mich schlägt… dass sie mich für dich bestraft! Und nur das ist wichtig im Moment…“
„Du schacherst mit mir!“ Das kam ziemlich grimmig, traf sie tief.
„Nein…“ Sie stöhnte leise. „Nicht um die Strafe an sich… auch nicht um das Strafmaß! Nur um die Hand, welche die Strafe ausführt!“
Stocker schwieg wieder. Dachte er darüber nach? Verzweifelt lauschte sie in die Dunkelheit der Augenbinde hinein.
Nora mischte sich ein. „Herr… ich bin soweit!“ Helena zuckte heftig zusammen, als sie das Schwirren einer Gerte hörte, die durch die Luft gezogen wurde… aus voller Kraft. Der Gedanke, was dieser Hieb auf ihrer Haut angerichtet hätte, bewirkte, dass sich ihr Magen verkrampfte. Übelkeit stieg in ihr auf. Sie schwankte, wurde nur noch von den Ketten aufrecht gehalten.
War er wirklich so unbeugsam, wie es sich jetzt für sie anfühlte?

Sekunden dehnten sich zu Minuten. Minuten zu Stunden. Eine Ewigkeit verging.
Zumindest schien es Helena so. Immer noch dröhnte die Stille. Niemand sprach ein Wort.
Nur das Geräusch von Helenas heftigem, stoßweisem Atmen war zu hören.
Ihre Beine trugen sie kaum mehr. Sie zitterte so sehr, dass sich die Bewegung mit leisem Klirren in den Ketten fortsetzte.
„Bitte…“ schrie es laut in ihr… so laut, dass sie sich wunderte, dass es nicht in dem Zimmer wieder hallte. „Bitte… enttäusche mich jetzt nicht! Lass mich jetzt nicht allein… wie kann ich diesen Weg, den du mir gezeigt hast, mit dir weitergehen, wenn du mir das jetzt antust?“

Endlich brach Stocker das Schweigen.
„Ist es dir so wichtig, wer die Gerte führt?“ fragte er sie leise.
Sie nickte. Zu mehr fehlte ihr die Kraft. Fahrig leckte sie sich über die trockenen, spröden Lippen. Wünschte, sie hätte den Mut, ihm zu sagen – warum es so wichtig war für sie. So unendlich wichtig und bedeutsam, zu diesem Zeitpunkt nicht enttäuscht zu werden.
Wieder stockte ihr der Atem. Begierig wartete sie endlich auf eine Reaktion von ihm.
Und endlich reagierte er.
„Leg die Gerte weg, Nora!“ sagte er knapp.
Vor Erleichterung hätte Helena fast geschluchzt. Wieder lief ein Zittern durch ihre Haut.
Er verstand sie… er verstand sie wirklich!
Plötzlich fühlte sie sich, als hätte er ihr ein Geschenk gemacht. Unendlich kostbar und wertvoll… und obendrein ganz persönlich und intim. Nur für sie beide gemacht.
Sie zuckte nicht zurück, als er Nora befahl, ihr die Spreizstange abzunehmen… verbiß sich nur tapfer das schmerzerfüllte Stöhnen, als sie die Beine endlich wieder schließen konnte – und ihr Gewicht nicht mehr in den Ketten hing.
Er trat dicht hinter sie, so dicht, dass sie ihn wieder in ihrem Rücken fühlte. Federleicht umfaßten seine großen Hände ihre Taille, stützten sie, als die Ketten abgenommen wurden und sie unwillkürlich vor Schwäche in die Knie sackte. Wieder gab er ihr Halt… bis ein Ruck durch ihre Gestalt ging und sie sich aufraffte. Aus eigener Kraft stand.
Der Griff löste sich. Ging über, in zärtliches, fast beiläufiges Streicheln.
„Ich werde dir die Strafe nicht erlassen…“ murmelte er dabei.
Sie seufzte. „Das weiß ich…“
„Du bist so tapfer… so stark… und doch so stolz. Und alles für mich…“ Er lachte leise. „Jetzt darfst du mir deinen Mut… und die Hingabe, die tief in dir steckt und die endlich gezeigt werden will, beweisen…“
Matt wandte sie ihm den Kopf zu, ganz verloren in seinen Zärtlichkeiten.
„Wie?“ Sie räusperte sich, als ihre Stimme fast brach.
„Keine Fesseln…“ raunte er und sein Atem streichelte die Haut an ihrem Hals. „Kein Zwang…“
Sie verstand sofort, was er von ihr erwartete. Erschauderte sacht. Nur ganz leicht. Aber er spürte es.
„Angst?“
„Nein…“ trotzte sie sofort. Und bekannte in der nächsten Sekunde ehrlich: „Ja…“
Dann seufzte sie unter dem Kuss und dem leichten Biss, den er in ihre Schulter setzte.
„Du vertraust mir so sehr, dass du die Gerte und die Strafe in meine Hände legst… warum kannst du mir dann nicht so sehr vertrauen, um zu wissen – dass ich dich nicht verletzen würde?“

Verlegen senkte Helena den Kopf… er hatte recht. Sie widersprach sich selbst. War beschämt.
Er sah die leichte Röte auf ihren Wangen und lachte leise.
„Du mußt nicht verlegen sein… du stehst noch ganz am Anfang des Weges, den wir zusammen gehen werden. Vergiß das nicht…“ beschwichtigte er ihre Scham. Und wieder lächelte er, als sich ihr Kopf sofort hob und sich das Kinn fast grimmig vorschob.
Ein kalter Blick traf Nora. Sie verstand sofort und zog sich kommentarlos aus dem Büro zurück.
Nun waren sie wieder alleine. Seine stolze Helena und er…
Spielerisch ließ er seine Fingerkuppen über ihre Wirbelsäule hinab gleiten, berührte sie kaum. Und doch reagierte sie sofort darauf… leise seufzend, ein Zittern unterdrückend. Wohlwollend registrierte er die wohlige Gänsehaut, die unter seinen Fingern entstand.
„Bist du bereit?“
„Ja…“ kam es, etwas zögernd – aber doch bestimmt.
„Dann komm!“
Er trat um sie herum, streichelte ihre Wange. Liebkoste ihre Lippen. Fühlte einen hauchzarten Kuss auf den Fingerspitzen und staunte nicht schlecht über das Vertrauen, das sie ihm mit dieser schlichten Geste übermittelte.
Sekundenlang geriet sein Herzschlag aus dem Rhythmus, dann jubelte es in ihm. Wilder Triumph brannte heiß in ihm und raubte ihm für den Moment den Atem.
Sie war schon so weit… so unglaublich weit. Ob sie selber überhaupt merkte, wie sehr sie sich schon in seine Hände begeben hatte und wie sehr sie in ihre ureigenste Rolle geschlüpft war? In die Rolle der Sklavin, die ihr so sehr auf den Leib geschneidert worden war?
Schon seit ihrer Geburt hatte es in ihr gesteckt… dessen war er sich völlig sicher. Und die Männer in ihrem bisherigen Leben waren alle viel zu blind gewesen, um das zu erkennen. Niemand hatte sie ihrer Bestimmung zugeführt… bis… ja, bis ER gekommen war. Er hatte die Sklavin in ihr auf den ersten Blick erkannt. Schon, als sie aus Webers Büro gestürmt war und ihm diesen wütenden und doch so verletzten Blick zugeworfen hatte.

Er trennte sich von ihr, so schwer es ihm auch fiel und griff nach der Gerte, die Nora vorhin beiseite gelegt hatte.
„Beug dich nach vorne!“ befahl er ihr leise.
Sie gehorchte zögernd. Überrascht, was die Anordnung denn bedeuten sollte.
„Weiter!“ korrigierte er sie. „Spreiz die Beine und faß nach unten, halt dich an dir selber fest!“
Noch zögernder bückte sie sich, legte die Hände flach auf die Knie. Doch er war immer noch nicht zufrieden.
„Was soll das?“ knurrte er, gespielt grimmig und touchierte sie leicht mit der Gertenspitze. „Umfaß deine Knöchel mit den Fingern und präsentiere mir deinen Arsch!“
Sie seufzte leise, aber sie gehorchte. Ihre Hände glitten an den Schienbeinen nach unten, bis sich die Finger um die schmalen, zierlichen Knöchel schließen konnten. Ihre ganze Gestalt zitterte von der ungewohnten Haltung, aber tapfer hielt sie die Beine gespreizt. Sie erschauderte nur, als ihr die langen Haare vom Rücken aus nach vorne glitten und wie tausend streichelnde Finger über die Haut tanzten.
„Ein schöner Anblick!“ kommentierte Stocker zufrieden und genoß das Bild.  Langsam ging er um sie herum, ließ den Finger über die heiße Haut streicheln, bis sie sich wieder zu einer Gänsehaut kräuselte. Dann stand er hinter ihr.
Brennend hing sein Blick an ihrem angespannten Hinterteil, das sich ihm entgegen wölbte – so wehrlos und doch so verlockend. Und SO bereit für die Strafe…
Er atmete tief durch und hob die Gerte.
„Du bewegst dich nicht!“ befahl er. „Verstanden?“
Sie nickte unsicher.
„Das mitzählen erlasse ich dir, weil es das erste Mal für dich ist!“ Und noch während er sprach, holte er aus. Die Gerte schwirrte mit dem für sie so unverkennbaren Geräusch durch die Luft, klatschte leise, als sie angespanntes Fleisch traf… sich in die Haut grub, und die Muskeln darunter zum Zucken brachte.
Zischend stieß sie den Atem aus, schwankte… fing sich aber sofort wieder.
Er gönnte ihr eine kleine Pause. Beobachtete zufrieden, wie sich die Haut rötete.
Stocker hatte sich mit diesem Hieb zurück gehalten. Es sollte eine Einstimmung sein… Einleitung in Hinblick auf das, was noch kommen würde. Trotzdem schwoll die Strieme an und zierte deutlich sichtbar die linke Backe.
Er konnte nicht widerstehen, streckte die Hand aus und streichelte über die leichte Schwellung. Fühle, wie sie zusammenzuckte und hörte dann ihr leises Stöhnen.
„Na, was ist? Das war jetzt doch gar nicht so schlimm, oder?“
Sie zögerte mit der Antwort. Kämpfte mit sich. Verlor wieder gegen sich selbst. Schwieg stur.
Er grinste in sich hinein. Soviel Sturheit… die würde er ihr noch austreiben müssen…

Helena biß die Zähne zusammen.
Ihr war klar, was er von ihr erwartete – war, den Schmerz zu zeigen.
Aber sie konnte nicht.
Es brannte und pochte höllisch… und fast verzweifelt fragte sie sich, wie es denn weiter gehen sollte, wenn schon der erste Schlag so weh tat. Und – da war sie sich völlig sicher – bei diesem ersten Hieb hatte er sich ganz bestimmt zurück gehalten.
Wieder schwirrte die Gerte und biß sich dann wütend in ihre Haut… diesmal auf der anderen Seite, ziemlich tief, fast schon auf dem Oberschenkel. Die Wucht des Schlages warf sie nach vorne – fast hätte sie das Gleichgewicht verloren. Ihre Nägel gruben sich in die Knöchel, sie verkrampfte sich – und verlor. Das leise, schmerzerfüllte Stöhnen ließ sich einfach nicht rechtzeitig zurückhalten.
Diesmal gönnte Stocker ihr keine Pause… blitzschnell setzte er den dritten und vierten Hieb nach, eine Handbreit über die ersten beiden Striemen. Keuchend atmete Helena durch den Mund. War sich bewußt, dass sie längst den Kampf gegen die Selbstbeherrschung verloren hatte.
Hölle, tat das weh!
Schon jetzt hatte sie das Gefühl, nie mehr auf dieser brennenden, pochenden Fläche sitzen zu können… und sie hatte noch sechs Hiebe vor sich!
Wieder holte er aus… diesmal pfiff die Gerte quer über beide Arschbacken, brachte sie zum Beben – und entlockte ihr einen leisen, gepeinigten Aufschrei. Sie schwankte, fiel fast nach vorne. Fing sich mit letzter Kraft.
Er senkte die Gerte, trat dicht von hinten an sie heran.
„Schtscht, kleine Helena… ist doch halb so wild!“ sprach er beruhigend, mit leiser sanfter Stimm auf sie ein. „Die Hälfte hast du schon überstanden…“
Flach legten sich beide Hände auf die Striemen, streichelten sie vorsichtig, doch zielstrebig. Jedesmal, wenn er mit einem Fingernagel eine der nun tiefroten Striemen ritzte oder sanft dagegen drückte, zuckte sie zusammen und stieß zischend die Luft aus.
Ihre durch gedrückten Knie zitterten von der Anstrengung, die Stellung beizubehalten.
Und dann ruckte sie hoch, mit einem Quieken… voller Empörung. Der Griff um ihre Knöchel riß auf, ihr Rücken sprang hoch…
Ohne Vorwarnung hatte Stocker ihr die ganze Länge der Reitgerte durch die Spalte gezogen.
„Na!“ Mahnend fuhr er auf. Als sie nicht sofort reagierte, sondern immer noch halb aufgerichtet vor ihm – so, als duckte sie sich zum Sprung vorwärts – kauerte, touchierte er sie leicht mit der Gerte an der Schulter.
„Wer hat dir erlaubt, die Stellung zu wechseln?“ brummte er.
Sie seufzte… ergab sich dann in ihr Schicksal und krümmte sich wieder nach vorne. Aber diesmal drückte ihr ganzer Leib empörte, wortlose Entrüstung aus. Er nahm die Botschaft zur Kenntnis und lachte kehlig.
„Helena… daran mußt du dich auch gewöhnen!“ belehrte er sie, während er mit der Gertenspitze ihren Rücken Zentimeter für Zentimeter abstreichelte. „Ich werde dich berühren, wo und wie es mir paßt… und auch, womit es mir gerade gefällt!“
„Aber…“ Sie schluckte. „Aber… das ist so peinlich!“
„Was sollte daran denn peinlich sein?“ mokierte er sich, mit einem heimlichen Grinsen.
Sie schwieg… kämpfte wieder gegen ihre eigene Sturheit an. Das amüsierte ihn… und mit diabolischer Schadenfreude zog er die Gerte nach vorne, zu sich heran… ließ die Spitze über ihre Furche tänzeln, bis sie sichtlich zitterte. Noch ein Stückchen vor… und dann bäumte sie sich wieder. Besann sich gerade noch rechtzeitig seiner Anordnung und umklammerte fast krampfhaft ihre eigenen Knöchel. Aber unter der kleinen Quaste an der Spitze der Gerte zuckten ihre Muskeln lebhaft und voller Abwehr.
„Gefällt dir das nicht?“ schnurrte er launig.
Impulsiv schüttelte sie den Kopf… schnaubte dann. Schwieg weiter… bis er die Gerte von hinten wieder zwischen ihre Beine schob und sie stoßweise vor- und zurück bewegte. Sie war verloren… stöhnte atemlos und ließ den Kopf das hängen.
„Das ist mir peinlich… weil…“ Sie schluckte. „Weil ich so nass bin…“
Endlich. Die Scham wurde nebensächlich. Sie ging aus sich heraus!
Wild blitzte es in seinen Augen auf und er wurde knüppelhart. Wie gut, dass sie seine Reaktion auf sie nicht sehen konnte…

„Das ist doch schön…“ schnurrte er wieder. „Genau so will ich dich haben, meine süße Kleine…“
Sie wandte überrascht den Kopf nach hinten, den Mund vor Staunen leicht geöffnet. Die Wangen hochrot.

„Mir ist das trotzdem peinlich…“ wisperte sie unglücklich. „Du schlägst mich… und ich werde nass dabei…“
Nun lachte er laut auf. Er konnte einfach nicht anders.
„Dir ist doch nur peinlich, dass es dich geil macht!“ brachte er es auf den Punkt. „Du würdest das gerne vor mir verheimlichen…“
Ihr Kopf senkte sich wieder beschämt. Er hatte recht…
Das wußte er auch. Stocker runzelte die Stirn und meinte grimmig: „Ich will nicht, dass du etwas vor mir verbirgst, Helena! Egal was es ist, was in dir vorgeht – ich will alles wissen. Ich werde alles genießen, was du aus dir herausläßt… nichts muß dir peinlich sein und du mußt dich für nichts schämen!“

„Für GAR nichts!“ bekräftigte er nach ein paar Sekunden bestimmt. „Ich will alles von dir, sei es nun Lust, Freude… Schmerz, Scham…  denn jede deiner Reaktionen ist eine Reaktion auf mich!“
„Du verlangst zuviel!“ murmelte sie erstickt. „Das kann ich nicht…“
„Das kann ich nicht, gibt es nicht!“ fauchte er – in einem Ton, der einfach keinen Widerstand duldete. „Was ich auch verlange – du kannst es! Und du wirst es gerne tun… weil du es für mich tun wirst!“
Helena stöhnte. Schwieg. Ließ die Worte in sich einwirken. Wieder überzog eine Gänsehaut ihren Rücken und sie fühlte, wie ihre Brustwarzen beim Klang dieser Worte ganz hart und fest wurden. Erstaunt horchte sie in sich hinein.
Wie besitzergreifend es doch klang, was er da zu ihr gesagt hatte. Unglaublich. Und doch… es hatte keinen Sinn, es zu leugnen – die Reaktion ihres Körpers darauf war einfach eindeutig. Es jagte einen wohligen Schauer nach dem anderen durch ihren Leib.

Er wartete immer noch auf Antwort. Sie rang sich mühsam dazu durch, ihm eine zu geben.
„Ich werde es versuchen!“
In der nächsten Sekunde schrie sie auf, voller Schmerz und völlig fassungslos.
Ansatzlos hatte sich die Gerte quer über beide Oberschenkel gegraben.
„Nicht nur versuchen, mein Schatz!“ zischte Stocker grimmig zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor. „Mit einem Versuch werde ich mich nicht zufrieden geben…“
Keuchend schnappte sie nach Luft. Unwillkürlich waren ihr die Tränen in die Augen geschossen und versickerten nun in der Seide der Augenbinde. Sie unterdrückte ein Schluchzen und wappnete sich gegen den nächsten Hieb…
Vier… noch vier mußte sie ertragen…
Aber wieder überraschte er sie.
Der nächste Biss der Gerte blieb aus.
Dafür durchbrachen seine suchenden Finger das abwehrende Zittern ihrer Muskeln, glitten tiefer und tiefer… bis sie in feuchte Hitze eintauchten und sie erneut zum Wimmern brachten.
Es war kein Schmerzlaut diesmal…
Er lachte. „Geiles Luder!“ mokierte er sich, drückte die Finger noch ein wenig tiefer in die Nässe hinein. Aber es klang zufrieden… gar nicht grimmig diesmal.
Das Blut rauschte Helena in den Ohren. Wieder keuchte sie, als sein Daumen zielstrebig über die pochende kleine Perle tanzte und etwas tief in ihr drinnen zucken ließ.
„Ooouuuhhhh!“ Ein kehliger, zutiefst zufriedener Laut.
„Hmm… kann es sein, dass dir das gerade sehr gefällt?“
Sie dachte nicht nach. Keine Sekunde lang. Zuckte nur gierig um seine Finger herum und nickte eifrig. Wieder gönnte er ihrer Knospe eine flüchtige, gezielte Liebkosung… sog ihr entrücktes Stöhnen in sich auf – und zog sich sofort wieder zurück.
„Mehr?“ Er schnurrte fast… wie ein zufriedener, gesättigter Kater.
Wieder nickte sie – so heftig, dass ihr ganzer Körper davon erschüttert wurde.
Er hielt seine Finger still. Ließ sie bewußt zappeln.
Und erst, als sie begann, sich unruhig gegen seine Handfläche zu reiben, zog er die Hand zurück. „Du mußt nur darum bitten, Helena…“ klärte er sie auf. „Dann bekommst du mehr…“
Unwillkürlich seufzte sie. Frustriert. Wieder einen Kampf gegen sich selbst austragend.
Bog das Rückrat durch… zögerte. Resignierte. „Ich kann nicht…“
„Nun, wie du willst… ich werde dir nichts aufzwingen! Wenn dir das lieber ist…“
Sprechen und ausholen, ihr erneut die Gerte quer über beide Arschbacken ziehen, war eins.
Sie taumelte einen Schritt nach vorne… sekundenlang stockte ihr der Atem, dann wimmerte sie wie ein getretener Hund. Diesmal hatte er sie kein bißchen geschont, sondern voll durchgezogen.
Mit offenem Mund keuchte sie… winselte vor Schmerz.
Es brannte… es pochte… Gott im Himmel, das war einfach zuviel!
Voll im Schmerz vergraben, sich ihm ergebend, überhörte sie das giftige Zischen der Gerte… bis der Schlag erneut auf ihren Hinterbacken explodierte. Sie vorwärts schleuderte. Um den Verstand brachte.
Gellend schrie sie auf… verlor den Kampf, löste den Griff… sank wimmernd, sich krümmend nach vorne in die Knie. Vergrub sich in sich selbst, leise schluchzend. Fühlte nur noch Schmerz. Bestand nur noch aus Schmerz.
Noch zwei…
Stockers Blick hing prüfend an ihr. Hatte er ihr zuviel zu gemutet? War sie etwa schon am Ende? Er war nahe daran, die Gerte einfach beiseite zu werfen, Strafe Strafe sein zu lassen.

Aber da ging ein Ruck durch sie.
Ihr Kopf hob sich. Sie schluchzte, leckte sich die Tränen von den Lippen. Rappelte sich wieder auf.
Tapfer. So tapfer… das Herz schwoll ihm an vor Stolz auf sie.
„Entschuldige…“ wisperte sie. Unsagbar kläglich und doch so hingebungsvoll, dass es ihm durch Mark und Bein fuhr. Und dann nahm sie die gebotene Stellung wieder ein. Präsentierte ihm die Schlagfläche.
Sekundenlang fragte er sich, was denn nun den Sieg in ihr davon getragen hatte. Mut? Sturheit? Hingabe?
Egal… was es auch war… es entsprach ihr einfach. Ihrer Bestimmung. So war sie. So – und nicht anders! Mutig! Tapfer! Stolz! Und doch ganz schwach und weiblich…
Er streckte den Arm aus, ließ die Gerte schwingen… kitzelte sie mit der kleinen Quaste in den Kniekehlen. Sie seufzte, zitterte… versteifte sich dann. Die Gertenspitze tänzelte an der Innenseite ihrer Schenkel nach oben… bis dorthin, wo sich ihre Weiblichkeit befand. Wieder zitterte sie… doch ihr Seufzer klang um einiges tiefer… lustvoller. Sekundenlang gönnte er ihr den Genuß… stimulierte sie gezielt, brachte die Säfte zum Fließen. Wartete, bis sie sich in der Lust verlor.
Und trat dann einen Schritt zurück.
„Stell dich hin!“ brummte er.
Zögernd richtete sie sich auf. Unsicher, was er jetzt von ihr erwartete. Wandte sich ihm zu. Er ließ den Blick über ihre angespannte Gestalt wandern und nickte dann.
„Hände in den Nacken!“ befahl er.
Sehr zögerlich nahm sie die Hände hoch, verschränkte die Finger im Nacken und wagte es kaum, zu atmen. Was hatte er vor?
Er ließ sie absichtlich im Ungewissen.

Noch zwei Hiebe…

„Komm her zu mir!“ knurrte er und registrierte zufrieden, dass sie sofort einen Schritt in seine Richtung machte. Nun stand sie dicht vor ihm. So dicht, dass sich ihre Nüstern blähten, während sie seinen Geruch in sich aufnahm.
Spielerisch klemmte sich Stocker die Gerte unter den Arm, hob dann beide Hände und legte sie ihr auf die bebenden, vom Schweiß feuchten Brüste. Sofort verhärteten sie sich unter seinen Fingern, kleine harte Perlen voller Erwartung. Er nahm sie zwischen Daumen und Zeigefinger und zwirbelte sie leicht, fast beiläufig.
Saugte ihren Seufzer in sich ein. Ließ keinen Blick von ihr… selbst, als er den Druck seiner Finger verstärkte, sie bis an die Schmerzgrenze brachte… bäumte sie sich ihm entgegen und stieß einen kleinen, hingebungsvollen Laut aus.
Er neigte sich vor… nahm die Hände weg. Setzte Lippen und Zähne an, wo Sekunden zuvor noch seine Finger gespielt hatten. Genoß ihr lustvolles Seufzen… ihr Drängen und Zittern… schmeckte ihren Schweiß, fühlte das Pochen ihres Herzens unter seinen Lippen, aufgeregt und stürmisch… Zufrieden nahm er ihr Zusammenzucken in sich auf, als er zubiß. Seine Zähne in ihr Fleisch grub… und sofort wieder von ihr abließ.
Widmete sich der zweiten Brust.
Trank ihren unterdrückten Schrei… genoß ihren Schmerz.
Bereitete sie vor.
Für den nächsten Schritt.

Löste sich von ihr. Schob sie von sich. Wartete, bis ihr Schwanken nachließ, sie sicheren Stand gefunden hatte. Zog durch und schlug zu.
Diesmal hielt sie den Schrei nicht zurück. Konnte es vielleicht auch nicht…
Er hatte zu gut gezielt. Quer über beide Brüste hatte sich die Gerte gegraben, exakt auf die zum Bersten prallen Spitzen. Wieder einmal hatte er sich selbst seine Meisterschaft im Umgang mit dem Leder bewiesen.
Ihre Knie knickten ein. Krümmend ging sie zu Boden. Wimmernd und Schluchzend. Die Arme vor der Brust verschränkt, keinen Gedanken an die Order verschwendend, dass sie die Hände im Rücken zu halten hatte.
Voller Vertrauen hatte sie sich ihm präsentiert… sich verletzlich gemacht. Sich selbst angeboten. Und jetzt…
Brennen. Ihr ganzer Leib war Brennen. Schmerz. Hölle. Ja… ihre ureigenste Hölle… sie hatte ihre persönliche Hölle gefunden – und schwamm auf einem Meer von Schmerz.

„Leg dich auf den Rücken!“
Der Befehl durchdrang den Schmerz und sie dachte gar nicht darüber nach. Gehorchte einfach. Rollte sich matt herum, bis sie auf dem Rücken lag. Biß die Zähne zusammen, denn ihrem Hinterteil gefiel diese Stellung ganz und gar nicht. Jede einzelne Strieme machte sich bemerkbar… protestierte wütend und pochend.
Er gab ihr eine Minute, bis ihr Atem nicht mehr so flach ging. Bewunderte die rote Spur seiner Gerten und sah erstaunt, wie prall geschwollen sich die Nippel ihrer Brüste aufgerichtet hatten.
Runzelte dann die Stirn. Konzentrierte sich wieder auf das Wesentliche. Es war noch nicht vorbei…
„Zieh die Beine an und spreiz sie für mich!“ sagte er hart… und alleine schon der Ton setzte sofortigen Gehorsam voraus.
Von einer Sekunde auf die andere wich die Röte in ihrem Gesicht wächserner Blässe.
Mechanisch gehorchte sie… sie zog die Fersen zu sich heran… spreizte die Schenkel. Fühlte, wie sie sich bei dieser Bewegung öffnete, sich ihm präsentierte.
Fühlte sich plötzlich so schutzlos und offen, wie ein neugeborenes Kind. Kühle Luft strich über die feuchte, nasse Spalte. Machte ihr bewußt, wie wehrlos sie an dieser Stelle war… wie verletzlich…
Ein Zittern lief durch ihren Körper. Der Drang, die Schenkel zusammen zu kneifen und sich selbst zu schützen, wurde schier übermächtig in ihr. Sie biß sich auf die Lippen, hielt die Luft an. Und vermochte doch nicht, ihre Angst vor ihm zu verbergen.
Jeder einzelne Hieb hatte sich in ihre Haut gegraben. Jeder einzelne Schlag pochte und brannte.
Neunmal hatte die Gerte ihr Ziel getroffen.
Und jetzt lag das zehnte offen und weit vor ihm.

Helena fühlte sich, als stünde sie am Rande einer Ohnmacht. Ihre Vorstellungskraft gaukelte ihr die schrecklichsten Bilder vor. Sie roch ihre eigene Angst… fühlte den Schweiß derselben auf ihrer Haut perlen. Ihr Herz schlug schwer und schnell… und ein Schauer nach dem anderen jagte durch ihren Körper.
Er touchierte mit der Gertenspitze leicht die Innenseite ihrer Knie – sofort schrie sie quiekend auf, das Schlimmste erwartend.
Stocker lachte meckernd.
„Angsthase!“
Sie war nicht in der Lage, auf den Spott zu reagieren. Biß nur weiter die Zähne zusammen, aus Angst, sie würden sonst klappernd aufeinander schlagen. Wartete. Und hoffte, es möge schon vorbei sein…
„Komm… ich will nicht, dass du nach mir trittst!“ sprach er ruhig auf sie ein. „Faß wieder an deine Knöchel und spreiz die Beine, so weit es geht!“
Sie gehorchte, zog sich selbst so weit auseinander, wie es nur ging – irgendwie froh, dass sie etwas hatte, woran sie sich festhalten konnte. Und wenn es nur ihre eigenen Beine waren. Aber irgendwie war dieser Halt, so zweifelhaft er auch sein mochte, doch tröstend.
Noch weiter öffnete sich ihre Weiblichkeit. Weiter ging es schon fast nicht mehr.
Jenseits aller Scham, tief in ihre Angst verloren, bemerkte sie, wie ihre eigene Nässe aus ihr heraus perlte.
Die Gertenspitze tanzte wieder… streichelte über seidenweiche Haut, tauchte ein in gierige Nässe… maß die ganze Länge der Spalte. Mit einem unglücklichen Seufzer zuckte Helena zusammen, bäumte sich unwillkürlich auf. Fassungslos. Ungläubig. Wie konnte man in so einer Situation Erregung empfinden?
Alles in ihr schrie laut „Nein!“ Aber verräterischer Körper. Der lechzte. Der gierte. Der antwortete hungrig und überdeutlich: „Ja!“
Es konnte ihm nicht verborgen bleiben… sie fühlte es ja selber, wie sie noch nässer wurde. Wie sie tropfte. Wie sie unter der Gerte zuckte und schmatzte. Wie sie vor Lust auslief. Wie das Verlangen die Angst besiegte…
Ein rauhes Stöhnen, als er die Gerte fordernd in ihre Spalte drückte, sie eintauchte in die Nässe. Die pochende hungrige Klitoris immer weiter reizte und umschmeichelte – sie zum Schwellen brachte, zum Blühen. Sie tief hineinstieß in den Taumel voller Lust und Verlangen.

Und dann nahm er die Gerte ohne Vorwarnung weg. Ließ sie alleine. Sekunden, bevor sie sich ganz verlor.
Sie erstarrte. Ängstlich.
„Jetzt!“ knurrte er… wie aus weiter Entfernung hörte sie die Gerte schwirren. Verkrampfte sich. Schrie laut auf.
Fühlte die Explosion zwischen den Beinen. Tief in sich drin. Schrie noch lauter.
Erkannte in ihrem Taumel nicht, dass der Schmerz gar kein Schmerz war. Dass ihre Nerven ihr nur einen Streich spielten, ihr etwas vorgaukelten… dass seinem befriedigtes „Zehn!“ gar keinem Schlag folgte. Zumindest keinem Schlag, der sie getroffen hatte. Die Gerte schlug ins Leere…
Berührte sie nur federleicht. Da, wo sie pochte und brannte… und jetzt zuckte und auslief.
Ihr ganzer Körper wurde geschüttelt… heftig, zügellos… bäumte sich auf, fiel in sich zusammen. Brannte aus… ganz langsam… zielstrebig geführt vom Streicheln der Gerte… Er ließ es anschwellen und abklingen, spielte mit ihrer Lust… und führte sie ganz langsam wieder auf die Erde zurück.
Schluchzend lag sie vor ihm, immer noch geschüttelt von den Nachwehen der heftigen Erlösung. Atemlos. In Schweiß gebadet. Fassungslos. Ungläubig.

Stocker ging neben ihr in die Knie, zog sie an seine Brust und umfing sie fest. Seine Hände streichelten ihren Rücken und holte sie ganz langsam zurück ins Hier und Jetzt. Gab ihr alle Zeit, die sie brauchte.
Er war sich bewußt, welch böses Spiel er zum Schluß mit ihr gespielt hatte… welche Ängste er in ihr geschürt hatte. Wie so oft hatte er vorausgesetzt, dass die Erwartung möglicher Taten schlimmer sein konnte, als die Realität…
Er hatte sie bis an ihre Grenzen gejagt… und sie zielstrebig darüber hinaus geführt.
Jetzt brauchte sie ihn. Brauchte seine Nähe, die Sicherheit seiner Umarmung. Das Wissen, dass sie gerade jetzt nicht alleine war.
Er gab ihr alle Zeit der Welt.

Irgendwann, als ihr Atem ruhiger wurde und der Schweiß auf ihrer Haut anfing, zu trocken, nahm sie ihr Gesicht von seiner Brust und hob es ihm entgegen. Mit einem sanften Lächeln streichelte er ihre tränennassen Wangen und küsste sie sanft auf den Mund.
„Ich bin so unendlich stolz auf dich, meine kleine Helena!“ wisperte er, dicht an ihren Lippen. „Du bist ein Geschenk des Himmels, weißt du das?“
Sie hörte sein Flüstern, und hörte es doch nicht.
Er erkannte ihre Verlorenheit und lächelte siegessicher. Sie war ihm so nah… in diesem Moment. Aber etwas mußte noch getan werden…
Mit einem Seufzer schob er sie von sich und stand auf.
„Die letzte Entscheidung überlasse ich dir, mein Schatz!“ sagte er bestimmt, kaum daß er stand.
Die Worte drangen zu ihr durch. Überrascht hob sich ihr Kopf.
„Wie meinst du das?“
„Ich werde dich nicht einfach in Besitz nehmen, Helena!“ klärte er sie bereitwillig auf. „Das wäre zu einfach. Und ich wüßte nie, ob du wirklich mit ganzem Herzen dahinter stehst…“ Eine keine Pause… ein tiefes Durchatmen.
Wieder einmal pokerte er. Dessen war er sich bewußt. Aber anders wollte er sie einfach nicht!
„Ich lasse dich heute gehen. Kehre in deine Wohnung zurück, laß das Erlebte auf dich einwirken. Erlebe es in Gedanken nochmal und nochmal, sooft du willst. Und horche aufmerksam in dich hinein. Überlege dir alle Konsequenzen, die deine Entscheidung betreffen… überlege sie dir gut. Und komm dann zurück und teile mir deine Antwort mit…“
„Welche Entscheidung? Welche Antwort?“
„Ob du mir gehören willst, Helena… ob du den Weg, den ich dir gezeigt habe, mit mir weitergehen willst… gemeinsam mit mir. Aber dann mit allen Konsequenzen. Wenn du die Entscheidung zu meinen Gunsten triffst, gehörst du dir nicht mehr selbst. Dann bist du mein Eigentum, es wird nur noch mein Wille zählen. Du wirst dich selber aufgeben… wirst durch mich und für mich leben. Du wirst wahrhaft Sklavin sein!“
Noch einmal neigte er sich vor, hauchte einen Kuss auf ihre bebenden, feucht glänzenden Lippen.

Und ging…

Wie erstarrt kauerte Helena am Boden. Versuchte immer noch, seine Ankündigung zu verdauen. Und überhörte darüber ganz, dass Nora ins Büro trat.
Sie zuckte zurück, als das Knirschen von Leder ihr sagte, dass Nora neben ihr in die Knie ging – und dann löste sich die Augenbinde. Das Tuch glitt über ihre Haut, Seide streichelte… aber sie war so abgelenkt, dass sie sich selber wie in Trance fühlte.
Die Blondine schaute ihr kühl ins Gesicht. Nickte ihr dann zu.
„Anziehen!“ brummte sie.
Helena erwiderte den kalten Blick, offen und immer nach ganz  verloren in dieser anderen, fremden Welt. Dann nickte sie.
Mechanisch wie eine Marionette rappelte sie sich auf. Nahm die Kleider entgegen, die man ihr reichte. Zog sich geistesabwesend an… und wehrte sich dann nicht, als Nora sie bei der Schulter faßte und regelrecht aus dem Büro drängte.
Vor dem Aufzug ließ sie von ihr ab, schenkte ihr einen weiteren, stark unterkühlten Blick und knirschte dann. „Wir sind im Walldorf abgestiegen…“ Und mit dieser Information wandte sie sich einfach zum Gehen. Kehrte in ihr Büro zurück, in dem Stocker wartete.
„Die sehen wir nie wieder!“ höhnte sie abfällig.
Ihr Herr sah sie an, nachdenklich – mit einem stillen Lächeln auf den Lippen.
„Du irrst dich, Nora!“ kommentierte er. „Da irrst du dich ganz gewaltig…“

Die nächsten Stunden, Tage… die ganze Weihnachtszeit zog an Helena wie ein Traum vorüber. Manchmal, wenn die Zweifel zu stark wurden, sagte sie sich verzweifelt, dass dies alles gar nicht wirklich passiert war.
Aber jedesmal, wenn die Zweifel übermächtig wurden, genügte ein Blick in den Spiegel, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Bläulich auf heller Haut schimmerten sie… die Spuren seiner Hiebe… deutliches Zeichen, dass sie nichts geträumt sondern alles tatsächlich erlebt hatte!
Die Striemen schmerzten immer noch. Wenn sie mit den Fingerspitzen darüber streichelte und vorsichtig Druck ausübte, protestierten sie wild und heftig. Und brachten ihr jedesmal die Situation ins Gedächtnis zurück, in der sie so gezeichnet worden war.
Helena war unruhig. Unzufrieden. Hatte das Gefühl, sich selbst verloren zu haben.
Fühlte sich seltsam unvollständig. So, als hätte man ihr ein lebenswichtiges Körperteil amputiert.
Dieser Gedanke gefiel ihr nicht. Bedeutete er doch…

Sie schlief schlecht. Hatte keinen Appetit. Fühlte sich lustlos und leer.
Wartete auf etwas.
Jedesmal, wenn das Telefon schellte, zuckte sie zusammen – erschrak über die Hoffnung, die sie nicht ignorieren konnte. Und erschrak noch mehr über die Enttäuschung, die sich unweigerlich einstellte, weil der Anrufer niemals ER war.
Schalt sich eine Närrin. Eine Idiotin.
Und war sich doch bewußt, dass sie eigentlich nur einen Kampf gegen sich selbst führte.
Tief drinnen, da war die Entscheidung doch schon längst gefallen…

Irgendwann kam Helena die bedeutsame Erkenntnis, dass sie tatsächlich nur gegen sich selbst kämpfte. Und sie fragte sich, warum…
Weil sie Angst vor den Konsequenzen hatte? Nein…
Weil sie Angst vor dem Schmerz hatte? Zum Teil…
Angst, er könne mehr fordern, als sie geben konnte? Manchmal…
Oder Angst, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen und den Schritt in eine völlig neue, befremdliche Welt zu wagen? Ja…

Warum zögerst du denn? Fragte sie sich immer wieder. Du hast dich noch nie so lebendig gefühlt, wie bei ihm.  Noch nie hat dich jemand diesem Wechselbad an Emotionen ausgesetzt… und noch nie, liebe Helena, hast du dich so sehr als Frau gefühlt – wie bei ihm.
Warum zögerst du?
Stolz? Dummer Stolz! Du gehst das Risiko ein, dass er nicht mehr warten will… und dann ist es zu spät! Er wird nicht ewig auf dich warten…

Es war so schwer. Immer wieder wägte sie Für und Wider ab, haderte mit sich selbst. Faßte einen Entschluß und verwarf ihn schon im nächsten Augenblick wieder. Fühlte den Hunger in sich, die Sehnsucht… und die Einsamkeit – und ignorierte sie bewußt. Hielt sie sich dann wieder vor Augen.
Und erkannte plötzlich… sie wollte ihm gehören. Sie wollte zu ihm gehen.
Warum zögerst du eigentlich, Helena?

Die Erkenntnis, dass sie sich selbst bestrafte, weil sie die Behandlung durch ihn so sehr genossen hatte, erschütterte sie. War das auch eine Art von Masochismus? Sich selbst bestrafen und sich selbst das vorenthalten, was man im Grunde seines Herzens so sehr herbei sehnte?
Kaum hatte sie diese Überlegung erfaßt, erkannte sie auch – dass sie schon viel zu lange gewartet hatte. Es wäre besser, nicht noch mehr Zeit zu verschwenden…

Eine unglaubliche Ruhe senkte sich über sie, sobald sie den Entschluß gefaßt hatte, sich ihm anzuvertrauen. Tief in ihrem Inneren wußte sie, dass das die richtige Entscheidung war. Die einzig mögliche Entscheidung. Jede andere wäre eine Lüge gewesen, Selbstverleugnung.
Und nun wollte sie auch nicht mehr länger warten.
Sehr sorgfältig bereitete sie sich vor, für das Treffen… für das Geschenk, das sie ihm machen wollte. Immer in dem Wissen, endlich ihre Bestimmung gefunden zu haben.
Stolz brannte in ihr. Doch diesmal kein trotziger, spröder Stolz – sondern Stolz auf das Wissen, dass sie war, was sie war… dass sie tatsächlich das war, was er in ihr gesehen hatte!

Im Hotel verwies der Portier sie, freundlich lächelnd, auf den Klubsaal – dort hielte sich Herr Stocker mit ein paar Geschäftsfreunden auf.
Diese Information entsetzte sie etwas… sie hatte sich einen etwas privateren Rahmen erhofft. Aber dann atmete sie tief durch und setzte sich in Bewegung. Setzte langsam und gezielt Fuß vor Fuß – bis sie den Klubsaal erreicht hatte.
Rauchgeschwängerte Luft schlug ihr entgegen… Stimmengewirr… und arg im Hintergrund, die Klänge eines Jazzklaviers. Die Musik kam kaum gegen den Lärm der Unterhaltungen an.
Sie schaute sich um, suchend… blickte über die Köpfe der Sitzenden hinweg… entdeckte ihn. Er saß mit dem Rücken zu ihr, an der Bar. Gesäumt von zwei schwer gewichtigen Herren in dunklen Anzügen.
Langsam kam sie näher. Fühlte, wie sich ihr Herzschlag beschleunigte… allein durch seinen Anblick. Und blieb dann stehen. Zwei Meter hinter ihm.
Einer der Männer hatte sie entdeckt. In seinem Blick leuchtete die Gier, als sie millimeterweise abgeschätzt wurde. Dann sagte er etwas zu den anderen beiden.
Ruckartig schwang Stocker auf seinem Barhocker herum, umfing sie mit seinem Blick.
Sie erschauderte unter dem glühenden Ausdruck seiner hellen Augen und schlug die Lider nieder, plötzlich unsicher und verlegen. Straffte sich dann und suchte seinen Blick wieder.
„Helena…“ Brummig. Etwas grimmig. „Du hast dir Zeit gelassen…“
Er kam ihr nicht entgegen. Half ihr nicht, in dieser peinlichen Situation.
„Tut mir leid…“ wisperte sie bedrückt, so leise daß es in dem Geräuschpegel unterging.
„Was willst du hier?“
Tapfer schluckte sie, drängte die Angst vor Zurückweisung zurück und machte noch einen Schritt auf ihn zu.
„Ich möchte dir gehören…“ sagte sie, laut und deutlich, mit klarer Stimme – bewußt die Überraschung seiner beiden Geschäftsfreunde ignorierend.
„Ja… möchtest du das?“ Das klang schon etwas weniger grimmig. Aber immer noch nicht entgegen kommend.
Helena zögerte. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Er machte es ihr wirklich schwer.
Sie wußte, daß sie ihn tagelang hatte warten lassen. Vielleicht ZU lange! Und dass er jetzt auf etwas wartete.
Auf ein mehr als deutliches Zeichen, wieviel ihr an dem allem lag…
Und auch ein Zeichen, wie weit sie dafür zu gehen bereit war.

Sie hob das Kinn. Sah ihm tief in die Augen, senkte dann unterwürfig Blick und Kopf. Sank tief in die Rolle hinein, die sie immer schon in sich gefühlt und nie wahrgenommen hatte. Verabschiedete sich  von der „alten“ Helena und hieß die „Sklavin“ willkommen.
Bekannte sich offen zu dem, was sie war… überreichte es ihm wie ein Geschenk.
Geschmeidig knickte sie ein. Ging vor all den Leuten in die Knie und kauerte sich dann zu seinen Füssen. Fühlte sich ganz klein und demütig in diesem Moment. Fühlte all die fassungslosen Blicke der Leute auf sich… fühlte die Scham und Demütigung heiß in sich brennen. Verdrängte alles, in den Hintergrund. Konzentrierte sich nur auf ihn.
„Bitte, mein Herr… ich möchte dir gehören und dir dienen…“ wiederholte sie dann.
Schweigen.
Es dröhnte in den Ohren und schmetterte sie regelrecht nieder. Es dauerte und dauerte und kam ihr wie eine Ewigkeit vor.
Bis sie plötzlich das Streicheln seiner Hand fühlte… er griff nach ihr, zog sie hoch, bis sie vor ihm stand und ihm ins Gesicht schauen konnte. Sie erschauderte unter dem Ausdruck seiner Augen… bebte bis ins tiefste Innerste und schwankte plötzlich.
Er gab ihr Halt… sprach stumm zu ihr, von seinem Stolz auf sie, von seiner Freude über ihre Entscheidung. Und führte sie langsam aus dem Saal.
Sie folgte ihm… benommen, ab und zu taumelnd.
Bis er sie in die Arme schloß… die Leute ebenso wie sie vergaß, und sie wild und heftig küsste. Und dann wisperte er dicht an ihrem Mund:

„Den Rest des Weges werden wir gemeinsam gehen, meine kleine stolze Helena!“

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